Sieben Wochen nach seinem Amtsantritt hat Kölns neuer Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) erstmals umfassend Stellung zu den drängendsten Problemen der Stadt bezogen. Bei einem Bürgergespräch im Kölnischen Stadtmuseum kündigte der 62-Jährige an, das Verkehrschaos rund um die Philharmonie nicht länger hinnehmen zu wollen und die Ausgaben der Stadt strenger zu kontrollieren. Gleichzeitig verteidigte er die ambitionierten Pläne für eine Olympia-Bewerbung trotz der angespannten Haushaltslage.
Vor rund 70 Bürgerinnen und Bürgern sprach Burmester über seine ersten Wochen im Amt, die hohen Kosten für städtische Projekte und die umstrittene Bebauung der Gleueler Wiese. Er räumte zudem ein, dass die jüngste Erhöhung der Grundsteuer eine erhebliche Belastung für die Menschen in Köln darstellt.
Die wichtigsten Punkte
- Verkehrschaos: OB Burmester will die Situation an der Trankgasse und der Zufahrt zur Philharmonie aktiv angehen und hat ein Gespräch mit dem Verkehrsdezernenten angesetzt.
- Finanzen: Die Stadt muss ihre Ausgaben senken. Burmester nannte die Kosten von 331 Millionen Euro für eine neue Schule in Porz als Beispiel für nicht tragbare Summen.
- Grundsteuer: Der Oberbürgermeister erkennt die Belastung für die Bürger durch die Steuererhöhung an.
- Olympia: Trotz der Finanznot hält Burmester an den Olympia-Plänen fest, um die Entwicklung der Stadt voranzutreiben.
Verkehr in der Innenstadt als Priorität
Ein zentrales Thema des Abends war die angespannte Verkehrslage in der Kölner Innenstadt. Insbesondere die Situation rund um die zur Fahrradstraße umgewandelte Trankgasse sorgt seit Monaten für Staus und Unmut. Burmester zeigte sich hier entschlossen: „Ich bin der Meinung, dass wir die Verhältnisse, wie wir sie in der Zufahrt zur Philharmonie haben [...] so nicht hinnehmen können.“
Er kündigte an, dass ein Gespräch mit dem zuständigen Verkehrsdezernenten bereits anberaumt sei, um Lösungen zu finden. Es gehe darum, den Verkehrsfluss für alle Beteiligten zu verbessern, insbesondere auch für Besucher von Veranstaltungen in der Philharmonie oder dem nahegelegenen Musical Dome.
Sanierungsstau bei Tiefgaragen
Auch die wiederholten Sperrungen von städtischen Tiefgaragen aufgrund von Statikmängeln sprach der Oberbürgermeister an. Er führte dies auf einen langjährigen Investitionsstau zurück. „Dass wir Tiefgaragen in der City wegen Statikmängeln sperren müssen, liegt daran, dass wir lange Zeit nicht investiert haben“, erklärte Burmester. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, die städtische Infrastruktur grundlegend zu modernisieren.
Langfristig sieht er die Lösung in einem attraktiveren öffentlichen Nahverkehr. Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) müssten so ausgebaut werden, dass die Menschen in den Veedeln ihr Auto freiwillig stehen lassen. Nur eine bessere Anbindung könne die Straßen in der Innenstadt nachhaltig entlasten.
Städtische Finanzen auf dem Prüfstand
Ein weiterer Schwerpunkt von Burmesters Ausführungen war die prekäre Finanzlage der Stadt Köln. Er zeigte Verständnis für den Ärger vieler Bürger über die deutliche Anhebung der Grundsteuer B.
„Wir muten den Menschen etwas zu“, räumte Burmester offen ein.
Diese Maßnahme sei jedoch notwendig gewesen, um den Haushalt zu stabilisieren. Gleichzeitig betonte er, dass auf der Einnahmenseite nicht unendlich viel Spielraum bestehe. Daher müsse die Stadt dringend ihre Ausgaben in den Griff bekommen. Als alarmierendes Beispiel nannte er ein aktuelles Bauprojekt.
