Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) zu einem 48-stündigen Warnstreik aufgerufen. Ab Freitagmorgen, 3 Uhr, wird der öffentliche Nahverkehr in Köln nahezu vollständig zum Erliegen kommen. Fahrgäste müssen sich auf erhebliche Einschränkungen einstellen und alternative Reisemöglichkeiten suchen.
Der Ausstand betrifft fast alle Stadtbahn- und Buslinien der KVB und wird voraussichtlich bis zum frühen Sonntagmorgen andauern. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, bei denen die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen will. Dies ist bereits die zweite bundesweite Streikwelle in der aktuellen Tarifrunde.
Das Wichtigste in Kürze
- Dauer des Streiks: Von Freitag, 3 Uhr, bis zum Betriebsbeginn am Sonntagmorgen.
- Betroffene Linien: Alle Stadtbahnlinien der KVB sowie die meisten Buslinien.
- Hintergrund: Bundesweite Tarifverhandlungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
- Alternativen: S-Bahnen, Regionalzüge und das KVB-Rad stehen zur Verfügung.
Massive Auswirkungen auf den Stadtverkehr erwartet
Für die Kölnerinnen und Kölner sowie für Pendler bedeutet der angekündigte Warnstreik eine große Herausforderung. Die KVB hat mitgeteilt, dass ab Freitag, 3 Uhr morgens, keine Stadtbahnen mehr fahren werden. Der Betrieb soll erst mit dem regulären Fahrplan am Sonntagmorgen wieder vollständig aufgenommen werden.
Auch der Busverkehr ist stark betroffen. Lediglich die Fahrten, die von Subunternehmen im Auftrag der KVB durchgeführt werden, finden statt. Welche Linien das genau sind, will die KVB kurzfristig auf ihrer Webseite und in der Fahrplanauskunft veröffentlichen. Fahrgäste sollten sich also unmittelbar vor Fahrtantritt informieren.
Gemeinsame Linien ebenfalls betroffen
Eine besondere Situation ergibt sich bei den Stadtbahn-Linien 16 und 18, die von der KVB gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn (SWB) betrieben werden. Da beide Unternehmen bestreikt werden, wird auch auf diesen wichtigen Verbindungen zwischen Köln und Bonn kein Verkehr stattfinden.
Kundencenter bleiben geschlossen
Neben dem Fahrbetrieb sind auch die Serviceeinrichtungen der KVB vom Streik betroffen. Die Kundencenter und Verkaufsstellen werden für die Dauer des Ausstands geschlossen bleiben. Auch hier müssen sich Kunden auf die Zeit nach dem Streik gedulden oder digitale Angebote nutzen.
Die KVB weist ausdrücklich darauf hin, dass die sogenannte Mobilitätsgarantie während des Streiks nicht gilt. Das bedeutet, dass Fahrgäste keinen Anspruch auf alternative Beförderung, wie zum Beispiel Taxikosten-Erstattung, haben, wenn ihre Bahn oder ihr Bus ausfällt.
Hintergründe des Tarifkonflikts
Der Warnstreik ist Teil einer bundesweiten Aktion der Gewerkschaft Verdi. In Nordrhein-Westfalen sind über 30 Verkehrsunternehmen mit insgesamt rund 30.000 Beschäftigten zum Streik aufgerufen. Die Gewerkschaft kämpft für bessere Arbeitsbedingungen und eine Entlastung der Mitarbeiter.
Heinz Rech, der Verhandlungsführer von Verdi in NRW, begründete die Maßnahme mit der Haltung der Arbeitgeber. „Die erste Verhandlungsrunde ist ohne Angebot der Arbeitgeber beendet worden, obwohl unsere Forderungen bereits seit November vorliegen“, erklärte Rech. Die Arbeitgeber hätten offenbar den Ernst der Lage nicht erkannt.
„Wenn wir die Arbeitsbedingungen nicht gemeinsam und grundlegend verbessern, wird sich der Personalmangel weiter verschärfen. Die Arbeitgeber haben offenbar noch immer nicht verstanden, dass Investitionen in einen funktionierenden ÖPNV notwendig sind, um sich zukunftssicher aufzustellen.“
Die Gewerkschaft fordert unter anderem zusätzliche Entlastungstage, eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit und weitere Maßnahmen, um den Beruf attraktiver zu machen und dem zunehmenden Personalmangel entgegenzuwirken.
Zweite bundesweite Streikwelle
Bereits am 2. Februar hatte ein bundesweiter Warnstreik den öffentlichen Nahverkehr in vielen deutschen Städten lahmgelegt. Die neuerliche Arbeitsniederlegung soll den Druck vor der zweiten Verhandlungsrunde erhöhen. Verdi hofft, dass die Arbeitgeber nun ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen.
Welche Alternativen haben Fahrgäste?
Trotz des umfassenden Streiks bei der KVB sind Reisende in Köln nicht komplett ohne öffentliche Verkehrsmittel. Es gibt mehrere Ausweichmöglichkeiten, um ans Ziel zu kommen.
S-Bahnen und Regionalverkehr
Der Schienenverkehr der Deutschen Bahn, der Mittelrheinbahn und anderer Eisenbahnunternehmen ist vom Streik nicht betroffen. Das bedeutet, dass S-Bahnen, Regionalbahnen (RB) und der Regionalexpress (RE) planmäßig verkehren.
Ein wichtiger Hinweis für KVB-Kunden: Ihre Tickets, wie zum Beispiel das Deutschlandticket oder andere VRS-Fahrscheine, sind auch in diesen Zügen innerhalb des Geltungsbereichs des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) gültig. Dies bietet eine gute Möglichkeit, zumindest größere Distanzen innerhalb der Stadt und in die Region zurückzulegen.
- S-Bahn-Linien: S6, S11, S12, S19 durchqueren das Stadtgebiet.
- Regionalzüge: Linien wie RE1, RE5 oder RB25 verbinden wichtige Knotenpunkte wie den Hauptbahnhof, Deutz oder Ehrenfeld.
Weitere Mobilitätsoptionen
Neben der Schiene gibt es weitere Alternativen:
- KVB-Rad: Das Leihfahrradsystem der KVB steht weiterhin zur Verfügung und kann eine flexible Option für kürzere Strecken sein.
- E-Scooter und Carsharing: Diverse private Anbieter sind in der Stadt aktiv und könnten eine Alternative darstellen, auch wenn hier mit erhöhter Nachfrage und möglicherweise höheren Preisen zu rechnen ist.
- Fahrgemeinschaften: Sich mit Kollegen oder Freunden zusammenzutun, kann eine sinnvolle und kostensparende Lösung sein.
Es wird jedoch dringend empfohlen, deutlich mehr Zeit für alle Wege einzuplanen. Insbesondere im Berufsverkehr am Freitag ist mit einem erheblich höheren Verkehrsaufkommen auf den Straßen zu rechnen, was zu Staus führen kann.




