Trotz der angespannten Haushaltslage in Köln und eines angekündigten Sparkurses behalten die vier ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen der Stadt ihre Dienstwagen. Anstatt der ursprünglich geplanten vollständigen Abschaffung wurde die Fahrzeugflotte lediglich von drei auf zwei Autos reduziert. Die jährlichen Kosten für Fahrzeuge und Fahrer belaufen sich weiterhin auf über 140.000 Euro.
Die Entscheidung steht im Kontrast zur Ankündigung einer „finanziellen Zeitenwende“ im November 2024, bei der auch die Politik einen Sparbeitrag leisten sollte. Nun wurde ein Kompromiss zwischen Verwaltung und Politik gefunden, der zwar Einsparungen bringt, aber deutlich hinter den ursprünglichen Zielen zurückbleibt.
Die wichtigsten Fakten
- Kölns vier ehrenamtliche Bürgermeisterinnen nutzen weiterhin Dienstwagen, obwohl deren Abschaffung geplant war.
- Die Fahrzeugflotte wurde von drei auf zwei Autos reduziert, was die jährlichen Leasingkosten von rund 40.000 Euro auf 12.000 Euro senkt.
- Zusammen mit den Personalkosten für zwei Fahrer entstehen der Stadt jährliche Gesamtkosten von 142.000 Euro.
- Die Bürgermeisterinnen verteidigen die Notwendigkeit der Fahrzeuge mit der hohen Termindichte und dem organisatorischen Aufwand ihres Ehrenamtes.
Einsparungen fallen geringer aus als geplant
Im Herbst 2024 hatte die damalige Stadtspitze unter Oberbürgermeisterin Henriette Reker angekündigt, im Zuge der Haushaltskonsolidierung ab 2026 komplett auf die Dienstwagen für die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen zu verzichten. Dieser Schritt sollte die Stadtkasse um 40.345 Euro pro Jahr an Leasinggebühren entlasten.
Doch nach der Kommunalwahl und dem Amtsantritt der neuen Bürgermeisterinnen Derya Karadag (Grüne), Teresa de Bellis-Olinger (CDU), Maria Helmis-Arend (SPD) und Brigitta von Bülow (Grüne) am 1. November 2025 wurde dieser Plan neu verhandelt.
Das Ergebnis ist eine Reduzierung der Flotte auf zwei Fahrzeuge, die als Poollösung für Repräsentationstermine in Vertretung des Oberbürgermeisters genutzt werden. Die jährlichen Leasingkosten sinken dadurch auf 12.000 Euro, was einer Einsparung von rund 28.000 Euro entspricht.
Hintergrund: Das Ehrenamt der Bürgermeisterinnen
Die vier Bürgermeisterinnen sind Stellvertreterinnen des Oberbürgermeisters und nehmen repräsentative Termine wahr. Sie üben dieses Amt ehrenamtlich neben ihren Hauptberufen und ihrer Tätigkeit als Ratsmitglieder aus. Für diesen Aufwand erhalten sie eine monatliche Entschädigung. Die erste Stellvertreterin, Derya Karadag, erhält 2.128,50 Euro, die drei weiteren Bürgermeisterinnen jeweils 1.064,25 Euro. Hinzu kommt die Aufwandsentschädigung für das Ratsmandat von 585,60 Euro.
Kosten für Fahrer übersteigen Leasinggebühren deutlich
Während die Debatte sich oft auf die Fahrzeuge konzentriert, stellt der Personalaufwand den größten Kostenfaktor dar. Für die beiden Fahrer der Dienstwagen fallen jährlich Personalkosten in Höhe von 130.000 Euro an. Zusammen mit den Leasinggebühren belaufen sich die Gesamtkosten für den Fahrdienst auf 142.000 Euro pro Jahr.
Setzt man diese Summe in Relation zum Gesamthaushalt der Stadt Köln von 6,7 Milliarden Euro, entspricht sie einem Anteil von etwa 0,002 Prozent. Dennoch stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit, insbesondere angesichts der Anzahl der wahrgenommenen Termine.
