Die Staatsanwaltschaft Köln hat Ermittlungen gegen den Schiedsrichter Pascal Kaiser eingeleitet. Der 27-Jährige, der durch einen öffentlichen Heiratsantrag im Stadion des 1. FC Köln bekannt wurde, steht unter dem Verdacht, einen homophoben Angriff auf seine Person vorgetäuscht zu haben. Im Zuge der Ermittlungen wurde auch seine Wohnung durchsucht.
Der Fall wirft ernste Fragen auf und stellt die ursprüngliche Darstellung der Ereignisse, die Kaiser in den sozialen Medien geteilt hatte, in Frage. Die Behörden prüfen nun, ob die geschilderten Bedrohungen und der Überfall tatsächlich stattgefunden haben oder inszeniert wurden.
Das Wichtigste in Kürze
- Gegen den Schiedsrichter Pascal Kaiser (27) wird wegen des Verdachts der Vortäuschung einer Straftat ermittelt.
- Er hatte zuvor in sozialen Netzwerken über einen angeblich homophoben Angriff berichtet.
- Die Kölner Staatsanwaltschaft hat eine Hausdurchsuchung bei Kaiser veranlasst.
- Kaiser erlangte Bekanntheit durch einen Heiratsantrag im RheinEnergieStadion.
Schwere Vorwürfe und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
Die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Pascal Kaiser. Der zentrale Vorwurf lautet auf Vortäuschung einer Straftat. Dieser Verdacht führte zu einer richterlich angeordneten Durchsuchung der Wohnräume des Schiedsrichters.
Bei der Durchsuchung wurden nach ersten Informationen Beweismittel sichergestellt, die nun ausgewertet werden müssen. Ziel der Ermittler ist es, zu klären, ob die von Kaiser geschilderten Ereignisse – ein gewalttätiger Angriff und darauf folgende Drohungen – der Wahrheit entsprechen oder von ihm erfunden wurden.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, drohen Kaiser rechtliche Konsequenzen. Das Vortäuschen einer Straftat ist kein Kavaliersdelikt und kann mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.
Was war ursprünglich passiert?
Vor einigen Wochen hatte Pascal Kaiser auf seinen Social-Media-Kanälen einen schockierenden Vorfall öffentlich gemacht. Er beschrieb detailliert, wie er Opfer eines homophob motivierten Angriffs geworden sei. Seine Schilderungen lösten eine Welle der Solidarität und des Mitgefühls aus. Viele Menschen zeigten sich entsetzt über die Tat und bekundeten ihre Unterstützung für den jungen Schiedsrichter.
Hintergrund: Bekannt durch öffentliche Geste
Pascal Kaiser war vielen Menschen in Köln und darüber hinaus ein Begriff, lange bevor die aktuellen Vorwürfe aufkamen. Im Jahr 2022 machte er seiner damaligen Freundin einen Heiratsantrag auf dem Rasen des RheinEnergieStadions, direkt vor einem Spiel des 1. FC Köln. Die Szene, bei der er vor ihr auf die Knie ging, wurde von Kameras eingefangen und ging viral. Dieser Moment brachte ihm viel positive Aufmerksamkeit und machte ihn zu einer bekannten Figur im lokalen Fußball.
Die Kehrtwende im Fall
Die Ermittlungen nahmen eine unerwartete Wendung, als bei den Behörden Zweifel an der Darstellung von Kaiser aufkamen. Ungereimtheiten in seinen Aussagen und erste Ermittlungsergebnisse führten dazu, dass die Staatsanwaltschaft den Fokus änderte: Statt nach den vermeintlichen Tätern zu suchen, wird nun gegen das angebliche Opfer selbst ermittelt.
Die Hausdurchsuchung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Ermittler den Anfangsverdacht als hinreichend begründet ansehen, um solch eine Maßnahme zu rechtfertigen. Es wird nun geprüft, ob Kaiser die Geschichte aus persönlichen Motiven inszeniert haben könnte.
Rechtliche Einordnung
Der Straftatbestand der Vortäuschung einer Straftat ist in § 145d des Strafgesetzbuches (StGB) geregelt. Er dient dem Schutz der Rechtspflege. Wer wider besseres Wissen eine rechtswidrige Tat vortäuscht, um ein behördliches Verfahren herbeizuführen, macht sich strafbar. Dies soll verhindern, dass Polizei und Justiz unnötig Ressourcen für erfundene Fälle binden.
Reaktionen aus dem Umfeld und die Folgen
Bislang hat sich Pascal Kaiser nicht öffentlich zu den neuen Entwicklungen geäußert. Auch sein Umfeld hält sich bedeckt. Die Vorwürfe stehen in starkem Kontrast zu dem Bild, das die Öffentlichkeit bisher von ihm hatte – dem des Opfers von Hasskriminalität und des romantischen jungen Mannes aus dem Stadion.
Der Fall hat eine breite Diskussion ausgelöst. Einerseits wird betont, dass die Unschuldsvermutung bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt. Andererseits wird die mögliche Tragweite einer vorgetäuschten Tat diskutiert.
- Glaubwürdigkeit von Opfern: Experten warnen, dass solche Fälle, sollten sie sich bewahrheiten, der Glaubwürdigkeit von echten Opfern homophober Gewalt schaden können.
- Ressourcen der Polizei: Die Ermittlungsarbeit in einem vorgetäuschten Fall bindet Personal und Zeit, die an anderer Stelle für die Aufklärung realer Verbrechen fehlen.
- Öffentliche Wahrnehmung: Das Vertrauen in Berichte über Hasskriminalität in sozialen Medien könnte erschüttert werden.
Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Beweise die Auswertung der sichergestellten Gegenstände liefert und wie sich die Staatsanwaltschaft positionieren wird. Bis dahin bleibt der Fall, der als schockierender Angriff begann, eine Geschichte mit vielen offenen Fragen und einem völlig veränderten Fokus.




