Fahrgäste in Köln und der Region müssen sich im kommenden Jahr auf gleich zwei Tarifänderungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) erhöht zum 1. Januar die Preise für Einzeltickets. Diese Anpassung ist jedoch nur von kurzer Dauer, denn bereits zum 1. Juni steht eine umfassende Reform an: Ein neuer, gemeinsamer „Rheinland-Tarif“ mit dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) soll das Ticketsystem grundlegend vereinfachen.
Das Wichtigste in Kürze
- Preiserhöhung ab Januar: Die Ticketpreise im VRS steigen zum 1. Januar 2026 um durchschnittlich 1,9 Prozent.
- Große Tarifreform im Juni: Ab dem 1. Juni 2026 fusionieren VRS und AVV ihre Tarife zum neuen „Rheinland-Tarif“.
- Vereinfachtes System: Das neue System wird neben der Kurzstrecke nur noch drei Preisstufen umfassen.
- Fokus auf Digitalisierung: Der Verkauf von Einzeltickets ist stark rückläufig, während das Deutschlandticket und digitale Lösungen wie „eezy.NRW“ immer wichtiger werden.
Erste Preiserhöhung zum Jahreswechsel
Zum 1. Januar 2026 werden die Fahrpreise für Busse und Bahnen im VRS-Gebiet angehoben. Die Verbandsversammlung des VRS hat eine durchschnittliche Erhöhung von 1,9 Prozent beschlossen. Diese Maßnahme betrifft vor allem Gelegenheitsfahrer, die Einzeltickets nutzen.
Konkret bedeutet das: Das Kurzstreckenticket wird um zehn Cent teurer und kostet dann 2,80 Euro. Auch die Tickets der Preisstufe 1b, die für das Kölner Stadtgebiet relevant sind, steigen um zehn Cent auf 3,80 Euro. In Bonn kostet das entsprechende Ticket der Preisstufe 1a dann 3,20 Euro. Fahrgäste, die ihre Tickets über die VRS-App kaufen, können weiterhin von leicht vergünstigten Preisen profitieren.
Eine Übergangslösung für fünf Monate
Die Preisanpassung zum Januar ist bewusst als Übergangslösung konzipiert. Sie gilt nur für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. Mai 2026. Danach wird das gesamte Tarifgefüge durch die Einführung des neuen Rheinland-Tarifs abgelöst.
Große Tarifreform im Sommer: Der Rheinland-Tarif kommt
Die weitaus größere Veränderung erwartet die Fahrgäste zum 1. Juni 2026. Dann wird der gemeinsame Rheinland-Tarif eingeführt, der die bisherigen, getrennten Tarifsysteme des VRS und des AVV ersetzt. Ziel ist es, das Reisen im Rheinland einfacher und verständlicher zu machen.
Das neue System reduziert die Komplexität erheblich. Es wird neben dem Kurzstreckenticket nur noch drei Hauptpreisstufen geben, die klar definierte Geltungsbereiche abdecken.
Was die neuen Tickets kosten werden
Die Struktur des Rheinland-Tarifs ab Juni 2026 sieht wie folgt aus:
- Preisstufe 1a (3,50 Euro): Gilt für Fahrten innerhalb aller Städte und Gemeinden des neuen Verbundgebiets, mit Ausnahme der drei größten Städte.
- Preisstufe 1b (4,00 Euro): Speziell für Fahrten innerhalb der Stadtgebiete von Köln, Bonn und Aachen.
- Preisstufe 2 (5,50 Euro): Deckt Fahrten in erweiterte Stadt- oder Gemeindegebiete ab und ersetzt in etwa die heutigen Preisstufen 2 und 3.
- Rheinland-Ticket (13,90 Euro): Das neue Tagesticket für das gesamte Verbundgebiet von VRS und AVV.
Eine gute Nachricht für viele Nutzer: Das beliebte Kurzstrecken-Ticket bleibt in seiner bisherigen Form für mindestens zwei weitere Jahre erhalten. Die endgültige Entscheidung über diese umfangreiche Tarifreform soll in einer gemeinsamen Sitzung der Gremien von AVV und VRS am 12. Dezember fallen.
Das Deutschlandticket dominiert
Die Bedeutung des Einzeltickets schwindet rapide. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der VRS bereits 68 Prozent seiner Einnahmen durch das Deutschlandticket erzielt. Im AVV-Gebiet sind es sogar 80 Prozent. Nur noch 12 Prozent aller Fahrten im VRS werden mit klassischen, am Automaten oder Schalter gekauften Fahrscheinen bezahlt.
Die Zukunft ist digital: Fokus auf das eezy-Ticket
Die Fusion der beiden Verbünde wird von einer Werbekampagne für das digitale Ticket „eezy.NRW“ begleitet. Dieses soll neben dem Deutschlandticket zur zweiten wichtigen Säule im Tarifsystem ausgebaut werden. Das Prinzip ist einfach: Fahrgäste checken sich zu Beginn der Fahrt mit dem Smartphone ein und am Ziel wieder aus.
Der Fahrpreis wird automatisch auf Basis der Luftlinie zwischen Start und Ziel berechnet. Tarifgrenzen spielen für den Nutzer keine Rolle mehr. Um die Akzeptanz zu fördern, wird eine Preisgarantie eingeführt: Eine Fahrt mit eezy.NRW wird nie teurer sein als das entsprechende Einzelticket.
„Die Nutzer müssen sich um keine Tarifgrenzen mehr kümmern, sondern checken sich mit ihrem Smartphone bei Fahrten mit Bahn und Bus lediglich ein und aus.“
Zusätzlich gibt es einen monatlichen Preisdeckel. Alle Fahrten innerhalb eines Kalendermonats werden zusammen den Preis des Deutschlandtickets nicht überschreiten. Dies macht das System auch für Gelegenheitsfahrer attraktiv, die sich nicht langfristig an ein Abonnement binden möchten.
Diese strategische Neuausrichtung spiegelt das veränderte Verhalten der Fahrgäste wider und soll den öffentlichen Nahverkehr im Rheinland fit für die Zukunft machen.




