In Köln-Ehrenfeld steht eine umfassende Sanierung der U-Bahn-Haltestellen der Linien 3 und 4 bevor. Die für 2027 geplanten Arbeiten, die primär dem Brandschutz dienen, stellen das Schicksal der einzigartigen Kunstwerke aus den 1980er Jahren in den Mittelpunkt einer hitzigen Debatte. Während die Politik auf den Erhalt drängt, sind einige der Werke durch Vandalismus so stark beschädigt, dass eine Rettung fraglich ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 2027 sollen die U-Bahn-Stationen zwischen Piusstraße und Akazienweg saniert werden, Schwerpunkt ist der Brandschutz.
- Die 1989 installierten Kunstwerke sind durch Graffiti und Vandalismus stark beschädigt.
- Die Bezirksvertretung Ehrenfeld fordert einstimmig den Erhalt und die Wiederherstellung der künstlerischen Gestaltung.
- Die Kosten für die Rekonstruktion einzelner Werke werden auf Hunderttausende Euro geschätzt.
Großsanierung stellt Weichen für die Zukunft
Fahrgäste der KVB-Linien 3 und 4 müssen sich auf Einschränkungen einstellen. Voraussichtlich im Jahr 2027 beginnen umfangreiche Sanierungsarbeiten in den Tunnelhaltestellen auf der Venloer Straße. Hauptgrund für die Maßnahme ist die Modernisierung des Brandschutzes, um die Sicherheit der Passagiere zu gewährleisten.
Doch die Arbeiten betreffen mehr als nur technische Anlagen. Im Fokus steht auch das künstlerische Gesamtkonzept der 1989 eröffneten U-Bahn-Strecke. Damals wurden verschiedene Künstler beauftragt, die Stationen individuell zu gestalten. Diese Kunstwerke sind heute ein fester Bestandteil des Stadtteilbildes, leiden aber massiv unter den Spuren der Zeit.
Ein Kunstkonzept aus den 80ern
Die U-Bahn-Strecke in Ehrenfeld wurde bei ihrer Eröffnung 1989 als ein Gesamtkunstwerk gefeiert. Die Idee war, durch eine anspruchsvolle Gestaltung der Haltestellen eine höhere Aufenthaltsqualität zu schaffen und Vandalismus vorzubeugen. Diese Hoffnung hat sich über die Jahrzehnte nur bedingt erfüllt.
Piusstraße: Ein Kunstwerk unter Farbschichten
Ein besonders drastisches Beispiel für den Verfall ist die Haltestelle Piusstraße. Das mehrteilige Siebdruck-Werk „City Light Motion“ des Künstlers Gerd Winner ist mittlerweile fast vollständig von Graffiti überdeckt. Von der ursprünglichen urbanen Ästhetik ist kaum noch etwas zu erkennen.
Die Bezirksvertretung Ehrenfeld (BV) beschäftigt sich schon lange mit diesem Zustand. Bereits im März 2024 forderte sie auf Antrag der SPD eine Rekonstruktion des Werkes. Die Stadtverwaltung reagierte jedoch zurückhaltend und erklärte, das Kunstwerk sei so stark beschädigt, dass es praktisch als verloren gelten müsse.
Hohe Kosten für die Wiederherstellung
Eine grobe Schätzung aus dem Jahr 2019 bezifferte die Kosten für eine komplette Erneuerung von Gerd Winners Werk auf rund 200.000 Euro. Darin enthalten sind Herstellungs-, Materialkosten sowie das Honorar für den Künstler.
Trotz der hohen Kosten und des schlechten Zustands hält die BV an ihrer Forderung fest. In einem einstimmigen Beschluss bekräftigte sie nun, dass der „künstlerische Ansatz zu respektieren und im Rahmen der Sanierung entsprechend zu beachten“ sei. Die Politik möchte bei allen weiteren Schritten eng beteiligt werden.
Leyendecker Straße: Ein verlorenes Stück Geschichte
Noch düsterer sieht die Prognose für die Haltestelle Leyendecker Straße aus. Hier hatte die Künstlerin Ulrike Utaz auf großflächigen Wandpaneelen die Entwicklung Ehrenfelds vom Ackerland zum Industriestandort dargestellt. Doch dieses Werk gilt als nicht mehr zu retten.
Die Probleme begannen schon vor Jahren. Die Gipskartonplatten, auf denen das Kunstwerk angebracht war, wurden brüchig. Bereits 2014 war eine aufwendige Sanierung der Station für rund 450.000 Euro notwendig. Im Zuge dessen wurde zwar eine Anti-Graffiti-Schutzschicht aufgetragen, doch diese ist laut Stadtverwaltung durch häufige Reinigungen inzwischen wirkungslos.
Die Künstlerin Ulrike Utaz hat laut Angaben der SPD-Fraktion bereits erklärt, dass sie auf eine Wiederherstellung ihrer Arbeit verzichtet.
Für die Bezirksvertretung ist eine rein funktionale, „architektonische Lösung“, wie sie der Gestaltungsbeirat der Stadt favorisieren soll, jedoch keine Option. Sie argumentiert, dass dies dem „Gesamtkunstwerk U-Bahnstrecke Ehrenfeld“ nicht gerecht werde.
Ein Wettbewerb für neue Kunst?
Als Alternative schlägt die Politik einen neuen Weg vor: Für die Neugestaltung der Haltestelle Leyendecker Straße könnte ein künstlerischer Wettbewerb ausgeschrieben werden. Dabei wird explizit die Einbeziehung der Organisatoren des bekannten „Cityleaks-Urban Arts-Festivals“ angeregt, um eine moderne und nachhaltige Lösung zu finden.
Zusätzliche Forderungen für den Akazienweg
Die anstehende Sanierung wird auch genutzt, um weitere städtebauliche Anpassungen voranzutreiben. Auf Vorschlag der FDP wurde in den Beschluss der BV eine weitere wichtige Forderung aufgenommen, die die Haltestelle Akazienweg betrifft.
Dort soll bei den Bauarbeiten die Einrichtung eines zweiten Ein- und Ausgangs auf der Südseite der Venloer Straße geprüft und berücksichtigt werden. Der Grund dafür ist die Entwicklung eines neuen Wohngebiets in unmittelbarer Nähe, das eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr erfordert. Die BV hatte diesen zusätzlichen Zugang bereits im Februar 2024 beantragt.
Die kommenden Jahre werden zeigen, wie es mit der Kunst in Ehrenfelds Untergrund weitergeht. Die Entscheidung wird ein Balanceakt zwischen Denkmalschutz, künstlerischem Anspruch, finanzieller Machbarkeit und den praktischen Anforderungen an einen modernen Nahverkehr sein.




