Nach der Kommunalwahl in Köln und dem enttäuschenden Ergebnis für die CDU wird intern nach den Ursachen geforscht. Der OB-Kandidat Markus Greitemann verpasste die Stichwahl nur knapp. Eine Analyse der Wahlkampf-Daten legt nahe, dass ein entscheidender Faktor die mangelnde Präsenz in den sozialen Medien gewesen sein könnte, wo seine Konkurrenten deutlich aktiver und sichtbarer waren.
Das Wichtigste in Kürze
- Dem CDU-Kandidaten Markus Greitemann fehlten 8.529 Stimmen für den Einzug in die OB-Stichwahl.
- Seine Konkurrenten von Grünen und SPD hatten eine bis zu zwölffach höhere Follower-Zahl auf Instagram.
- Die digitale Strategie der CDU wird als einer der Hauptgründe für das knappe Scheitern angesehen.
- Interne Unruhen und der Parteiaustritt des ehemaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma belasten die Partei zusätzlich.
Ein Ergebnis mit weitreichenden Folgen
Die Kölner CDU erlebt nach der jüngsten Kommunalwahl turbulente Zeiten. Mit einem Ergebnis von unter 20 Prozent musste die Partei eine herbe Niederlage einstecken. Besonders schmerzhaft war das Ausscheiden ihres Oberbürgermeister-Kandidaten Markus Greitemann, der den Einzug in die Stichwahl um weniger als zwei Prozentpunkte verpasste.
Am Ende fehlten ihm exakt 8.529 Stimmen, um an Torsten Burmester von der SPD vorbeizuziehen und sich ein Duell mit der Grünen-Kandidatin Berivan Aymaz zu sichern. Das Ergebnis, dass zwei Kandidaten aus dem Mitte-Links-Spektrum die Entscheidung unter sich ausmachten, löste bei den Christdemokraten eine intensive Debatte aus.
Die Führungsebene um Parteichefin Serap Güler und Fraktionschef Bernd Petelkau steht in der Kritik. Der symbolträchtige Austritt des ehemaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma aus der Partei unterstreicht die tiefen Gräben, die sich aufgetan haben. Nun steht eine umfassende Analyse an, um die Gründe für das Wahldebakel zu verstehen.
Der entscheidende Unterschied im digitalen Raum
Während die CDU landesweit durchaus Potenzial bei Wählern zeigte, konnte die Kölner Partei diesen Trend nicht nutzen. Ein Blick auf die Wahlkampfaktivitäten im Internet offenbart eine deutliche Diskrepanz zwischen den Kandidaten. Die digitale Reichweite von Markus Greitemann war im Vergleich zu seinen stärksten Konkurrenten auffallend gering.
Follower-Zahlen auf Instagram im Vergleich
- Berivan Aymaz (Grüne): ca. 23.000 Follower
- Torsten Burmester (SPD): ca. 10.000 Follower
- Markus Greitemann (CDU): unter 2.000 Follower
Diese Zahlen zeigen, dass die Grünen-Kandidatin mehr als zwölfmal so viele Menschen auf Instagram erreichte wie Greitemann. Der SPD-Kandidat hatte immerhin die fünffache Reichweite. In einer Zeit, in der politische Meinungsbildung zunehmend auf Plattformen wie Instagram, TikTok und Facebook stattfindet, scheint die CDU hier den Anschluss verloren zu haben.
Mehr als nur Follower: Die Macht der Präsenz
Tägliche Sichtbarkeit als Erfolgsfaktor
Experten weisen darauf hin, dass es nicht allein um die Anzahl der Follower geht. Vielmehr ist die kontinuierliche Interaktion und die Frequenz der Inhalte entscheidend. Die Kampagnen von Grünen und SPD zeichneten sich durch eine hohe Schlagzahl an Beiträgen, Stories und Verlinkungen aus. Dadurch waren ihre Kandidaten im Alltag vieler Wählerinnen und Wähler ständig präsent.
Während Aymaz und Burmester durch ihre digitale Aktivität vielen Menschen ein Begriff wurden, blieb Greitemann für eine breite Wählerschaft weitgehend unbekannt. In persönlichen Gesprächen gaben viele an, die Kandidaten der Stichwahl über Social Media wahrgenommen zu haben, während der Name des CDU-Kandidaten oft keine Assoziationen weckte.
Wahlkampf im Wandel
Moderne Wahlkämpfe werden nicht mehr nur auf Marktplätzen und an Infoständen entschieden. Die Fähigkeit, Wähler über digitale Kanäle direkt anzusprechen, ist zu einem kritischen Erfolgsfaktor geworden. Algorithmen belohnen regelmäßige und relevante Inhalte, was eine durchdachte und dauerhafte Online-Strategie erfordert.
Eine Frage der Strategie, nicht des Geldes
Eine schlagkräftige Social-Media-Kampagne muss nicht zwangsläufig teuer sein. Viel wichtiger ist das Verständnis für die Funktionsweise der Algorithmen und die Fähigkeit, authentische und ansprechende Inhalte zu erstellen. Die Kölner CDU scheint dieses Potenzial nicht vollständig ausgeschöpft zu haben.
"In meinem Umfeld kannten jedenfalls viele die beiden Kandidaten der späteren Stichwahl, weil sie über Social Media täglich auf den Handys präsent waren. Den CDU-Kandidaten kannte in meinem Umfeld dagegen kaum jemand."
Diese Wahrnehmung spiegelt die Daten wider und verdeutlicht, wie eine als traditionell wahrgenommene Partei Gefahr läuft, den Kontakt zu jüngeren und digital affinen Wählergruppen zu verlieren. Die Tatsache, dass digitale Anfragen an den Kandidaten und die Wahlkampfleitung im Vorfeld der parteiinternen Analyse unbeantwortet blieben, verstärkt den Eindruck einer strategischen Schwäche im Online-Bereich.
Fazit: Eine Lektion für die Zukunft
Die knappe Niederlage von Markus Greitemann in Köln ist mehr als nur ein unglückliches Ergebnis. Sie ist ein Weckruf für die CDU, ihre Kommunikationsstrategien grundlegend zu überdenken. Die fehlenden 8.529 Stimmen könnten genau die Wähler gewesen sein, die man auf digitalen Kanälen nicht erreicht oder überzeugt hat.
Die parteiinterne Aufarbeitung wird zeigen müssen, ob die Christdemokraten bereit sind, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen und sich für zukünftige Wahlen moderner und digitaler aufzustellen. Denn eines hat diese Wahl deutlich gemacht: Wer im digitalen Raum nicht stattfindet, riskiert, auch an der Wahlurne unsichtbar zu bleiben.




