In der Kölner Innenstadt sorgt die geplante Fällung von mindestens sieben großen Bäumen für erhebliche Diskussionen. Die Bäume an der Löwengasse, nahe der Severinsbrücke, sollen Platz für einen temporären Standort der Feuer- und Rettungswache 1 machen. Während die Feuerwehr die Dringlichkeit des Vorhabens betont, regt sich in der Bezirkspolitik Widerstand gegen den Eingriff in die Grünanlage.
Das Wichtigste in Kürze
- Für eine Interims-Feuerwache an der Löwengasse sollen mindestens sieben große Bäume gefällt werden.
- Grund ist eine notwendige Kampfmittelsondierung, da auf dem Gelände Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet werden.
- Die alte Feuerwache 1 an der Agrippastraße ist veraltet und muss neu gebaut werden, was den temporären Standort erforderlich macht.
- Politiker der Bezirksvertretung Innenstadt kritisieren das Vorgehen und fordern mehr Transparenz und den Schutz der Grünanlagen.
Ein notwendiges Provisorium mit hohem Preis
Die Hauptfeuerwache 1 an der Agrippastraße ist seit Jahren ein Sorgenkind. Nach Angaben der Feuerwehr ist die Technik marode und die Räumlichkeiten sind für das Personal und den modernen Fuhrpark längst zu klein geworden. Dennis Richmann, stellvertretender Leiter der Kölner Feuerwehr, beschrieb den aktuellen Zustand als „maximal ausgelastet“.
Ein Neubau am selben, strategisch wichtigen Standort wurde daher vom Stadtrat bereits vor einiger Zeit beschlossen. Um den Betrieb während der mehrjährigen Bauphase aufrechtzuerhalten, ist ein Ausweichquartier unerlässlich. Nach intensiver Suche fiel die Wahl auf eine Fläche zwischen der Löwengasse und den Auf- und Abfahrten der Severinsbrücke.
Projekt im Überblick
- Vorhaben: Errichtung einer temporären Feuer- und Rettungswache 1
- Standort: Fläche zwischen Löwengasse und Severinsbrücke
- Grund: Neubau der alten Wache an der Agrippastraße
- Veranschlagte Kosten: Rund 28 Millionen Euro
- Geplante Bauzeit: Mehrere Jahre
Dieses Interimsprojekt ist jedoch mit erheblichen Kosten und nun auch mit einem ökologischen Konflikt verbunden. Die veranschlagten 28 Millionen Euro für den temporären Bau stellen bereits eine hohe finanzielle Hürde dar.
Kampfmittelsondierung erfordert Baumfällungen
Die unmittelbare Ursache für die geplanten Fällungen liegt in der Geschichte des Geländes. Im Boden werden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Bevor mit dem Bau begonnen werden kann, muss das Areal auf Kampfmittel untersucht und freigegeben werden. Diese Sondierung soll nach aktuellen Plänen zwischen Weihnachten und Karneval stattfinden.
Bernd Klaedtke, Leiter des Sachgebiets Gebäude bei der Feuerwehr, erklärte in einer Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt, dass die Fällung von sieben Bäumen zwingend notwendig sei, um diese Untersuchung durchführen zu können. „Die Kampfmittelfreiheit ist eine notwendige Bedingung, um die Ausschreibung für das Bauprojekt überhaupt starten zu können“, betonte Klaedtke mehrfach.
Er fügte hinzu, dass die endgültige Zahl der zu fällenden Bäume noch nicht feststehe. Dies hänge vom finalen Bauplan des Generalunternehmers ab, der das Projekt umsetzen wird. Es sei wahrscheinlich, dass weitere Bäume weichen müssten, was durch den ursprünglichen Ratsbeschluss gedeckt sei.
Warum ist die Sondierung so wichtig?
Die Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ist bei Bauprojekten in Köln und vielen anderen deutschen Städten ein Standardverfahren. Die Gefahr durch unentdeckte Bomben ist auch Jahrzehnte nach Kriegsende real. Eine gründliche Sondierung schützt nicht nur die Bauarbeiter, sondern auch die zukünftigen Nutzer des Geländes und die Anwohner.
Politischer Widerstand formiert sich
Die Ankündigung der Fällungen, die bereits in Kürze beginnen sollen, löste in der Bezirksvertretung Innenstadt eine lange Debatte aus. Ein gemeinsamer Antrag von Grünen, Linken und Volt forderte die Verwaltung auf, den Schutzwert der Grünanlagen umfassend zu prüfen.
In dem Antrag wird argumentiert, dass die Severinsbrücke mit ihren Auf- und Abfahrten sowie den begleitenden Grünflächen und Bäumen ein „städtebaulich und gestalterisch zusammenhängendes Ensemble“ bilde, das es zu erhalten gelte. Die Grünflächen dienen als wichtiger Erholungsraum und tragen zum Klimaschutz in der dicht bebauten Innenstadt bei.
„Es wirkt so, als würden Fakten geschaffen“, äußerte Reinhold Goss, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Er bemängelte, dass belastbare Informationen fehlten, um die Notwendigkeit der Fällungen abschließend beurteilen zu können.
Michael Scheffer von der Linken-Fraktion pflichtete ihm bei und merkte an: „Wir sind gebrannte Kinder.“ Auch Nadine Gareis von Volt forderte einen schriftlichen Beleg dafür, dass „alle Möglichkeiten ausgeschöpft“ worden seien, um die Bäume zu erhalten.
Feuerwehr warnt vor Verzögerungen
Die Vertreter der Feuerwehr machten deutlich, dass jede Verzögerung des Interimsprojekts den dringend benötigten Neubau der Hauptwache gefährden würde. Bernd Klaedtke warnte eindringlich: „Eine Verzögerung auf dem Weg zum Interim können wir uns nicht leisten, sonst bringen wir das Hauptprojekt in Gefahr.“
Der Leiter des Bezirksamts Innenstadt, Ulrich Höver, stellte klar, dass die Verwaltung die Bäume auch ohne Zustimmung der Bezirksvertretung hätte fällen können. Die ausführliche Stellungnahme in der Sitzung sei ein „Entgegenkommen“ gewesen. „Wir hätten die Bäume auch so wegnehmen können, aber wir wollen im Dialog sein“, ergänzte Klaedtke.
Angesichts dieser klaren Haltung und der rechtlichen Lage zogen die antragstellenden Fraktionen ihren Antrag schließlich zurück. Die Fällung der ersten sieben Bäume scheint damit beschlossene Sache zu sein. Die Debatte um den Schutz des Stadtgrüns und die Transparenz bei Bauprojekten dürfte in Köln jedoch weitergehen.




