Der Fahrdienst-Vermittler Uber hat in Köln eine neue, provokante Buchungsoption eingeführt. Unter dem Namen „Uber Teuert“ können Nutzer ab sofort freiwillig einen deutlich höheren Preis für ihre Fahrt zahlen. Die Aktion ist eine direkte Reaktion auf die Pläne der Stadt Köln, ab dem Sommer einen Mindestpreis für Mietwagenfahrten festzulegen, der die Kosten an das Niveau von Taxis angleichen würde.
Das Wichtigste in Kürze
- Uber hat in seiner App die neue Option „Uber Teuert“ für Fahrten in Köln hinzugefügt.
- Dieser Tarif simuliert die voraussichtlichen Kosten nach Einführung eines städtisch verordneten Mindestpreises für Mietwagen.
- Die Stadt Köln plant, die Preise für Mietwagen an die von Taxis anzugleichen, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
- Uber kritisiert die Maßnahme als „künstliche Verteuerung“ und appelliert an die Stadtspitze, die Pläne zu überdenken.
Ein Blick in die App: Was kostet „Uber Teuert“?
Wer in Köln derzeit eine Fahrt über die Uber-App bucht, sieht neben den bekannten Optionen wie „UberX“ oder „Green“ nun auch den neuen Tarif. Die Preisunterschiede sind erheblich und sollen den Nutzern die Konsequenzen der städtischen Pläne vor Augen führen. Bei der Buchung des teureren Tarifs erscheint der Hinweis: „Höhere Preise, von der Stadt verordnet.“
Konkrete Beispiele aus der App verdeutlichen die Differenz. Eine Fahrt vom Chlodwigplatz zum Ebertplatz, die regulär ab 7,99 Euro kostet, wird im „Uber Teuert“-Tarif mit 13,38 Euro berechnet. Das ist ein Anstieg von fast 68 Prozent.
Ein weiteres Beispiel ist die Strecke von der Sülzburgstraße zur Deutzer Freiheit. Hier steigt der Preis von 12,93 Euro auf 21,13 Euro an – eine Differenz von über acht Euro für dieselbe Fahrt. Die regulären, günstigeren Optionen bleiben für die Kunden weiterhin buchbar.
Preisvergleich in der Praxis
- Chlodwigplatz → Ebertplatz:
Regulär: ab 7,99 €
„Uber Teuert“: 13,38 € (+67,5 %) - Sülzburgstraße → Deutzer Freiheit:
Regulär: ab 12,93 €
„Uber Teuert“: 21,13 € (+63,4 %)
Die Preise sind Momentaufnahmen und können je nach Nachfrage variieren.
Ubers Botschaft an die Stadt und die Nutzer
Mit der Einführung von „Uber Teuert“ verfolgt das Unternehmen eine klare Kommunikationsstrategie. Es geht darum, den öffentlichen Druck auf die Stadtverwaltung zu erhöhen und die Fahrgäste für das Thema zu sensibilisieren.
In einer offiziellen Stellungnahme erklärte das Unternehmen die Motivation hinter der Aktion. Man wolle den Nutzern zeigen, was die Einführung der Mindestpreise für ihren Alltag bedeute. Uber bezeichnet die geplante Regelung als eine „künstliche Verteuerung von Fahrten“, von der die Kunden am härtesten betroffen wären.
„Wir appellieren an Oberbürgermeister Burmester, zukunftsorientiert zu denken und die Mindestpreise fallen zu lassen.“
Die Formulierung macht deutlich, dass Uber die Maßnahme als Rückschritt für die moderne Mobilität in Köln ansieht. Der direkte Appell an den Oberbürgermeister zielt darauf ab, die politische Entscheidung noch zu beeinflussen, bevor sie im Sommer in Kraft tritt.
Der Hintergrund: Faire Wettbewerbsbedingungen oder Preistreiberei?
Die Auseinandersetzung zwischen Uber und der Stadt Köln hat eine längere Vorgeschichte. Im Kern geht es um die Frage, wie ein fairer Wettbewerb zwischen dem traditionellen Taxigewerbe und neuen Fahrdienst-Vermittlern wie Uber gewährleistet werden kann. Das Taxigewerbe unterliegt strengen Regulierungen, einschließlich einer Tarifpflicht, die von der Stadt festgelegt wird.
Geplante Regelungen der Stadt Köln
Die Stadtverwaltung plant eine Allgemeinverfügung, die ein Mindestbeförderungsentgelt für Mietwagen festlegt. Dieses soll mindestens 80 Prozent des regulären Taxitarifs betragen. Parallel dazu ist ein neuer Taxitarif geplant, der bei vorbestellten Fahrten um 20 Prozent unterschritten werden darf. Im Ergebnis würde dies zu einer Angleichung der Preise führen.
Oberbürgermeister Torsten Burmester verteidigt das Vorhaben. Er betont die Rolle des Taxigewerbes als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs, das einen wichtigen Beförderungsauftrag erfülle. „Um diesen Auftrag erfüllen zu können, muss es faire Wettbewerbsbedingungen geben“, so Burmester. Das geplante Mindestentgelt solle genau dafür sorgen.
Die großen Ratsfraktionen unterstützen das Vorhaben der Verwaltung. Während der neue Taxitarif noch vom Stadtrat beschlossen werden muss, benötigt die Allgemeinverfügung für die Mietwagenpreise keinen gesonderten politischen Beschluss. Die Einführung im Sommer gilt daher als sehr wahrscheinlich.
Was bedeutet das für die Kölner Fahrgäste?
Für die Nutzer von Fahrdiensten wie Uber könnten die geplanten Änderungen spürbare finanzielle Auswirkungen haben. Die günstigen Preise, die viele Kölner an den Mietwagen-Diensten schätzen, könnten bald der Vergangenheit angehören. Die Preisdifferenz zwischen einer Uber-Fahrt und einer Taxifahrt würde sich deutlich verringern oder sogar komplett verschwinden.
Kritiker der neuen Regelung befürchten, dass dadurch die Mobilitätsoptionen für die Bürger eingeschränkt werden. Befürworter argumentieren hingegen, dass die bisherige Preisstruktur zu einem unfairen Verdrängungswettbewerb zu Lasten des Taxigewerbes geführt habe, das wichtige soziale und rechtliche Standards einhalten muss.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Ubers Protestaktion die politische Debatte in Köln noch einmal neu entfachen kann oder ob die Stadt an ihrem Kurs festhält. Für die Fahrgäste bleibt vorerst die Wahl: zum gewohnten Preis fahren oder mit „Uber Teuert“ schon heute einen Vorgeschmack auf die Zukunft der Mobilitätspreise in der Domstadt bekommen.