Statistik zeigt rund einen Termin pro Tag
Laut Angaben der Stadtverwaltung wurden im Jahr 2025 insgesamt 385 Termine durch das Bürgermeisterinnen-Quartett wahrgenommen. Im Vorjahr waren es 419 Termine. Rechnerisch ergibt das im Schnitt etwas mehr als einen Termin pro Tag für alle vier Bürgermeisterinnen zusammen, beziehungsweise etwa zwei Termine pro Woche für jede Einzelne.
Die Verwaltung betont, dass die Fahrzeuge und Fahrer ausschließlich für Termine genutzt werden dürfen, bei denen der Oberbürgermeister vertreten wird. Bei Bedarf können sie auch für andere dienstliche Fahrten, etwa durch das städtische Protokoll, eingesetzt werden.
Neue Fahrzeugflotte
Bis Ende Februar 2026 nutzten die Bürgermeisterinnen einen Mercedes EQE 350 und einen Ford Mustang Mach-E. Seit dem 1. März sind zwei neue, vollelektrische Ford Capri im Einsatz. Laut Stadtverwaltung sind die Leasingverträge für die neuen Modelle günstiger.
Bürgermeisterinnen verteidigen Notwendigkeit
Die vier Bürgermeisterinnen rechtfertigen die Beibehaltung der Dienstwagen mit dem hohen organisatorischen Aufwand ihres Ehrenamtes. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklären sie: „Wir Bürgermeisterinnen üben unser Amt ehrenamtlich aus und das neben Hauptberuf, Ratsmandat sowie Familie und Privatleben. Das ist ein großer organisatorischer Spagat.“ Um die vielen Termine in einer Millionenstadt wahrnehmen zu können, seien die entsprechenden Ressourcen notwendig.
Brigitta von Bülow, die bereits in der vorherigen Amtszeit Bürgermeisterin war, ergänzt, dass die persönliche Anwesenheit ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung sei.
„Viele Termine liegen zeitlich eng beieinander oder finden parallel in unterschiedlichen Stadtteilen statt. Eine verlässliche Mobilität hilft dabei, diese Verpflichtungen effizient wahrnehmen zu können.“
Sie weist zudem darauf hin, dass kurzfristig übernommene Termine nicht immer in der offiziellen Statistik erfasst würden. Ihr Eindruck sei, dass die Anzahl der Termine in der neuen Wahlperiode zugenommen habe.
Auch Derya Karadag (Grüne) sieht die aktuelle Lösung als praktikabel an. „Ich finde, wir kommen gut mit zwei Wagen klar“, sagt sie. Gleichzeitig bezeichnet sie Dienstwagen als „Relikt aus vergangenen Zeiten“ und betont: „In Zeiten von Sparhaushalten ist es wichtig, dass wir verantwortungsbewusst mit unseren Ressourcen umgehen.“
Weitere Einsparungen im Bürobereich
Nicht nur bei den Fahrzeugen, auch beim Personal im Umfeld der Bürgermeisterinnen wurde gespart. Die Zahl der unterstützenden Mitarbeiter wurde reduziert. Statt vier Referenten und vier Vorzimmerkräften gibt es nun nur noch drei Referenten und zwei Vorzimmerkräfte für das Quartett.
Die Stadtverwaltung bezeichnet diese Kürzungen als „erhebliche Einsparungen“. Die aktuelle Ausstattung sei „insbesondere im Hinblick auf die rein ehrenamtlich übernommenen Aufgaben der Bürgermeisterinnen amtsangemessen.“
Maria Helmis-Arend (SPD) unterstreicht die Wichtigkeit dieser Unterstützung: „Als im Job Vollzeit arbeitende ehrenamtliche Bürgermeisterin bin ich sehr dankbar für diese Ressourcen, weil sie uns erlauben, Ehrenamt und Beruf zu vereinbaren.“ Dies ermögliche es, der engagierten Stadtgesellschaft die verdiente Wertschätzung entgegenzubringen.