Kostenexplosion bei Schulneubau
Ein besonders drastisches Beispiel für die hohen städtischen Ausgaben ist laut Burmester der Neubau einer Schule in Porz. Die Kosten für dieses einzelne Projekt belaufen sich auf 331 Millionen Euro. Der Oberbürgermeister erklärte, er sei nicht bereit, „auf diesem Weg so weiterzugehen.“
Solche Summen seien auf Dauer nicht tragbar und würden den finanziellen Spielraum für andere wichtige Aufgaben massiv einschränken. Er kündigte an, städtische Bau- und Investitionsprojekte zukünftig genauer auf ihre Wirtschaftlichkeit zu überprüfen.
Zwischen Olympia-Traum und lokalen Konflikten
Trotz des ausgerufenen Sparkurses will Torsten Burmester an der Vision einer Olympia-Bewerbung für die Rhein-Ruhr-Region festhalten, bei der Köln eine zentrale Rolle spielen würde. Er sieht darin eine einmalige Chance für einen Entwicklungsschub der gesamten Stadt.
„Ich will nicht in einer Stadt wohnen und erst recht nicht Oberbürgermeister einer Stadt sein, die keine Ambitionen und keinen Anspruch hat“, so seine klare Ansage. Olympische Spiele könnten die notwendigen Investitionen in Infrastruktur, Sportstätten und Wohnraum beschleunigen.
Gleueler Wiese: Ein „hochemotionales Thema“
Weniger ambitioniert, aber dafür umso emotionaler wird die Debatte um die Bebauung der Gleueler Wiese im Äußeren Grüngürtel geführt. Hier sollen drei Kunstrasenplätze für den Verein FC Rheinsüd entstehen. Burmester äußerte Unverständnis über die Heftigkeit des Protests, den er mit dem um den Hambacher Forst verglich.
Er habe nicht verstanden, warum man aus drei Kunstrasenplätzen „ein Riesenproblem für diese Stadt und für das Klima dieser Stadt macht“. Dennoch signalisierte er Gesprächsbereitschaft und kündigte an, „mit kleinen Schritten Lösungen entwickeln“ zu wollen, um den Konflikt zu befrieden.
Einblicke in den Alltag des Oberbürgermeisters
Während des zweistündigen Gesprächs gab Burmester auch persönliche Einblicke. Sein Arbeitstag beginne um 7:30 Uhr mit der Lektüre der Zeitungen und ende oft erst gegen 22 Uhr. Eine besondere Erfahrung im Wahlkampf sei ein Arbeitseinsatz in der Gepäckabfertigung am Flughafen gewesen, wo er 40 Kilo schwere Koffer verladen musste. Dies habe ihm großen Respekt vor der Leistung der dortigen Mitarbeiter vermittelt. „Ich bin jetzt verpflichtet, diesen Menschen etwas zurückzugeben“, sagte er über das Vertrauen, das ihm im Wahlkampf entgegengebracht wurde.
Soziale Herausforderungen und Visionen
Auch zu sozialen Brennpunkten wie dem Neumarkt äußerte sich der neue Oberbürgermeister. Er bestätigte, dass der Platz aufgewertet und zu einem attraktiven Eingangstor zur Innenstadt gestaltet werden müsse. Zu den konkreten Plänen für ein dort geplantes Suchthilfezentrum wollte er sich jedoch erst am kommenden Freitag äußern.
Ein persönlicher Moment der Nervosität sei der Empfang einer Delegation der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gewesen. In diesem Moment habe er die „Schwere des Amtes gespürt“, so Burmester. Er bekräftigte sein Ziel, das erste Bildungszentrum von Yad Vashem außerhalb Israels nach Köln zu holen, um an die 1700-jährige Geschichte jüdischen Lebens in der Stadt zu erinnern.




