Die Vorweihnachtszeit in Nordrhein-Westfalen könnte in diesem Jahr anders aussehen. Steigende Kosten für Sicherheitsmaßnahmen zwingen die Veranstalter von Weihnachtsmärkten zu drastischen Schritten. In Overath wurde der traditionelle Markt bereits abgesagt, und auch in anderen Städten wächst die Sorge um die Zukunft der beliebten Treffpunkte.
Das Wichtigste in Kürze
- In Overath wurde der Weihnachtsmarkt aufgrund zu hoher Sicherheitskosten abgesagt.
- Veranstalter in der gesamten Region, unter anderem am Niederrhein, kämpfen mit steigenden Ausgaben.
- Besucher müssen sich teilweise auf höhere Preise für Glühwein und Speisen einstellen.
- Verschärfte Sicherheitskonzepte nach früheren Anschlägen sind ein wesentlicher Kostentreiber.
Erste Absage im Bergischen Land
Die Nachricht aus Overath löst bei vielen Betreibern und Besuchern von Weihnachtsmärkten Besorgnis aus. Der Stadtmarketing-Verein, der den Markt am ersten Adventswochenende organisiert, sah sich gezwungen, die Veranstaltung abzusagen. Der Grund: Die finanziellen Mittel waren erschöpft.
Andreas Koschmann vom Verein erklärte, dass die Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen bei früheren Veranstaltungen wie dem Stadtfest so hoch waren, dass für den Weihnachtsmarkt kein Budget mehr übrig blieb. Diese Entscheidung zeigt exemplarisch, wie der finanzielle Druck auf ehrenamtlich getragene Vereine und kleine Kommunen wächst.
Ein Präzedenzfall?
Die Absage in Overath ist die erste ihrer Art in NRW in diesem Jahr, die direkt auf die explodierenden Sicherheitskosten zurückzuführen ist. Experten befürchten, dass weitere, vor allem kleinere Märkte, diesem Beispiel folgen könnten, wenn keine nachhaltigen Lösungen gefunden werden.
Die Lage am Niederrhein spitzt sich zu
Nicht nur im Bergischen Land, auch in anderen Teilen von NRW ist die Situation angespannt. Veranstalter am Niederrhein berichten von ähnlichen Herausforderungen, die die Durchführung der Märkte zunehmend erschweren.
Preiserhöhungen als unvermeidliche Folge
In Rheinberg-Budberg kann der Niederrheinische Weihnachtsmarkt zwar wie geplant stattfinden, doch die gestiegenen Kosten werden nicht spurlos an den Besuchern vorübergehen. Angi Schlosser vom zuständigen Verein bestätigt die finanzielle Belastung.
„In diesem Jahr wird sich die Erhöhung der allgemeinen Kosten minimal niederschlagen, zu spüren durch leichte Erhöhung für den Glühwein und den Kuchen“, so Schlosser.
Dass der Markt überhaupt stattfinden kann, sei laut Schlosser vor allem engagierten Sponsoren zu verdanken. Ohne diese finanzielle Unterstützung wäre die Durchführung kaum noch möglich. Dies verdeutlicht die Abhängigkeit vieler traditioneller Veranstaltungen von externen Geldgebern.
Moers und Xanten kämpfen ebenfalls mit den Kosten
Auch in Moers sind die Ausgaben für den Weihnachtsmarkt gestiegen. Michael Kersting, Geschäftsführer von Moers Marketing, nennt neben der allgemeinen Teuerung auch Anpassungen am Sicherheitskonzept als Grund. Nachdem bereits die Moerser Kirmes mit hohem Aufwand geschützt wurde, sollen nun auch auf dem Weihnachtsmarkt zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Man bemühe sich jedoch, die Auswirkungen für die Besucher gering zu halten und die Anzahl der Stände stabil zu halten.
In Xanten ist die Situation ähnlich. Nicola Lümmen, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Gewerbetreibender, die den Markt organisiert, erklärt, dass man auf die Gewinne aus vergangenen Veranstaltungen angewiesen sei. „Die Gewinne setzen wir dann für den Weihnachtsmarkt um, sonst würde es hier auch eng werden“, sagt sie. Der Einsatz eines Sicherheitsdienstes sei wie in den Vorjahren geplant, doch die Personalkosten steigen spürbar.
Hintergrund: Warum sind die Sicherheitsanforderungen so hoch?
Die Sicherheitsanforderungen für Großveranstaltungen wurden in den letzten Jahren schrittweise verschärft. Dies ist eine Reaktion auf Anschläge in der Vergangenheit, wie etwa in Solingen und Magdeburg. Die Maßnahmen umfassen häufig das Aufstellen von Betonpollern zur Absicherung gegen Fahrzeuge, eine erhöhte Präsenz von privaten Sicherheitsdiensten und detaillierte Notfallpläne. All diese Vorkehrungen sind personal- und kostenintensiv.
Eine Frage der Verhältnismäßigkeit
Die steigenden Kosten belasten nicht nur Weihnachtsmärkte. Schon in den vergangenen Monaten standen Stadtfeste und Karnevalsumzüge in der Region aufgrund der hohen Sicherheitsauflagen auf der Kippe. Die Debatte dreht sich zunehmend um die Frage, wie ein Gleichgewicht zwischen notwendiger Sicherheit und finanzieller Machbarkeit gefunden werden kann.
Christoph Landscheidt, Präsident des Städte- und Gemeindebundes NRW, äußerte sich bereits im Frühjahr zu dieser Problematik. Er betonte die Notwendigkeit einer ausgewogenen Herangehensweise.
„Wir stellen fest, dass die Vorgaben bei Großveranstaltungen zusehends strenger werden. Je schärfer die Auflagen sind, desto kostspieliger wird eine Veranstaltung, da immer mehr Aufgaben bewältigt werden müssen. Die Sicherheitsmaßnahmen müssen schlicht verhältnismäßig sein.“
Landscheidt plädiert für Augenmaß und eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten – von den Veranstaltern über die Kommunen bis hin zu den Sicherheitsbehörden. Ohne eine Neubewertung der Anforderungen könnten traditionelle Feste, die einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens ausmachen, langfristig gefährdet sein. Die Absage in Overath dient als deutliches Warnsignal, dass die Belastungsgrenze für viele Organisatoren erreicht ist.




