Das Pilotprojekt „Frauen-Nacht-Taxi“ der Stadt Köln ist nach einer umfassenden Auswertung als gescheitert bewertet worden. Obwohl die Nachfrage nach den Gutscheinen anfangs enorm war und alle 1.500 Exemplare innerhalb von nur drei Tagen vergriffen waren, wurde nur ein kleiner Bruchteil davon tatsächlich für Taxifahrten genutzt. Die Stadtverwaltung sieht die Erwartungen als „leider nicht erfüllt“ an und plant keine Fortsetzung des Modells in dieser Form.
Ziel des Projekts war es, Frauen nachts einen sicheren und kostengünstigen Heimweg zu ermöglichen. Die geringe Einlösequote von nur 17 Prozent und der hohe administrative Aufwand stehen jedoch aus Sicht der Stadt in keinem Verhältnis zueinander. Nun sollen alternative, nachhaltigere Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum geprüft werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Geringe Nutzung: Von 1.500 ausgegebenen Gutscheinen wurden nur 255 eingelöst, was einer Quote von 17 Prozent entspricht.
- Hoher Aufwand: Die Stadt Köln bewertet den Verwaltungsaufwand im Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung als unverhältnismäßig hoch.
- Projektziel verfehlt: Das Ziel, Frauen einen sicheren Heimweg zu ermöglichen, wurde nach Einschätzung der Verwaltung nicht wie erhofft erreicht.
- Neuer Fokus: Künftige Mittel sollen in nachhaltigere Projekte zur Gewaltprävention und strukturellen Verbesserung der Sicherheit investiert werden.
Ein gut gemeintes Konzept mit schwacher Bilanz
Die Idee hinter dem „Frauen-Nacht-Taxi“ war einfach und nachvollziehbar: Frauen sollten eine sichere Alternative zum nächtlichen Heimweg zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erhalten. Insbesondere Frauen, die sich eine reguläre Taxifahrt nicht leisten können, sollten von dem Angebot profitieren. Dafür stellte die Stadt ein Budget von 15.000 Euro zur Verfügung.
Ab dem 16. Dezember 2024 konnten Frauen die Gutscheine abholen. Jede Person konnte maximal drei Exemplare erhalten, die jeweils einen Wert von zehn Euro hatten. Die Gutscheine waren bis zum 15. August 2025 gültig und konnten bei Fahrten mit dem Taxiunternehmen „Taxi Ruf“ eingelöst werden. Die Fahrt musste in Köln beginnen, das Ziel durfte jedoch auch eine Wohnadresse außerhalb der Stadtgrenzen sein.
Das Projekt in Zahlen
- Verfügbare Gutscheine: 1.500 Stück
- Wert pro Gutschein: 10 Euro
- Gesamtbudget: 15.000 Euro
- Ausgabezeitraum: Alle Gutscheine waren nach 3 Tagen vergeben
- Eingelöste Gutscheine: 255 Stück
- Nutzungsquote: 17 Prozent
Der Ansturm und die Realität
Die anfängliche Resonanz auf das Projekt war überwältigend. Innerhalb von nur drei Tagen waren alle 1.500 Gutscheine vergriffen, was auf einen hohen Bedarf hindeutete. Doch die spätere Auswertung durch das Gleichstellungsamt zeichnete ein anderes Bild. Die geringe Einlösequote von 255 Fahrten wirft die Frage auf, warum das Angebot so selten in Anspruch genommen wurde.
In einer Mitteilung der Stadt wird die Diskrepanz deutlich. Stadtkämmerin Prof. Dr. Dörte Diemert erklärte, der nötige Verwaltungsaufwand für das Projekt stehe in „keinem Verhältnis zur tatsächlichen Nutzung“. Ihre Einschätzung ist klar:
Die Erwartungen an das Projekt hätten sich „leider nicht erfüllt“.
Diese Bewertung unterstreicht die Enttäuschung über das Ergebnis eines vielversprechenden Ansatzes, der in der Praxis jedoch nicht funktionierte.
