Seit mehreren Monaten leuchtet eine beeindruckende Kunstinstallation an der Fassade des Kölner Domforums. Die „Himmelsleiter“ der österreichischen Künstlerin Billi Thanner ist mehr als nur ein Kunstwerk; sie ist zu einem Symbol der Hoffnung und zu einem Anstoß für Diskussionen über gesellschaftliche Werte in der Domstadt geworden. Besonders zum Jahreswechsel zieht die leuchtende Leiter die Blicke auf sich und inspiriert zu Reflexionen über den persönlichen und gemeinschaftlichen Weg.
Das Wichtigste in Kürze
- Die „Himmelsleiter“ ist eine 20 Meter hohe Lichtinstallation am Kölner Domforum.
- Das Kunstwerk von Billi Thanner ist von der biblischen Jakobsleiter inspiriert.
- Stadtdechant Robert Kleine interpretiert die Sprossen als Symbole für gesellschaftliche Werte wie Respekt, Toleranz und Mitgefühl.
- Die Installation soll als Zeichen der Hoffnung und des Zusammenhalts in schwierigen Zeiten dienen.
Ein leuchtendes Symbol im Herzen der Stadt
Direkt gegenüber dem Kölner Dom, an der Fassade des Domforums, erstreckt sich eine leuchtende Leiter in den Nachthimmel. Das Kunstwerk mit dem Namen „Himmelsleiter“ wurde von der österreichischen Künstlerin Billi Thanner geschaffen und ist seit drei Monaten ein fester Bestandteil des Stadtbildes rund um die Domplatte. Die Installation beginnt im Inneren des Gebäudes und setzt sich dann 20 Meter hoch an der Außenfassade fort.
Die Konstruktion besteht aus lackiertem Aluminium, in das gelbe Neonröhren eingelassen sind, die die Sprossen der Leiter bilden. Ihr helles Leuchten ist weithin sichtbar und schafft einen markanten Kontrast zur gotischen Architektur des Doms. Besonders in den Abendstunden und während der Nacht zieht das Werk zahlreiche Blicke von Passanten und Touristen auf sich.
Die biblische Inspiration hinter dem Kunstwerk
Die Idee zur Himmelsleiter entstammt einer Erzählung aus dem ersten Buch der Bibel. In der Traumgeschichte träumt Jakob von einer Leiter, die von der Erde bis in den Himmel reicht und auf der Engel auf- und absteigen. Diese Vision symbolisiert die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen.
Billi Thanners moderne Interpretation greift dieses Motiv auf und platziert es mitten im öffentlichen Raum. Die Leiter wird so zu einem für jeden zugänglichen Symbol, das die Verbindung zwischen Himmel und Erde darstellt und zum Nachdenken über Transzendenz und Spiritualität im Alltag anregt.
Die Künstlerin Billi Thanner
Billi Thanner ist eine bekannte österreichische Künstlerin, die für ihre provokanten und nachdenklichen Installationen im öffentlichen Raum bekannt ist. Ihre „Himmelsleiter“ wurde bereits an anderen prominenten Orten, wie dem Wiener Stephansdom, gezeigt, bevor sie nach Köln kam. Thanners Kunst zielt oft darauf ab, traditionelle Symbole in einen modernen Kontext zu stellen und gesellschaftliche Debatten anzustoßen.
Die Sprossen als Wegweiser für das Miteinander
Die Himmelsleiter ist nicht nur ein visuelles Highlight, sondern auch ein Objekt tiefgehender symbolischer Bedeutung. Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine sieht in den Sprossen der Leiter ein starkes Bild für den Lebensweg eines jeden Einzelnen, aber auch für den Weg der Gesellschaft als Ganzes. Jede Sprosse, so die Interpretation, steht für einen Wert oder eine Haltung, die das Zusammenleben verbessert.
In Vorbereitung auf die Installation in Köln wurde eine Liste von Begriffen gesammelt, die diese Werte repräsentieren. Diese Sammlung umfasst 22 Konzepte, die als Sprossen auf dem Weg zu einem besseren Miteinander dienen können.
- Treue
- Respekt
- Selbstlosigkeit
- Vergebung
- Ehrlichkeit
- Mut
- Offenheit
- Gerechtigkeit
- Dankbarkeit
- Mitgefühl
- Toleranz
- Freundlichkeit
Diese Werte, so Kleine, sind entscheidend, um den negativen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzuwirken. „Krieg und Terror, Gewalt und Hetze, Antisemitismus und Rassismus“, all dies seien Abwärtsbewegungen, denen Einhalt geboten werden müsse. Die Himmelsleiter diene hier als positives Gegenbild, das den Weg nach oben weist – hin zum Mitmenschen.
22 Sprossen für ein besseres Köln
Das Vorbereitungsteam sammelte insgesamt 22 Begriffe, darunter auch Unvoreingenommenheit, Rücksichtnahme, Einsatz, Diskretion, Friedfertigkeit, Weisheit, Freiheit, Beständigkeit, Höflichkeit und Sympathie. Diese Werte sollen als tägliche Inspiration für die Kölner Bürgerinnen und Bürger dienen.
Ein Symbol der Hoffnung in unsicheren Zeiten
Die Installation am Domforum gewinnt besonders in einer Zeit globaler Krisen und gesellschaftlicher Spannungen an Bedeutung. Das helle Licht der Leiter in der Dunkelheit wird von vielen als starkes Zeichen der Hoffnung wahrgenommen. Es erinnert daran, dass auch in schwierigen Momenten ein Weg nach oben möglich ist und dass das Licht die Dunkelheit durchdringen kann.
Stadtdechant Kleine betont die Wichtigkeit solcher Symbole. Er verweist auf die christliche Botschaft, dass Gott Licht in die Welt bringt. Die Himmelsleiter mache diese Hoffnung sichtbar und greifbar. Sie erinnere daran, dass niemand allein ist auf seinem Weg und dass der Glaube, die Hoffnung und die Liebe als leitende Prinzipien dienen können.
„Immer wenn ich die Himmelsleiter sehe, besonders dann, wenn sie im Dunkeln strahlt, erinnere ich mich an die vielen Sprossen, die zu Gott und zu meinen Mitmenschen führen. Viele Sprossen – am größten unter ihnen ist die Liebe.“
Die Leiter als Einladung zum Dialog
Die Präsenz des Kunstwerks im Herzen von Köln hat bereits zahlreiche Gespräche ausgelöst. Menschen bleiben stehen, machen Fotos und diskutieren über die Bedeutung der Installation. Sie dient als Ankerpunkt für persönliche Reflexionen über den eigenen Lebensweg, die eigenen Werte und die Frage, was im Leben wirklich zählt.
Die Leiter ist bewusst so gestaltet, dass sie für alle Menschen zugänglich ist, unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Herkunft. Sie stellt universelle Fragen nach dem Sinn des Lebens und der Qualität des menschlichen Miteinanders. Damit erfüllt sie eine wichtige Funktion im öffentlichen Raum: Sie schafft einen Ort der Begegnung und des Austauschs über die fundamentalen Fragen unserer Zeit.
Während die Himmelsleiter weiterhin über der Domplatte leuchtet, bleibt ihre Botschaft aktuell: Der Weg zu einer besseren Gesellschaft wird Sprosse für Sprosse gebaut – durch die tägliche Entscheidung für Werte wie Respekt, Mitgefühl und Solidarität. Ein Gedanke, der nicht nur zum Jahreswechsel von großer Bedeutung ist.




