Am sechsten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau haben sich am Donnerstagabend rund 1.200 Menschen in der Kölner Innenstadt versammelt. Mit einem Demonstrationszug erinnerten sie an die zehn Todesopfer und setzten ein Zeichen gegen Rassismus und rechten Terror.
Die Veranstaltung, die unter dem Motto #SayTheirNames stattfand, führte zu erheblichen Verkehrsbehinderungen im Zentrum der Stadt. Die Teilnehmerzahl übertraf die Erwartungen der Veranstalter bei weitem, die ursprünglich mit 500 Personen gerechnet hatten.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 1.200 Menschen nahmen an der Gedenkdemonstration in Köln teil, deutlich mehr als die angemeldeten 500.
- Der Marsch erinnerte an die zehn Opfer des rassistischen Terroranschlags in Hanau vom 19. Februar 2020.
- Die Route durch die Innenstadt führte zu temporären Straßensperrungen und Verkehrsbehinderungen.
- Die Kölner Veranstaltung war Teil bundesweiter Gedenkaktionen zum sechsten Jahrestag des Anschlags.
Ein starkes Zeichen der Solidarität
Sechs Jahre nach der schrecklichen Tat in Hanau zeigte Köln erneut seine Solidarität. Am frühen Donnerstagabend versammelten sich die Menschen am Hans-Böckler-Platz, um gemeinsam auf die Straße zu gehen. Die Stimmung war ruhig und bestimmt, getragen von dem Wunsch, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und ein klares Statement gegen Hass und Gewalt zu setzen.
Die Polizei war mit rund 50 Einsatzkräften vor Ort und begleitete den Aufzug. Ein Polizeisprecher bestätigte gegen 19:30 Uhr die hohe Teilnehmerzahl von etwa 1.200 Personen. Dies unterstreicht die große Bedeutung, die das Gedenken an Hanau für viele Kölnerinnen und Kölner auch Jahre nach dem Anschlag hat.
Der Demonstrationszug durch die Kölner City
Gegen 19:15 Uhr setzte sich der Demonstrationszug vom Hans-Böckler-Platz in Bewegung. Die Route führte die Teilnehmer über die Venloer Straße in Richtung Friesenplatz und von dort weiter über die Kölner Ringe.
Der Marsch passierte zentrale Punkte der Stadt, darunter den Neumarkt, bevor er gegen 22 Uhr am Rudolfplatz seinen Abschluss fand. Die Polizei sperrte die betroffenen Straßenabschnitte für den Verkehr, was zu spürbaren Einschränkungen für Autofahrer führte. Bereits am Mittag wurde auf digitalen Anzeigetafeln an den Hauptverkehrsachsen auf die bevorstehende Kundgebung hingewiesen und empfohlen, den Bereich weiträumig zu umfahren.
Hintergrund: Der Anschlag von Hanau
Am 19. Februar 2020 ermordete ein 43-jähriger Deutscher aus rassistischen Motiven neun Menschen in der hessischen Stadt Hanau. Anschließend tötete er seine Mutter und sich selbst. Ein zehntes Opfer, Ibrahim Akkuş, erlag am 10. Januar 2026 den schweren Verletzungen, die er bei dem Anschlag erlitten hatte. Alle Opfer hatten einen Migrationshintergrund.
Die Namen der Opfer im Mittelpunkt
Unter dem Motto #SayTheirNames stand die namentliche Erinnerung an die Ermordeten im Zentrum der Veranstaltung. Auf Plakaten und in Redebeiträgen wurden ihre Namen genannt, um sie dem Vergessen zu entreißen.
Auch die Kölner Grünen hatten zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. In ihrem Aufruf wurde die Notwendigkeit betont, sich gegen jede Form von Ausgrenzung und Hass zu stellen.
„Rechter Terror beginnt nicht erst mit der Tat. Er wächst dort, wo Menschen als ‚die anderen‘ markiert werden und wo Hass verharmlost wird.“
Diese Botschaft prägte die Kundgebung und wurde von vielen Teilnehmern geteilt. Auch die Stadt Köln erinnerte auf ihren Social-Media-Kanälen mit Porträts an die Opfer und ihre Geschichte.
In Gedenken an die Opfer von Hanau
- Gökhan Gültekin
- Sedat Gürbüz
- Said Nesar Hashemi
- Mercedes Kierpacz
- Hamza Kenan Kurtović
- Vili Viorel Păun
- Fatih Saraçoğlu
- Ferhat Unvar
- Kaloyan Velkov
- Ibrahim Akkuş
Erinnerungskultur in Köln und der Region
Das Gedenken an Hanau hat in Köln eine besondere Geschichte. Im Jahr 2021 wurde eine improvisierte Gedenkstätte am Rheinufer in Rodenkirchen zerstört. Unbekannte rissen damals Folien mit den Bildern und Namen der Getöteten ab, die von den Kölner Jusos zum ersten Jahrestag angebracht worden waren. Der Vorfall zeigt, dass die Auseinandersetzung mit rechtem Terror ein fortwährender Prozess ist.
Die Demonstration am Donnerstag war nicht die einzige Gedenkveranstaltung in der Region. Auch im Rhein-Erft-Kreis fanden Aktionen statt. In Kerpen war ebenfalls ein Demonstrationszug angemeldet, während in Brühl eine Mahnwache vor dem Rathaus abgehalten wurde. Diese dezentralen Veranstaltungen zeigen, dass das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Gedenken und einem klaren Bekenntnis gegen Rassismus weit über die Grenzen Kölns hinausgeht.




