Das zentrale Kölner Mahnmal für die Toten des Zweiten Weltkriegs, die Kirchenruine Alt St. Alban, ist auf unbestimmte Zeit für die Öffentlichkeit gesperrt. Aufgrund erheblicher Sicherheitsmängel musste die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag bereits zum zweiten Mal in Folge an einen anderen Ort verlegt werden. Eine Sanierung ist derzeit nicht in Sicht, da weder ein Zeitplan noch finanzielle Mittel im städtischen Haushalt vorhanden sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Sicherheitsrisiken: Herabfallende Gesteinsteile und instabile Bodenplatten machen den Aufenthalt in der Ruine gefährlich.
- Unbefristete Schließung: Die Stadt Köln hat den Zugang aus bautechnischen Gründen auf unbestimmte Zeit untersagt.
- Keine Finanzierung: Für die notwendige, umfassende Sanierung gibt es bisher weder eine Kostenschätzung noch eine Zuweisung im städtischen Haushalt.
- Verlegte Gedenkfeiern: Die traditionelle Zeremonie zum Volkstrauertag fand erneut vor der Kirche St. Maria im Kapitol statt.
Ein Ort des Gedenkens zerfällt
Die Ruine der ehemaligen Pfarrkirche St. Alban, im Herzen der Kölner Altstadt gelegen, ist seit Jahrzehnten ein stiller Ort der Mahnung. Doch die Stille wird zunehmend vom Verfall begleitet. Die Stadtverwaltung hat den Zugang zur Gedenkstätte komplett gesperrt, da die Sicherheit für Besucher nicht mehr gewährleistet werden kann.
Eine Sprecherin der Stadt bestätigte, dass sich kleine Gesteinsteilchen aus dem Ziegelmauerwerk lösen und in den Innenraum fallen. Die Ursache liegt in der jahrzehntelangen, ungeschützten Aussetzung der Ruine gegenüber der Witterung. Sowohl das Mauerwerk als auch die freiliegenden Gewölbebögen sind stark angegriffen.
„Eine Verkehrssicherheit zur längeren Begehung der Ruine – vor allem durch größere Menschengruppen – ist nicht gegeben“, erklärte eine Stadtsprecherin die drastische Maßnahme.
Gefahr unter den Füßen
Ein weiteres, ernstes Problem stellt der Boden dar. Die in den 1950er Jahren verlegten Steinplatten liegen lose in einem Sandbett. Darunter befinden sich Hohlräume der mittelalterlichen Grüfte. Dies führt dazu, dass die Platten wackeln und eine erhebliche Sturzgefahr für Besucher besteht. Die Kombination aus bröckelndem Mauerwerk und instabilem Untergrund macht einen sicheren Aufenthalt unmöglich.
Ein historischer Ort
Alt St. Alban wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Nur der Turm blieb weitgehend erhalten. Am 21. Mai 1959 wurde die Ruine durch den damaligen Bundespräsidenten und den Kölner Oberbürgermeister Theo Burauen offiziell als Gedenkstätte für die Kriegstoten eingeweiht. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zum Gürzenich und dem Wallraf-Richartz-Museum.
Sanierung ohne Plan und Budget
Die Stadt Köln ist sich des Ausmaßes der Schäden bewusst. Die Verwaltung spricht von einer notwendigen „umfangreichen Sanierung und Konservierung der gesamten Ruine“, um die Sicherheit wiederherzustellen. Diese Einschätzung macht deutlich, dass es sich hierbei um ein Großprojekt handelt.
Trotz dieser Erkenntnis wurden bisher kaum konkrete Schritte unternommen. Es gibt weder eine detaillierte Untersuchung der Schäden, die als Grundlage für eine Kostenschätzung dienen könnte, noch existiert ein Zeitplan für die Planung oder die Durchführung der Arbeiten. Entscheidend ist: Im städtischen Haushalt sind keine Gelder für dieses Projekt vorgesehen.
Zukunft ungewiss
Auf die Frage, wann und wie eine Sanierung erfolgen könnte, antwortete die Stadtsprecherin: „Wann und in welcher Form eine notwendige Sanierung der Ruine durchgeführt wird, ist derzeit offen.“ Damit bleibt das zentrale Kriegsmahnmal der Stadt auf absehbare Zeit ein Trauerspiel, das für die Bürgerinnen und Bürger unzugänglich ist.
Bereits im März 2024 hatte der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz Köln den schlechten Zustand von Alt St. Alban öffentlich kritisiert und als Negativbeispiel für den Umgang mit Kulturerbe genannt. Schon damals war die in die Ruine integrierte Bruder-Konrad-Kapelle wegen Baufälligkeit nicht mehr betretbar.
Die Bedeutung der Gedenkstätte
Die Schließung wiegt schwer, da Alt St. Alban eine besondere symbolische Bedeutung für die Stadt hat. Im Innenhof der Ruine steht eine Kopie der berühmten Skulptur „Trauerndes Elternpaar“ von Käthe Kollwitz. Der Entwurf stammt von Ewald Mataré, die Ausführung übernahmen seine Meisterschüler Joseph Beuys (Vaterfigur) und Erwin Heerich (Mutterfigur). Unweit davon erinnert ein weiteres Mahnmal an die Kriegsgefangenen.
Die Lage zwischen dem Gürzenich und dem Wallraf-Richartz-Museum, dessen Panoramafenster im Stiftersaal direkt auf die Ruine blickt, unterstreicht die zentrale Rolle des Ortes im kulturellen und historischen Gedächtnis der Stadt.
Wunsch nach einem offenen Ort der Trauer
Im Juli dieses Jahres schlug der evangelische Stadtsuperintendent Bernhard Seiger vor, Alt St. Alban über den Volkstrauertag hinaus für alle Kölnerinnen und Kölner zugänglich zu machen. Er berichtete von Gesprächen mit der damaligen Oberbürgermeisterin Henriette Reker und den Fraktionsspitzen im Stadtrat, die das ökumenische Anliegen grundsätzlich unterstützten.
Seigers Vision war ein Ort, an dem jeder Mensch zu jeder Zeit ein Zeichen der Trauer setzen kann. „Hier könnte ein jeder, eine jede in unserer Stadt Blumen ablegen, Kerzen aufstellen, ein Zeichen der Trauer und des Mitgefühls setzen“, schrieb er. Doch auch dieser Impuls hat bisher nicht dazu geführt, dass die dringend notwendige Sanierung in der Stadtverwaltung vorangetrieben wurde. Der Verfall des Mahnmals geht weiter, während die Türen verschlossen bleiben.




