Fahrgäste der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) müssen sich in den kommenden Wochen möglicherweise auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat nach einer ergebnislosen ersten Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt des öffentlichen Nahverkehrs Warnstreiks in Nordrhein-Westfalen in Aussicht gestellt. Dies könnte den Bus- und Bahnverkehr in Köln und vielen anderen Städten lahmlegen.
Im Zentrum des Konflikts stehen die Arbeitsbedingungen der rund 30.000 Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr. Verdi fordert spürbare Verbesserungen, um den anhaltenden Personalmangel zu bekämpfen und die Berufe attraktiver zu gestalten. Die Arbeitgeberseite legte bisher kein Angebot vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Gewerkschaft Verdi droht mit Warnstreiks bei der KVB und anderen Verkehrsbetrieben in NRW.
- Die Streiks könnten noch vor der zweiten Verhandlungsrunde am 2. März stattfinden.
- Gefordert werden kürzere Arbeitszeiten, längere Ruhepausen und höhere Zuschläge.
- Hintergrund ist der massive Personalmangel im öffentlichen Nahverkehr.
Verhandlungen ohne Ergebnis: Druck auf Arbeitgeber wächst
Die erste Runde der Tarifverhandlungen für die kommunalen Verkehrsbetriebe in NRW endete am 21. Januar ohne eine Einigung. Vertreter von Verdi NRW zeigten sich enttäuscht, dass die Arbeitgeberseite kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat. Die Forderungen der Gewerkschaft liegen bereits seit November 2025 auf dem Tisch.
Heinz Rech, Verhandlungsführer von Verdi in Nordrhein-Westfalen, erklärte, dass man nun den Druck erhöhen müsse. „Wir werden darüber nachdenken müssen, ob vor der zweiten Verhandlungsrunde noch etwas passiert“, sagte Rech in Düsseldorf. Damit sind Warnstreiks eine wahrscheinliche Option, um die Forderungen zu untermauern.
Ein landesweiter Konflikt
Die Tarifverhandlungen betreffen nicht nur die KVB in Köln. Insgesamt sind über 30 kommunale Verkehrsbetriebe in NRW involviert, darunter die Unternehmen in Düsseldorf, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen und Bielefeld. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Aachener ASEAG.
Konkrete Forderungen für bessere Arbeitsbedingungen
Verdi zielt mit den Forderungen darauf ab, die Belastung für die Fahrerinnen und Fahrer zu reduzieren und den Beruf langfristig attraktiver zu machen. Ohne bessere Bedingungen sei der Personalmangel nicht in den Griff zu bekommen, so die Gewerkschaft. Die Kernforderungen umfassen mehrere wichtige Punkte.
Im Detail fordert die Gewerkschaft:
- Verkürzung der Wochenarbeitszeit: Die aktuelle Arbeitszeit von 39 Stunden pro Woche soll bei vollem Lohnausgleich reduziert werden. Eine genaue Stundenzahl wurde noch nicht festgelegt.
- Längere Ruhezeiten: Die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von 10 auf 11 Stunden verlängert werden, um die Regeneration der Beschäftigten zu verbessern.
- Höhere Zuschläge: Der Zuschlag für Arbeit an Sonntagen soll von derzeit 25 Prozent des Stundenlohns auf mindestens 40 Prozent angehoben werden.
Diese Maßnahmen sollen nicht nur die bestehenden Mitarbeiter entlasten, sondern auch dringend benötigtes neues Personal anziehen.
Personalmangel als zentrales Problem
Der öffentliche Nahverkehr in ganz Deutschland leidet unter einem akuten Mangel an Fachkräften, insbesondere im Fahrdienst. Viele Verkehrsbetriebe können bereits jetzt Fahrpläne nicht mehr vollständig bedienen. Verdi argumentiert, dass nur eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen diesen Trend umkehren kann.
Was das für Fahrgäste in Köln bedeutet
Sollte es zu Warnstreiks kommen, wären die Auswirkungen für Pendler und Reisende in Köln gravierend. In der Vergangenheit führten ähnliche Arbeitskämpfe zu einem nahezu vollständigen Stillstand des öffentlichen Nahverkehrs, teilweise über mehrere Tage. Busse und Bahnen der KVB blieben in den Depots, was zu überfüllten Straßen und massiven Störungen im Stadtverkehr führte.
„Ohne spürbare Verbesserungen der Arbeitsbedingungen wird es nicht gelingen, den Personalmangel im Nahverkehr zu beheben“, betonte Verhandlungsführer Heinz Rech die Dringlichkeit der Forderungen.
Fahrgäste sollten die Nachrichtenlage in den kommenden Tagen und Wochen aufmerksam verfolgen. Die KVB wird im Falle eines Streiks voraussichtlich über ihre Website und die eigene App über Ausfälle und Notfallpläne informieren. Es ist ratsam, sich frühzeitig über alternative Transportmöglichkeiten wie Fahrgemeinschaften, Fahrräder oder S-Bahnen, die nicht direkt vom Streik betroffen wären, Gedanken zu machen.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Ball liegt nun bei den Arbeitgebern. Verdi erwartet, dass zur zweiten Verhandlungsrunde am 2. März ein konkretes Angebot vorgelegt wird. Sollte dies nicht geschehen oder das Angebot als unzureichend bewertet werden, ist eine weitere Eskalation des Konflikts wahrscheinlich.
Die Gewerkschaft hat deutlich gemacht, dass ihre Geduld begrenzt ist. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Einigung am Verhandlungstisch möglich ist oder ob die Kölnerinnen und Kölner mit leeren Haltestellen und stillstehenden Bahnen rechnen müssen.




