Die ehrgeizige Bewerbung Nordrhein-Westfalens für die Olympischen Spiele hat einen ersten Dämpfer erhalten. Der Stadtrat von Herten hat sich gegen die Durchführung eines Bürgerentscheids ausgesprochen. Diese Entscheidung wirft Fragen für das gesamte dezentrale Konzept der Rhein-Ruhr-Region auf und rückt den anstehenden Entscheid in Köln noch stärker in den Fokus.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stadtrat von Herten hat einen Bürgerentscheid über die Olympia-Teilnahme abgelehnt.
- Die Entscheidung wurde maßgeblich durch die Stimmen der SPD-Fraktion herbeigeführt.
- Herten war als Austragungsort für die Mountainbike-Wettbewerbe vorgesehen.
- Die Absage könnte das dezentrale Bewerbungskonzept von NRW mit 17 Kommunen gefährden.
- In Köln ist ein Bürgerentscheid für den 19. April 2026 geplant.
Ein Veto aus dem Ruhrgebiet
Die Initiative "Rhein Ruhr City 2036" wirbt für ein neues, nachhaltiges Olympia-Konzept. Anstatt teure Neubauten zu errichten, sollen vorhandene Sportstätten in ganz Nordrhein-Westfalen genutzt werden. Doch dieses Konzept steht und fällt mit der Zustimmung der beteiligten Kommunen. Insgesamt 17 Städte und Gemeinden sollen Teil der Bewerbung sein.
Am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, kam jedoch die erste Absage. Der Rat der Stadt Herten stimmte gegen die Durchführung eines Bürgerentscheids. Ohne ein solches Votum der Bevölkerung ist eine Teilnahme an den Spielen nicht möglich. Die Entscheidung fiel knapp aus und wurde vor allem durch das Votum der SPD-Fraktion besiegelt.
Bürgermeister Fred Toplak (TOP-Partei) zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis.
„Ich bedauere sehr, dass die Bürgerinnen und Bürger nun nicht die Möglichkeit haben, zu entscheiden. Damit wurde ihnen die Chance genommen, Politik aktiv zu gestalten und ihre Meinung zum Ausdruck zu bringen.“
Was war in Herten geplant?
Herten sollte eine wichtige Rolle in der Planung spielen. Auf der ehemaligen Bergbauhalde Hoheward, die sich das Stadtgebiet mit Recklinghausen teilt, waren die Wettbewerbe im Mountainbiking geplant. Die spektakuläre Kulisse der Industriekultur galt als ein Aushängeschild der Bewerbung.
Durch die enge Verknüpfung mit der Nachbarstadt Recklinghausen hat die Entscheidung direkte Auswirkungen. Recklinghausen prüft nun, ob ein eigenständiger Bürgerentscheid überhaupt noch rechtlich und logistisch durchführbar ist. Die Absage Hertens reißt eine Lücke in das Sportstättenkonzept.
NRWs dezentrales Konzept
Die Bewerbung von NRW für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 setzt auf Nachhaltigkeit. Statt alles in einer Stadt zu konzentrieren, werden die Wettkämpfe auf 17 Kommunen verteilt. Köln und Düsseldorf sind dabei als zentrale Austragungsorte vorgesehen. Köln hat zudem gute Chancen auf den Zuschlag für das Olympische Dorf.
Folgen für Köln und die gesamte Bewerbung
Die Entscheidung in Herten sendet ein Signal an die anderen Partnerstädte. Sie zeigt, dass die Zustimmung der lokalen Politik und Bevölkerung keineswegs selbstverständlich ist. Für die Organisatoren der NRW-Bewerbung bedeutet dies, dass die Überzeugungsarbeit in den kommenden Monaten intensiviert werden muss.
Ein Sprecher der Initiative betonte, dass man die Entscheidung bedauere, aber respektiere. Man werde nun das Gespräch mit den verbleibenden Partnern suchen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Offiziell ist noch keine Alternative für den Mountainbike-Wettbewerb benannt worden.
Der nationale Wettbewerb
Nordrhein-Westfalen ist nicht der einzige deutsche Bewerber. Auch Hamburg, Berlin und München haben Interesse an der Ausrichtung der Spiele bekundet. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird im Herbst 2026 entscheiden, welche Stadt er für Deutschland ins internationale Rennen schickt. In München gab es bereits ein positives Bürgervotum, während in Hamburg die Entscheidung noch aussteht. Berlin gilt derzeit als Wackelkandidat.
Kölner Bürgerentscheid rückt näher
Für Köln gewinnt der eigene Bürgerentscheid am 19. April 2026 nun zusätzlich an Bedeutung. Als eine der tragenden Säulen der Bewerbung steht die Domstadt besonders im Fokus. Eine Zustimmung aus Köln wäre ein starkes Signal für die gesamte Rhein-Ruhr-Region. Eine Ablehnung hingegen könnte die Bewerbung ernsthaft ins Wanken bringen.
Die Debatten in der Kölner Stadtgesellschaft dürften nach dem Votum in Herten an Schärfe gewinnen. Kritiker des Projekts sehen sich in ihrer Haltung bestätigt, dass die Kosten und der Aufwand für die Kommunen zu hoch seien. Befürworter hingegen werden die wirtschaftlichen und infrastrukturellen Vorteile betonen, die eine Ausrichtung der Spiele mit sich bringen könnte.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Ball liegt nun bei den verbleibenden 16 Kommunen. Jede einzelne Stadt muss in den kommenden Monaten über die Durchführung eines Bürgerentscheids abstimmen. Die Organisatoren müssen schnell klären, wie die Lücke, die Herten hinterlässt, geschlossen werden kann.
Die nächsten Schritte im Zeitplan sind klar definiert:
- Weitere Abstimmungen in den Stadträten der Partnerkommunen.
- Durchführung der Bürgerentscheide, unter anderem in Köln (April) und Hamburg (Mai).
- Entscheidung des DOSB über den nationalen Kandidaten im Herbst 2026.
Die Absage aus Herten ist mehr als nur eine lokale Entscheidung. Sie ist der erste ernsthafte Test für die Belastbarkeit und den Zusammenhalt der Olympia-Bewerbung von Nordrhein-Westfalen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Traum von Olympischen Spielen an Rhein und Ruhr weiterlebt oder weitere Risse bekommt.




