Am 8. Dezember beginnt vor dem Kölner Landgericht ein Mammutprozess, der die Aufarbeitung des sogenannten „Kölner Drogenkrieges“ maßgeblich vorantreiben soll. Im Zentrum steht der mutmaßliche Hauptakteur Sermet A., ein 24-Jähriger, dem die Staatsanwaltschaft eine Reihe schwerer Verbrechen vorwirft. Die Anklage umfasst Drogengeschäfte im dreistelligen Kilobereich, mehrere Explosionen in Köln und Umgebung sowie Geiselnahmen. Dem Beschuldigten droht die Sicherungsverwahrung.
Wichtige Punkte
- Prozessbeginn für Sermet A. am 8. Dezember vor dem Kölner Landgericht.
- Anklage wegen umfangreicher Drogengeschäfte, Explosionen und Geiselnahmen.
- 39 Verhandlungstage bis Juni 2026 angesetzt, 315-seitige Anklageschrift.
- Sicherheitsvorkehrungen mit Straßensperrungen und hoher Polizeipräsenz.
- Sermet A. droht Sicherungsverwahrung aufgrund seiner mutmaßlichen Gefährlichkeit.
Umfang des Verfahrens und Herausforderungen für die Justiz
Die 14. Große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Ralph Ernst steht vor einer enormen Aufgabe. Die Anklageschrift von Staatsanwältin Heike Nöldgen und ihrem Kollegen Tilman Reiner zählt 35 Fälle und etwa 130 Zeugen auf. Bereits 39 Verhandlungstage sind bis Ende Juni 2026 terminiert. Dies zeigt das Ausmaß des Verfahrens.
Historische Vergleiche verdeutlichen die Dimension: Das Raubverfahren gegen Thomas Drach im Jahr 2022 war ursprünglich auf 50 Verhandlungstage angesetzt und endete mit 100 Tagen. Dort waren lediglich vier Taten angeklagt. Im Fall von Sermet A. geht es um ein Vielfaches an Vorwürfen, was auf eine noch längere Prozessdauer hindeutet.
Faktencheck: Prozess-Umfang
- Anklageschrift: 315 Seiten
- Anzahl der Fälle: 35
- Geladene Zeugen: ca. 130
- Angesetzte Verhandlungstage: 39 (bis Juni 2026)
Hohe Sicherheitsvorkehrungen und Auswirkungen auf Anwohner
Der Prozess gegen Sermet A. wird als Hochsicherheitsverfahren eingestuft. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Umgebung des Justizgebäudes an der Luxemburger Straße. Bei jeder Anreise des Angeklagten aus der Justizvollzugsanstalt sind umfangreiche Straßensperrungen zu erwarten.
Sollte Sermet A. per Helikopter transportiert werden, können Anwohner in der Rudolf-Amelunxen-Straße ihre Fahrzeuge zeitweise nicht nutzen. Eine Betroffene beschrieb die Situation als „absoluten Horror“. Auch Justizmitarbeiter berichten regelmäßig von Parkchaos in den frühen Morgenstunden bei solchen Konstellationen. Die Polizeipräsenz rund um und im Gericht wird immens sein.
„Es ist der absolute Horror“, so beschrieb es eine Betroffene aus der Rudolf-Amelunxen-Straße die Auswirkungen der Sicherheitsmaßnahmen.
Hintergrund: „Kölner Drogenkrieg“
Der Begriff „Kölner Drogenkrieg“ beschreibt eine Serie von Gewalt- und Explosionsdelikten, die Köln und das Umland im vergangenen Jahr in Atem hielten. Auslöser war mutmaßlich ein Drogenraub von über 700 Kilogramm Cannabis aus einer Lagerhalle in Hürth. Sermet A. soll daraufhin mit allen Mitteln versucht haben, die geraubten Drogen zurückzuerlangen, was zu einer Eskalation der Gewalt führte.
Die Rolle von Sermet A. und die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft
Sermet A., ein in Köln geborener Deutsch-Iraker, soll sich spätestens ab 2022 mit groß angelegten Drogengeschäften befasst haben. Die Ermittler werfen ihm vor, eine Bande um sich geschart zu haben, die mit Marihuana, Ecstasy, Kokain und Heroin handelte. Lieferanten soll er in Marokko und den Niederlanden gefunden haben. Eine erfolgreiche Lieferung von mehr als 580 Kilogramm Marihuana nach Leverkusen wird in der Anklageschrift aufgeführt.
Nach dem Drogenraub im Juni des vergangenen Jahres soll Sermet A. Mitglieder seiner eigenen Bande gefoltert haben. Drei als Auftragstäter engagierte Niederländer wurden bereits zu hohen Haftstrafen verurteilt. Die Anklage wirft ihm auch die Entführung eines Paares aus dem Ruhrgebiet vor, das in einer Villa in Rodenkirchen misshandelt wurde. Mehrere Männer sind in diesem Fall bereits verurteilt worden und haben Sermet A. in parallelen Prozessen schwer belastet.
Explosionen als Einschüchterung
Die öffentlichen Sprengstoffanschläge zeigen das beängstigende Ausmaß des Konflikts im Drogenmilieu. Fünf Explosionen rechnen die Ermittler dem Beschuldigten zu. Vier davon dienten laut Anklage der Einschüchterung potenzieller Drogenräuber. Die Serie begann am 29. Juni 2024 mit einer Detonation vor einer Shisha-Bar in der Keupstraße, die erhebliche Schäden verursachte. Auch die Sprengstoffexplosion im September 2024 an einem Geschäft in der Ehrenstraße wird Sermet A. zugeordnet.
- Drogengeschäfte: Handel mit Marihuana, Ecstasy, Kokain, Heroin.
- Lieferungen: Über 580 kg Marihuana nach Leverkusen, 700 kg Cannabis geraubt.
- Gewalttaten: Folter, Geiselnahme, Misshandlung.
- Explosionen: Fünf Anschläge, vier davon zur Einschüchterung.
Sicherungsverwahrung gefordert
Im Oktober 2024 wurde Sermet A. bei der Einreise nach Frankreich an einem Pariser Flughafen festgenommen. Er soll auch nach seiner Inhaftierung versucht haben, aus der Zelle heraus per Handy Drogengeschäfte zu betreiben. Ermittlungsbehörden hörten die Gespräche ab. Zudem soll er kurz nach seiner Festnahme Befreiungspläne geschmiedet haben.
Die Ermittler beschreiben den Angeklagten als überaus gewaltbereit und kompromisslos. Die Staatsanwaltschaft fordert daher die Sicherungsverwahrung. Eine Gesamtschau der Vorgänge und der dicken Vorstrafenakte zeige bei Sermet A. eine Neigung zur Begehung schwerer Straftaten, ein fest verankertes Muster. Der Kölner sei als gefährlich für die Allgemeinheit einzustufen. Die Entscheidung über diese Maßregel obliegt dem Landgericht. Nach seiner Festnahme soll Sermet A. geäußert haben, er könne jetzt nicht über Jahre ins Gefängnis, nicht in seinem jungen Alter.
Als rechte Hand von Sermet A. gilt der Iraker Khedir K., 25 Jahre alt, der sich ab Dezember im gleichen Prozess verantworten muss. Khedir K. soll im Gegensatz zu seinem Boss tatkräftig mitgewirkt haben, beispielsweise bei der Geiselnahme und Misshandlung des Paares aus dem Ruhrgebiet in der Rodenkirchener Villa.




