Im Finale des Kölner Oberbürgermeisterwahlkampfs hat der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) um Stimmen für die Kandidatin Berivan Aymaz geworben. Die Veranstaltung am 24. September 2025 in Köln-Mülheim fand jedoch größtenteils ohne die Hauptperson statt: Aymaz musste aufgrund einer Erkrankung kurzfristig absagen und erschien nur für einen kurzen Moment am Ende des Abends.
Das Wichtigste in Kürze
- Robert Habeck unterstützte Berivan Aymaz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Köln-Mülheim vor rund 500 Gästen.
- Die Grünen-Kandidatin Aymaz konnte wegen einer Krankheit nicht an ihrer eigenen Veranstaltung teilnehmen.
- Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, vertrat Aymaz auf der Bühne.
- Die Strategie, auf den prominenten, aber auch umstrittenen Habeck zu setzen, wird im Wahlkampf kontrovers diskutiert.
- Die Stichwahl gegen Torsten Burmester (SPD) findet am 28. September statt; die Mobilisierung der Wähler gilt als entscheidend.
Wahlkampfhöhepunkt ohne die Kandidatin
Wenige Tage vor der entscheidenden Stichwahl um das Amt des Kölner Oberbürgermeisters luden die Grünen zu einem als „Stichwahlkampf-Höhepunkt“ angekündigten Abend. Mit Robert Habeck sollte eine prominente Figur aus der Bundespolitik der Kandidatin Berivan Aymaz den nötigen Rückenwind für die letzte Etappe geben. Doch der Abend verlief anders als geplant.
Die Veranstaltung in der Halle „The Base“ in Köln-Mülheim war mit rund 500 Besuchern vollständig gefüllt. Die Anwesenden sahen jedoch nicht die erwartete Doppelspitze aus Aymaz und Habeck auf der Bühne. Stattdessen übernahm Katharina Dröge, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, den Part von Aymaz. Die Kandidatin musste sich aufgrund einer Erkrankung schonen.
Erst gegen Ende der Veranstaltung trat Berivan Aymaz für einen kurzen Moment persönlich auf die Bühne, um sich bei den Unterstützern zu bedanken. Die Hauptlast des Abends trugen Habeck und Dröge, die für die politischen Inhalte und die Mobilisierung der Wähler warben.
Die Ausgangslage vor der Stichwahl
Im ersten Wahlgang am 14. September 2025 erreichte Berivan Aymaz 28,1 Prozent der Stimmen und lag damit vor ihrem Konkurrenten Torsten Burmester von der SPD, der 21,3 Prozent erhielt. Da keine Kandidatin und kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, kommt es am 28. September zur Stichwahl. Die entscheidende Frage ist nun, welcher der beiden Kontrahenten mehr Wähler mobilisieren kann, insbesondere jene, die im ersten Wahlgang für andere Kandidaten gestimmt haben.
Die Strategie hinter Habecks Auftritt
Der Einsatz von Robert Habeck im Kölner Wahlkampf ist eine bewusste strategische Entscheidung des Aymaz-Lagers. Habeck genießt innerhalb der grünen Stammwählerschaft weiterhin hohe Beliebtheitswerte und gilt als Zugpferd, das die eigene Basis motivieren kann. Angesichts der erwartbar niedrigeren Wahlbeteiligung bei einer Stichwahl ist die Mobilisierung der eigenen Anhänger ein zentraler Faktor für den Erfolg.
Die Atmosphäre der Veranstaltung wurde als positiv beschrieben. Musikalische Einlagen mit Geige und Gitarre schufen einen angenehmen Rahmen für die politischen Reden. Das Publikum bestand Beobachtern zufolge überwiegend aus der bürgerlichen Stammwählerschaft der Grünen, mit einem Altersdurchschnitt von über 50 Jahren.
Ein kalkuliertes Risiko?
Gleichzeitig birgt die prominente Rolle Habecks auch Risiken. Außerhalb der grünen Kernwählerschaft ist der ehemalige Wirtschaftsminister eine polarisierende Figur. Insbesondere das von ihm verantwortete Heizungsgesetz hat zu kontroversen Debatten geführt und sein Image in konservativeren und bürgerlichen Kreisen belastet.
„Die mitunter wirtschaftlich besser gestellten Grünen-Wähler aus der Innenstadt werden Habeck und Aymaz sicher zujubeln. Doch die grüne Kandidatin riskiert gleichzeitig, konservative und bürgerliche Wähler zu vergraulen.“
Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom Januar 2025 ergab, dass rund ein Drittel der Deutschen Habeck als „inkompetent“ und „realitätsfern“ wahrnimmt. Diese Attribute könnten im Kölner Wahlkampf kontraproduktiv sein, da laut einer Forsa-Umfrage in der Stadt eine große Unzufriedenheit mit der Verwaltung herrscht. Aymaz muss also abwägen, ob die Mobilisierung der eigenen Anhänger den möglichen Verlust von Stimmen aus der politischen Mitte aufwiegt.
Wahlbeteiligung als entscheidender Faktor
Bei der letzten Kölner OB-Wahl im Jahr 2020 sank die Wahlbeteiligung drastisch. Nahmen am ersten Wahlgang noch 51 Prozent der Wahlberechtigten teil, waren es bei der Stichwahl nur noch 36 Prozent. Ein ähnlicher Rückgang wird auch für die aktuelle Wahl erwartet, auch wenn das Rennen zwischen Aymaz und Burmester als spannender gilt als die Konstellation von 2020.
Mobilisierung gegen Apathie
Die zentrale Herausforderung für beide Kampagnen in den letzten Tagen vor der Wahl ist es, die Menschen an die Urnen zu bringen. Jede Stimme zählt, und der Kandidat, dem es besser gelingt, seine Unterstützer zu aktivieren, wird die Wahl gewinnen. Das Team von Berivan Aymaz scheint dabei gezielt auf Wählergruppen zu setzen, die traditionell eine geringere Wahlbeteiligung aufweisen könnten: junge, links-progressive und weibliche Wähler.
Der Auftritt von Habeck kann als klares Signal an diese Zielgruppen verstanden werden. Es ist der Versuch, mit einem bekannten Gesicht eine hohe mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und die eigene Botschaft zu transportieren.
Die letzten Tage entscheiden
Die Abwesenheit von Berivan Aymaz bei ihrem eigenen Wahlkampfhöhepunkt ist für ihre Kampagne ein unglücklicher Umstand. In der entscheidenden Phase eines Wahlkampfs ist die persönliche Präsenz der Kandidatin von großer Bedeutung. Es bleibt abzuwarten, wie schnell sie wieder vollständig einsatzfähig ist und ob ihr Team die verbleibende Zeit nutzen kann, um den krankheitsbedingten Ausfall zu kompensieren.
Am Ende wird sich am Wahlabend des 28. September zeigen, welche Strategie erfolgreicher war. Ob der Fokus auf die Mobilisierung der eigenen Basis durch prominente Unterstützung ausreicht oder ob die Ansprache unentschlossener Wähler aus der Mitte für Torsten Burmester den Ausschlag geben wird, bleibt die spannendste Frage im Kölner Wahlfinale.




