Die Mandate in den Aufsichtsräten städtischer Unternehmen sind für viele Kölner Ratsmitglieder eine wichtige Nebeneinnahme. Die Vergütungen variieren dabei erheblich und reichen von wenigen Tausend bis zu über 40.000 Euro pro Jahr. Diese Posten dienen nicht nur der Aufbesserung der Aufwandsentschädigung, sondern auch der politischen Kontrolle der städtischen Gesellschaften.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Aufwandsentschädigung für Kölner Ratsmitglieder beträgt monatlich 541 Euro, zuzüglich Sitzungsgelder.
- Mandate in Aufsichtsräten städtischer Unternehmen bieten eine zusätzliche Einnahmequelle.
- Die Vergütung ist je nach Unternehmen sehr unterschiedlich; die Sparkasse Köln-Bonn zahlt am höchsten.
- Spitzenpolitiker besetzen die lukrativsten Posten und können Jahresgehälter von über 40.000 Euro erzielen.
- Die Arbeit im Aufsichtsrat ist mit einer hohen Verantwortung und Haftungsrisiken verbunden.
Ein Blick auf die Finanzen der Kölner Politik
Die Arbeit im Kölner Stadtrat ist ein Ehrenamt. Mitglieder erhalten eine monatliche Aufwandsentschädigung von 541 Euro. Hinzu kommen 26 Euro für jede Teilnahme an Sitzungen von Fraktionen, Ausschüssen oder dem Rat selbst. Für viele Politiker reicht dies kaum aus, um den zeitlichen Aufwand zu kompensieren.
Eine Möglichkeit, das Einkommen aufzubessern, bieten die Aufsichtsräte der rund 25 Unternehmen mit städtischer Beteiligung. Hier agieren die Politiker als Vertreter der Stadt Köln, der Eigentümerin oder Gesellschafterin dieser Firmen. Die Posten sind begehrt, denn sie bringen nicht nur Einfluss, sondern auch zusätzliche Vergütungen.
Die Rolle des Aufsichtsrats
Ein Aufsichtsrat hat eine zentrale Kontrollfunktion. Er überwacht die Geschäftsführung oder den Vorstand, prüft den Jahresabschluss und muss bei wichtigen Entscheidungen, wie großen Investitionen oder der Einstellung von Vorstandsmitgliedern, zustimmen. Die Mitglieder tragen eine erhebliche Verantwortung und können bei Fehlentscheidungen persönlich haftbar gemacht werden.
Wo das meiste Geld verdient wird
Die Verdienstmöglichkeiten in den Kontrollgremien der städtischen Unternehmen klaffen weit auseinander. An der Spitze steht der Verwaltungsrat der Sparkasse Köln-Bonn, dessen Funktion mit der eines Aufsichtsrats vergleichbar ist.
Mitglieder erhalten dort 512 Euro pro Sitzung sowie eine jährliche Pauschale von 2.600 Euro. Für den Vorsitz verdoppelt sich dieser Betrag, für den Stellvertreter erhöht er sich um die Hälfte. Im Jahr 2023 führte dies zu beachtlichen Einnahmen: Verwaltungsratschef Ralph Elster (CDU) erhielt 44.500 Euro, sein Stellvertreter, SPD-Fraktionschef Christian Joisten, kam auf 40.500 Euro.
Rhein-Energie als zweitlukrativster Posten
Direkt hinter der Sparkasse rangiert der Energieversorger Rhein-Energie. Hier gibt es 500 Euro pro Sitzung, ebenfalls mit doppelten Sätzen für den Vorsitz und anderthalbfachen für die Stellvertretung. CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau, der den Aufsichtsrat leitet, verdiente dort im Jahr 2023 insgesamt 35.500 Euro.
Die Einnahmen können von Jahr zu Jahr stark schwanken. So erhielt Petelkau im Jahr 2024 nur 14.500 Euro. Solche Unterschiede entstehen durch die Anzahl der Sitzungen, die bei wichtigen Projekten oder Personalentscheidungen zunimmt.
Vergütungen im Überblick
- Sparkasse Köln-Bonn: 512 € pro Sitzung + 2.600 € jährlich
- Rhein-Energie: 500 € pro Sitzung
- Große städtische Töchter (KVB, GAG, AWB etc.): 250 € pro Sitzung
- Stadtentwässerungsbetriebe: 167 € pro Sitzung
- Zoo, Köln-Tourismus, Kölnkongress: 160 € pro Sitzung
- Akademie der Künste der Welt: 125 € pro Sitzung
Mittlere und niedrigere Vergütungen
Ein Großteil der städtischen Unternehmen zahlt eine einheitliche Vergütung von 250 Euro pro Sitzung. Dazu gehören wichtige Gesellschaften wie die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), die Wohnungsgesellschaft GAG, die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) und die Kölnmesse.
Auch in diesem Segment können sich über das Jahr stattliche Summen ansammeln. Mike Homann (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender bei der GAG, erhielt im vergangenen Jahr 16.362,50 Euro. Bei der KVB kam der damalige Vorsitzende Lino Hammer (Grüne) 2023 auf 11.500 Euro. Sein Nachfolger Manfred Richter (Grüne) erhielt für den verbleibenden Teil des Jahres 2024 eine Vergütung von 11.625 Euro.
Am unteren Ende der Skala finden sich Institutionen wie der Kölner Zoo oder Köln-Tourismus mit 160 Euro pro Sitzung sowie die Akademie der Künste der Welt mit 125 Euro.
Mehrere Mandate steigern das Einkommen
Einige Politiker steigern ihre Einnahmen, indem sie Mandate in mehreren Aufsichtsräten gleichzeitig wahrnehmen. Grünen-Fraktionschefin Christiane Martin erhielt durch ihre Tätigkeit in verschiedenen Gremien des Stadtwerke-Konzerns insgesamt 23.000 Euro.
Die Besetzung der Aufsichtsratsposten hängt oft von der fachlichen Eignung und der politischen Stellung innerhalb der Fraktion ab. Führungspersonal ist hier deutlich häufiger vertreten als einfache Ratsmitglieder.
Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist qua Amt in mehreren Aufsichtsräten vertreten. Im Jahr 2024 beliefen sich ihre Nebeneinkünfte auf 51.318,25 Euro, unter anderem als Aufsichtsratschefin der Kölnmesse. Davon musste sie jedoch 34.628,83 Euro an die Stadtkasse abführen, wodurch ihr ein persönlich zu versteuernder Betrag von 16.689,42 Euro verblieb.
Kein Ausgleich für alle
Für einfache Aufsichtsratsmitglieder ohne Vorsitzfunktion fallen die Einnahmen deutlich bescheidener aus. So erhielt Michael Weisenstein (Linke) für seine Arbeit im GAG-Aufsichtsrat 4.750 Euro, während Gerrit Krupp (SPD) im Rhein-Energie-Aufsichtsrat 6.500 Euro verdiente.
Diese Beträge zeigen, dass die Mandate nicht für alle Ratsmitglieder einen vollständigen Ausgleich für den politischen Aufwand darstellen. Die Arbeit in den Gremien kommt zur regulären Tätigkeit in Ausschüssen und Fraktionen hinzu und ist mit einer hohen Verantwortung verbunden. Die Kontrolle der städtischen Unternehmen bleibt eine zentrale, aber auch finanziell unterschiedlich honorierte Aufgabe der Kölner Kommunalpolitik.




