Kurz vor der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters in Köln nutzen zehntausende Bürgerinnen und Bürger digitale Wahlhilfen, um die Positionen der Kandidaten Berivan Aymaz (Grüne) und Torsten Burmester (SPD) zu vergleichen. Insbesondere die Tools „Stichwahl-Navi“ und „lokal-o-mat“ bieten einen detaillierten Einblick in die politischen Standpunkte und zeigen deutliche Unterschiede, aber auch überraschende Gemeinsamkeiten auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Zwei wissenschaftlich entwickelte Online-Tools, das „Stichwahl-Navi“ und der „lokal-o-mat“, helfen bei der Wahlentscheidung in Köln.
- Das „Stichwahl-Navi“ der Universität Münster verzeichnete bereits über 60.000 Nutzungen.
- Die Tools basieren auf rund 30 Thesen zu Kölner Kommunalthemen, zu denen sich die Kandidaten positioniert haben.
- Deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Aymaz und Burmester zeigen sich bei Verkehr, Stadtentwicklung und sozialen Fragen.
Digitale Orientierungshilfen im Wahl-Endspurt
Wenige Tage vor der entscheidenden Stichwahl stehen viele Wahlberechtigte in Köln vor der Frage, welchem Kandidaten sie ihre Stimme geben sollen. Um diese Entscheidung zu erleichtern, haben wissenschaftliche Institutionen spezielle Online-Angebote entwickelt. Diese sogenannten Wahl-O-Maten für die Kommunalpolitik sollen eine sachliche und fundierte Auseinandersetzung mit den Inhalten ermöglichen.
Zwei Plattformen stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses: der „lokal-o-mat“, entwickelt von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, und das „Stichwahl-Navi“ der Universität Münster. Beide funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip: Nutzerinnen und Nutzer bewerten eine Reihe von politischen Thesen und erhalten am Ende einen Abgleich mit den Positionen von Berivan Aymaz und Torsten Burmester.
Hohe Nachfrage nach politischer Orientierung
Das „Stichwahl-Navi“ wurde laut Professor Norbert Kersting, dem wissenschaftlichen Leiter des Projekts, in den letzten zehn Tagen bereits von mehr als 60.000 Interessierten genutzt. Diese hohe Zahl unterstreicht den Bedarf an neutraler Information im Vorfeld der Wahl.
Die Funktionsweise der Wahl-Tools
Die Grundlage beider Tools bilden rund 30 Thesen, die zentrale kommunalpolitische Streitpunkte in Köln abbilden. Diese reichen von der Verkehrsplanung über den Wohnungsbau bis hin zu sozialen und kulturellen Themen. Die Positionen der Kandidaten wurden durch Selbstauskünfte direkt bei den Wahlkampfteams von Aymaz und Burmester eingeholt.
Mehr als nur ein einfacher Vergleich
Das „Stichwahl-Navi“ der Universität Münster geht dabei noch einen Schritt weiter. Laut Professor Kersting, einem Experten für Kommunalpolitik, werden nicht nur Sachthemen abgefragt. „Wir beziehen auch Fragen zu den Kandidierenden und ihrem Politikstil ein“, erklärt er. Nutzer können ihre Zustimmung zu den Thesen auf einer Skala von 1 bis 5 abstufen und zusätzlich angeben, welche Themen ihnen besonders wichtig sind. Diese können dann doppelt gewichtet werden, um das Ergebnis zu personalisieren.
„Die wahlberechtigten Kölnerinnen und Kölner können sich so ein sehr gutes Bild davon machen, was Aymaz und Burmester vorhaben und wie sie sich ihre Rolle an der Stadtspitze vorstellen.“
Ein besonderes Merkmal des „Stichwahl-Navis“ ist die Möglichkeit, die kurzen Begründungen der Kandidaten zu jeder einzelnen These nachzulesen. Dies schafft zusätzliche Transparenz und hilft, die Hintergründe einer Position besser zu verstehen.
Wo die Kandidaten uneins sind
Die Auswertungen der Online-Wahlhilfen machen die politischen Bruchlinien zwischen der Grünen-Kandidatin Aymaz und dem SPD-Kandidaten Burmester deutlich sichtbar. Die Unterschiede zeigen sich in mehreren Schlüsselbereichen der Kölner Stadtpolitik.
Die wichtigsten Streitpunkte im Überblick
- Ost-West-Achse: Burmester befürwortet den Bau eines Tunnels für die Stadtbahn, um den oberirdischen Raum neu zu gestalten. Aymaz lehnt diese Tunnellösung ab.
- Gleueler Wiese: Aymaz ist gegen einen Ausbau der Vereinsanlagen des 1. FC Köln auf der Gleueler Wiese im Grüngürtel. Burmester zeigt sich für einen solchen Ausbau offen.
- Umgang mit Obdachlosigkeit: Beim Thema Obdachlose auf dem Neumarkt plädiert Burmester für ein restriktiveres Vorgehen. Aymaz spricht sich dagegen aus.
- Verpackungssteuer: Die vom Rat beschlossene Steuer auf Einwegverpackungen wird von Aymaz unterstützt, von Burmester hingegen abgelehnt.
Diese klaren Gegensätze ermöglichen es den Wählerinnen und Wählern, ihre eigene Haltung zu zentralen Zukunftsprojekten der Stadt direkt mit den Plänen der Kandidaten abzugleichen. Die Tools visualisieren diese Unterschiede oft in Form einer Ampel (Zustimmung, Ablehnung, neutral), was den direkten Vergleich erleichtert.
Gemeinsamkeiten und Nuancen
Trotz der deutlichen Differenzen in einigen Bereichen zeigen die Wahlhilfen auch, dass Aymaz und Burmester in vielen anderen Fragen einer Meinung sind. Das führt dazu, dass die prozentuale Übereinstimmung für Nutzer bei beiden Kandidaten oft recht nah beieinander liegt. Dies spiegelt die politische Nähe von Grünen und SPD in vielen kommunalen Themen wider.
Die Entscheidung für viele Wählerinnen und Wähler könnte daher von den wenigen, aber wichtigen Streitpunkten abhängen. Die Möglichkeit, einzelne Themen stärker zu gewichten, ist hierbei ein wertvolles Instrument. Wer beispielsweise die Verkehrspolitik oder den Schutz des Grüngürtels als entscheidend für seine Wahl ansieht, kann dies in den Tools kenntlich machen und erhält ein entsprechend angepasstes Ergebnis.
Die Online-Wahlhilfen sind somit mehr als nur eine spielerische Anwendung. Sie sind zu einem etablierten Instrument der politischen Bildung geworden, das eine fundierte und sachliche Entscheidungsgrundlage für die Kölner Stichwahl bietet.




