Nach den jüngsten Karnevalstagen hat Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester seine Haltung zur Situation im Kwartier Latäng bekräftigt. In einem Interview stellte er klar, dass die Stadt Köln auch zukünftig keine Musik- oder Unterhaltungsangebote für die Feiernden auf der Zülpicher Straße organisieren wird. Als Hauptgrund nannte er die Verantwortung für den Jugendschutz und die zunehmenden Alkoholexzesse.
Die Debatte wurde durch Burmesters Warnung vor einer „Ballermannisierung“ des Straßenkarnevals entfacht und hat zu geteilten Reaktionen in der Kölner Gesellschaft und Musikszene geführt. Während einige Künstler die Zustände kritisieren, sehen andere die Probleme als übertrieben dargestellt an.
Das Wichtigste in Kürze
- Oberbürgermeister Burmester lehnt eine Rolle der Stadt als „Partyveranstalter“ für das Kwartier Latäng ab.
- Rund 2.500 Mal wurde an den Karnevalstagen Alkohol von Jugendlichen konfisziert.
- Die Stadt konzentriert sich auf Jugendschutzmaßnahmen wie verdeckte Kontrollen.
- Kölner Musiker wie Basti Campmann (Kasalla) und Mirko Bäumer (Bläck Fööss) unterstützen den Kurs des OBs, während andere wie Patrick Lück (Höhner) Kritik üben.
Klare Positionierung der Stadtverwaltung
Die Stadt Köln wird sich aus der aktiven Gestaltung der Karnevalsparty im Kwartier Latäng heraushalten. Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) erklärte, dass die Organisation von Unterhaltungsangeboten nicht zur Aufgabe der Verwaltung gehöre. „Die Stadt ist kein Partyveranstalter und will das auch nicht sein“, betonte Burmester. Er sieht stattdessen andere Organisationen in der Pflicht, entsprechende Formate für junge Karnevalisten zu schaffen.
Der Fokus der Stadt liege eindeutig auf der Gewährleistung von Sicherheit und Jugendschutz. Burmester verwies auf die Maßnahmen während der vergangenen Session, die dieses Engagement unterstreichen sollen. So wurden verdeckte Testkäufe durchgeführt, um den Verkauf von Alkohol an Minderjährige zu unterbinden.
Zahlen des Karnevals 2026
Während der Karnevalstage haben Einsatzkräfte rund 2.500 Mal hochprozentigen Alkohol von Jugendlichen eingezogen. Diese Zahl dient dem Oberbürgermeister als zentrales Argument für seine Haltung und die Notwendigkeit strengerer Kontrollen.
Verstöße seien konsequent geahndet worden, was unter anderem zur Schließung eines Kiosks am Alter Markt führte. Diese Maßnahmen zeigen, dass die Stadtverwaltung die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften ernst nimmt und durchsetzen will.
Die Debatte um die „Ballermannisierung“
Bereits vor den Karnevalstagen hatte Burmester mit seiner Äußerung, die Stadt dürfe „nicht in die Ballermannisierung laufen“, für Aufsehen gesorgt. Mit diesem Begriff kritisierte er die zunehmenden Alkoholexzesse und das damit verbundene Bild, das der Straßenkarneval besonders im Studentenviertel abgibt.
„Das Bild auf der Zülpicher Straße – wo Feiernde über eine Schicht leerer Schnapsfläschchen laufen und viele Jugendliche teilnahmslos sitzen – will er nicht länger akzeptieren.“
Diese Aussage verteidigte er nun erneut. Er beschrieb Szenen, die aus seiner Sicht nicht mehr tragbar seien und dem eigentlichen Geist des Karnevals widersprechen. Die Bilder von stark alkoholisierten, oft minderjährigen Personen prägen zunehmend die öffentliche Wahrnehmung der Feierlichkeiten rund um die Zülpicher Straße.
Was bedeutet „Ballermannisierung“?
Der Begriff bezieht sich auf den „Ballermann 6“, eine bekannte Strandbar auf der spanischen Insel Mallorca, die als Synonym für Massentourismus und exzessiven Alkoholkonsum gilt. Im Kontext des Kölner Karnevals wird der Begriff verwendet, um eine Entwicklung zu beschreiben, bei der das traditionelle Brauchtum von reinen Trinkgelagen verdrängt wird.
Die Warnung des Oberbürgermeisters ist somit ein Appell, die Kultur des Karnevals zu schützen und einer reinen Partykultur entgegenzuwirken, die vor allem auf schnellen und billigen Alkoholkonsum ausgerichtet ist.
Geteiltes Echo aus der Kölner Musikszene
Die klare Haltung des Oberbürgermeisters hat in der Kölner Karnevalsszene eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander.
Unterstützung für den Kurs des OB
Zustimmung kommt unter anderem von prominenten Musikern. Basti Campmann, Sänger der Band Kasalla, bezeichnete die Zustände auf der Zülpicher Straße und in Teilen der Südstadt als „definitiv ein Problem“. Er sprach von einer gesellschaftlichen „Verrohung“ unter den Feiernden, die sich in Respektlosigkeit und Aggressivität äußere.
Auch Mirko Bäumer, Sänger der Bläck Fööss, kann die Einschätzung von Burmester nachvollziehen. Er berichtete, dass seine 22-jährige Tochter das Feiern auf der Zülpicher Straße im Vorjahr frühzeitig abgebrochen habe, weil sie sich dort unsicher fühlte. Diese persönlichen Erfahrungen bestärken ihn in der Ansicht, dass Handlungsbedarf besteht.
Kritik und andere Perspektiven
Andere Stimmen aus der Szene sehen die Situation differenzierter. Höhner-Sänger Patrick Lück kritisierte den Begriff „Ballermannisierung“ als wenig hilfreich für die Debatte. Er argumentierte, dass nur etwa ein Prozent der Feiernden über die Stränge schlagen würde. Zudem warf er den Medien vor, sich auf diese negativen Vorfälle zu „stürzen“ und damit ein verzerrtes Bild zu zeichnen.
Auch Stephan Brings äußerte sich kritisch zu der Wortwahl des Oberbürgermeisters. Die unterschiedlichen Reaktionen zeigen, wie tief die Gräben in der Bewertung der aktuellen Entwicklung im Kölner Straßenkarneval sind.
Ein Fazit der vergangenen Session
Trotz der hitzigen Debatte zog Torsten Burmester für sich persönlich eine positive Bilanz seines ersten Karnevals als Oberbürgermeister. Er lobte das Dreigestirn als „jung, nahbar, aber auch mit Tiefgang“ und zeigte sich von Besuchen in sozialen Einrichtungen bewegt.
Er stellte klar, dass er nicht den Kern des Karnevals infrage stellen wolle, sondern ausschließlich die Auswüchse, die sich an dessen Rändern etabliert haben. Die Beobachtungen an Weiberfastnacht im Kwartier Latäng spiegelten dieses gemischte Bild wider. Zwar war der Andrang in diesem Jahr vergleichsweise geringer, dennoch berichteten Anwohner von jungen Menschen, die bereits am Vormittag gegen 10 Uhr so stark alkoholisiert waren, dass sie nicht mehr laufen konnten.
Die Diskussion um die Zukunft des Feierns im Kwartier Latäng wird Köln also auch in der Vorbereitung auf die nächste Session intensiv beschäftigen. Es bleibt die Frage, wie die Stadt den Spagat zwischen ausgelassener Feierkultur und dem Schutz der Jugend sowie der Anwohner meistern kann.