Mögliche Gründe für die geringe Nutzung
Die Verwaltung hat mehrere mögliche Erklärungen für das Scheitern des Projekts identifiziert. Ein zentraler Punkt ist, dass die anvisierte Zielgruppe möglicherweise nicht erreicht wurde. Das Angebot richtete sich explizit an Frauen mit geringem Einkommen, für die eine Taxifahrt eine finanzielle Hürde darstellt.
Die Auswertung deutet darauf hin, dass das Projekt „nur von einem kleinen Teil der vorgesehenen Zielgruppe genutzt wurde“. Ein Gutschein im Wert von zehn Euro deckt oft nur einen Teil der tatsächlichen Fahrtkosten ab, besonders bei längeren Strecken. Für viele Frauen könnte der verbleibende Eigenanteil immer noch zu hoch gewesen sein, was den Anreiz zur Nutzung erheblich verringerte.
Datenschutz als Hürde bei der Evaluation
Eine genaue Analyse der sozialen und finanziellen Verhältnisse der Nutzerinnen war nicht möglich. Wie die Stadt auf Nachfrage bestätigte, durften solche Daten aus Datenschutzgründen bei der Evaluation nicht abgefragt werden. Dies erschwert eine präzise Aussage darüber, ob die Gutscheine tatsächlich bei der beabsichtigten Zielgruppe ankamen.
Ein weiterer Aspekt könnte die Beschränkung auf ein einziges Taxiunternehmen gewesen sein. Obwohl „Taxi Ruf“ ein großer Anbieter in Köln ist, könnte dies die spontane Nutzung erschwert haben, wenn gerade kein Fahrzeug dieses Unternehmens verfügbar war. Zudem war die Kombination mehrerer Gutscheine für eine einzelne Fahrt nicht gestattet, was den finanziellen Vorteil weiter begrenzte.
Blick über Köln hinaus und zukünftige Pläne
Die Erfahrungen in Köln sind kein Einzelfall. Ein Blick in andere Städte, die ähnliche Modelle des Frauen-Nacht-Taxis anbieten, zeigt vergleichbare Herausforderungen. Oft liegen die jährlichen Kosten im sechsstelligen Bereich, während die Nutzungsquote und die Erreichung der Zielgruppe ebenfalls „vergleichsweise gering“ bleiben, so die Mitteilung der Stadt.
Aufgrund dieser Erkenntnisse empfiehlt die Verwaltung, zukünftig auf andere Strategien zu setzen. Anstatt punktueller Subventionen sollen die Ressourcen für Maßnahmen eingesetzt werden, die eine „nachhaltige und strukturelle Verbesserung der Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum gewährleisten“.
Fokus auf Prävention und Täterarbeit
Diese Schlussfolgerung wird auch von der Politik geteilt. Jasna Ibrić (Volt), Vorsitzende des Gleichstellungsausschusses im Kölner Stadtrat, betont die Übereinstimmung mit der Verwaltung. Sie fordert eine Neuausrichtung der städtischen Bemühungen.
Zukünftige Projekte sollten die Langfristigkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahmen besser im Auge behalten. Insgesamt sollte der Fokus künftiger Maßnahmen auf Gewaltprävention und Täterarbeit liegen.
Damit rückt anstelle der Symptombekämpfung – dem unsicheren Heimweg – die Ursachenbekämpfung in den Vordergrund. Maßnahmen wie eine bessere Beleuchtung öffentlicher Plätze, Aufklärungskampagnen und Programme, die sich direkt an potenzielle Täter richten, könnten langfristig wirksamer sein, um die Sicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen.
Das Ende des Frauen-Nacht-Taxi-Projekts markiert somit nicht das Ende der Bemühungen um mehr Sicherheit, sondern den Beginn einer Suche nach effektiveren und nachhaltigeren Lösungen für ein gesamtgesellschaftliches Problem.




