Mitten im Höhepunkt der Karnevalssession 2026 blickt Köln bereits in die Zukunft. Das Festkomitee Kölner Karneval hat während des Rosenmontagszugs das offizielle Motto für die Session 2027 bekannt gegeben. Es lautet „Morje es, wat do drus mähs!“ und ist ein deutlicher Appell an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.
Die Botschaft, die auf Hochdeutsch „Morgen ist, was du daraus machst!“ bedeutet, soll die Menschen ermutigen, die Zukunft aktiv mitzugestalten, anstatt sich von globalen Krisen entmutigen zu lassen.
Enthüllung während des Rosenmontagszugs
Die Vorstellung des neuen Mottos erfolgte auf spektakuläre Weise. Während Hunderttausende Jecke den Rosenmontagszug 2026 feierten, rollte ein riesiger aufblasbarer Ball durch die Straßen. Bedruckt war er nicht nur mit bekannten Kölner Wahrzeichen, sondern auch mit dem neuen Leitspruch für die kommende Session.
Zugleiter Marc Michelske hatte die Ehre, das Motto offiziell zu enthüllen. Dieser Moment, eingebettet in die ausgelassene Stimmung des größten Kölner Umzugs, schuf einen direkten Übergang von der Gegenwart in die Planung für die nächste „fünfte Jahreszeit“.
Eine Botschaft mit Tiefgang
Christoph Kuckelkorn, der scheidende Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, erläuterte die tiefere Bedeutung hinter dem gewählten Spruch. Er betonte, dass viele Menschen angesichts großer Herausforderungen wie Kriege, wirtschaftliche Unsicherheit und politische Spannungen ein Gefühl der Ohnmacht empfinden.
„Wir alle verzweifeln manchmal an den ganz großen Themen unserer Zeit. Dabei verliert man oft aus dem Blick, dass man selbst etwas tun kann.“
Das Motto soll diesem Gefühl entgegenwirken. Es erinnert daran, dass Veränderungen im Kleinen beginnen und jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Es ist ein Aufruf, nicht abzuwarten, sondern selbst aktiv zu werden.
Ein Appell an die Gesellschaft
Das Motto „Morje es, wat do drus mähs!“ ist mehr als nur ein eingängiger Reim für Karnevalslieder und Büttenreden. Das Festkomitee versteht es als einen klaren politischen und gesellschaftlichen Kommentar in bewegten Zeiten.
Kuckelkorn formulierte es unmissverständlich: „Vom wertschätzenden Umgang miteinander über Hilfsbereitschaft im Alltag bis zum Energiesparen und nachhaltigem Handeln ganz allgemein: Jeder von uns entscheidet mit, welchen Kurs wir steuern und wie das Morgen aussehen wird.“
Die Kernbotschaft
Das Motto für 2027 lässt sich in einem kölschen Ausruf zusammenfassen, den Kuckelkorn selbst nutzte: „Arsch huh und anpacken!“. Es geht darum, Initiative zu ergreifen, statt in Passivität zu verharren.
Stärkung der Demokratie
Die Botschaft zielt auch auf die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens ab. Laut Festkomitee ist das Motto ein Bekenntnis zur Demokratie. In einer Welt, in der autokratische Tendenzen zunehmen, sei es entscheidend, das Bewusstsein für die eigene Gestaltungskraft zu stärken.
„Nur, wer sich mit anderen austauscht und gemeinsam nach Lösungen sucht, wird am Ende erfolgreich sein – das nennt man Demokratie“, so Kuckelkorn. Der Karneval als gesellschaftliches Bindeglied soll diesen Gedanken transportieren und erlebbar machen.
Tradition trifft auf Zeitgeist
Die Wahl eines Mottos für jede Session hat im Kölner Karneval eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Diese Mottos spiegeln oft den aktuellen Zeitgeist, gesellschaftliche Stimmungen oder wichtige Ereignisse in der Stadt wider.
Die Rolle des Mottos
Das Sessionsmotto dient als roter Faden für die gesamte Karnevalszeit. Es inspiriert:
- Kostüme und Wagenbauten für die Züge
- Texte für neue Karnevalslieder
- Themen für Büttenreden
- Gestaltung von Orden und Festschriften
Es bietet den Karnevalisten eine thematische Klammer, um ihre Kreativität auszudrücken und aktuelle Themen aufzugreifen.
Mit „Morje es, wat do drus mähs!“ zeigt das Festkomitee, dass der Karneval trotz seiner tiefen historischen Wurzeln modern und relevant bleibt. Es ist kein naiver Optimismus, der hier gepredigt wird. Vielmehr steckt dahinter eine ernste Mahnung.
Kuckelkorn stellte klar: „Das Motto ist kein naives ‚Alles wird gut‘. Im Gegenteil: Wenn nicht jeder mit anpackt, wird die Zukunft ganz sicher nicht rosarot.“
Der Startschuss für die Session 2027
Mit der Bekanntgabe des Mottos beginnen für Vereine, Künstler und Karnevalisten nun die konkreten Vorbereitungen auf die Session 2027. Die kreativen Köpfe der Stadt sind aufgerufen, den Leitspruch mit Leben zu füllen.
Das Festkomitee äußerte die Hoffnung auf vielfältige und tiefgründige Interpretationen. Man sei gespannt, welche Projekte und Ideen die Kölner Jecken in den kommenden Monaten anstoßen werden – sei es innerhalb des Karnevals oder in anderen Lebensbereichen.
Die Botschaft ist klar: Der Kölner Karneval will auch 2027 mehr sein als nur Schunkeln und Feiern. Er will ein Impulsgeber sein, der die Menschen daran erinnert, dass sie die Architekten ihrer eigenen Zukunft sind.




