Im Mordprozess um eine getötete 19-jährige Frau in Remscheid kommen schockierende Details ans Licht. Ein Gutachter enthüllte vor dem Wuppertaler Landgericht, dass der Sportwagen des Angeklagten illegal getunt war. Zudem wurde bekannt, dass eine wichtige Zeugin massiv bedroht wurde, um ihre Aussage zu verhindern.
Der 25-jährige Angeklagte steht wegen Mordes vor Gericht, nachdem er im April des vergangenen Jahres betrunken die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor und zwei junge Frauen erfasste. Während eine 17-Jährige schwer verletzt überlebte, erlag die 19-Jährige ihren schweren Kopfverletzungen. Die neuesten Entwicklungen im Prozess werfen ein noch düstereres Licht auf den Fall.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der Unfallwagen war illegal auf 727 PS modifiziert, statt der eingetragenen 640 PS.
- Durch die Manipulation war die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs erloschen.
- Eine wichtige Zeugin, die Ex-Freundin des Angeklagten, erhielt eine Todesdrohung.
- Die Staatsanwaltschaft hat ein neues Ermittlungsverfahren wegen versuchter Anstiftung zur Falschaussage eingeleitet.
Manipulierte Technik mit fatalen Folgen
Ein technischer Sachverständiger legte am Dienstag vor Gericht seine Analyse des Unfallwagens vor. Seine Ergebnisse zeigen, dass das Fahrzeug weit von seinem Serienzustand entfernt war. Die Messungen auf einem Leistungsprüfstand ergaben eine Motorleistung von 727 PS – deutlich mehr als die rund 640 PS, die in den Fahrzeugpapieren eingetragen waren.
Der Experte erklärte, dass eine solche Leistungssteigerung nicht genehmigt war. „Durch diese nicht eingetragene Veränderung ist die Betriebserlaubnis für das Fahrzeug erloschen“, führte der Gutachter aus. Das Auto hätte somit nicht am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen dürfen.
Leistungsdaten im Vergleich
- Eingetragene Leistung: ca. 640 PS
- Gemessene Leistung: 727 PS
- Leistungssteigerung: ca. 87 PS (fast 14 % mehr)
Wie genau die Mehrleistung erzielt wurde, konnte der Sachverständige ohne eine tiefere Analyse des Motors nicht abschließend klären. Er nannte jedoch mögliche Ursachen wie Eingriffe in die Motorsoftware oder bauliche Veränderungen am Motor selbst. Zusätzlich stellte er Modifikationen an der Auspuffanlage fest, die vermutlich primär dazu dienten, einen lauteren „Sound“ zu erzeugen.
Todesdrohung gegen eine zentrale Zeugin
Parallel zu den technischen Enthüllungen wurde im Gericht eine weitere dramatische Entwicklung bekannt. Eine ehemalige Freundin des 25-jährigen Angeklagten wurde vor ihrer Aussage massiv unter Druck gesetzt. Ein Unbekannter soll sie mit dem Tode bedroht haben, falls sie gegen den Angeklagten aussagen sollte.
„Wenn du gegen ihn aussagst, werden wir dir in den Kopf schießen“, soll die Drohung gelautet haben.
Ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft bestätigte, dass aufgrund dieser Bedrohung ein separates Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Der Vorwurf lautet auf versuchte Anstiftung zur Falschaussage. Offenbar sollte die Zeugin davon abgehalten werden, über einen früheren Vorfall zu berichten, bei dem der Angeklagte sie im Streit mit seinem Auto angefahren haben soll. Trotz der massiven Einschüchterung machte die Frau ihre Aussage vor Gericht.
Die Tat und die Anklage
Der Vorfall, der zum Tod der 19-Jährigen führte, ereignete sich am 30. April des Vorjahres in Remscheid. Der Angeklagte, Sohn eines Unternehmers, hatte laut eigener Aussage getrunken und wollte mit seinem PS-starken Auto angeben. Dabei verlor er die Kontrolle über den Wagen. Laut Staatsanwaltschaft geschah dies bereits nach einer Sekunde, dennoch beschleunigte er weiter, anstatt zu bremsen.
Die rechtliche Einordnung
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord, versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung, ein verbotenes Autorennen mit Todesfolge und Straßenverkehrsgefährdung vor. Zusätzlich werden ihm fünf weitere Fälle illegaler Autorennen im Zeitraum von 2022 bis 2024 zur Last gelegt. Der Angeklagte selbst bezeichnet sein Handeln als „leichtsinnig und rücksichtslos“, bestreitet aber eine Tötungsabsicht.
Das Fahrzeug brach aus, geriet auf den Bürgersteig und erfasste die beiden jungen Frauen. Sie wurden durch die Wucht des Aufpralls durch die Luft geschleudert. Eine Blutprobe ergab später einen Alkoholwert von 1,46 Promille beim Fahrer.
Der Prozess am Landgericht Wuppertal wird fortgesetzt. Die neuen Erkenntnisse über die Fahrzeugmanipulation und die Zeugenbedrohung könnten das Strafmaß für den Angeklagten erheblich beeinflussen. Sie zeichnen das Bild eines rücksichtslosen Verhaltens, das weit über einen tragischen Unfall hinausgeht.




