Die Stadt Köln hat nach intensiver Suche einen Standort für ein neues Suchthilfezentrum festgelegt. Eine Grünfläche am Perlengraben in der Altstadt-Süd soll die neue Anlaufstelle für Drogenabhängige werden und damit den Neumarkt entlasten. Die Einrichtung soll bereits im kommenden Jahr den Betrieb aufnehmen.
Das Projekt ist eine direkte Reaktion auf die zunehmend schwierige Situation rund um den Neumarkt, wo insbesondere der Konsum von Crack zu einer sichtbaren Verschlechterung der Lage geführt hat. Der Stadtrat wird am 5. Februar über den Vorschlag der Verwaltung entscheiden.
Das Wichtigste in Kürze
- Neuer Standort: Eine Grünfläche am Perlengraben/Wilhelm-Hoßdorf-Straße wurde ausgewählt.
- Ziel: Entlastung der offenen Drogenszene am Neumarkt und bessere Hilfe für Suchtkranke.
- Konzept: Die Einrichtung folgt dem „Zürcher Modell“ und bietet neben einem Drogenkonsumraum auch soziale Betreuung und hygienische Versorgung.
- Betrieb: Geplant ist ein 24/7-Betrieb, der Drogenkonsumraum am Neumarkt soll nach Eröffnung schließen.
- Nächste Schritte: Der Stadtrat entscheidet im Februar, eine Informationsveranstaltung für Anwohner ist für den 20. Januar geplant.
Ein wichtiger Schritt zur Entlastung des Neumarkts
Die offene Drogenszene am Neumarkt ist seit Monaten ein zentrales Thema in der Kölner Stadtpolitik. Die Verwaltung reagiert nun mit einem konkreten Plan, der sowohl den suchtkranken Menschen helfen als auch das öffentliche Leben im Herzen der Stadt verbessern soll.
„Mit diesem Suchthilfezentrum können wir suchtkranken Menschen noch besser helfen. Gleichzeitig verfolgen wir damit das Ziel, den öffentlichen Raum rund um den Neumarkt endlich zu entlasten“, erklärte Oberbürgermeister Torsten Burmester. Er betonte, die aktuelle Situation sei für niemanden mehr tragbar – weder für die Betroffenen selbst noch für Anwohner und Passanten.
Die Situation am Neumarkt
In den vergangenen Monaten hat sich die Lage am Neumarkt zugespitzt. Sozialarbeiter und Sicherheitspersonal berichten von einer Zunahme des Crack-Konsums, der mit einer erhöhten Aggressivität und einer sichtbaren Verelendung der Betroffenen einhergeht. Das neue Zentrum soll eine sichere und betreute Alternative bieten.
Auch Sozialdezernent Harald Rau sieht in dem neuen Zentrum eine Chance, die Lebenssituation der Drogenabhängigen zu stabilisieren. „Der wachsende Crack-Konsum hat zu spürbar mehr Verelendung geführt“, so Rau. Das neue Angebot soll dem entgegenwirken.
Der Standort am Perlengraben im Detail
Die Wahl fiel auf eine städtische Grünfläche an der Ecke Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße. Dem Beschluss ging eine intensive Prüfung verschiedener Flächen und Gebäude voraus. Die Verwaltung legte dabei mehrere Kriterien fest: Der Standort musste sich in einem Umkreis von einem Kilometer zum Neumarkt befinden, um für die Szene erreichbar zu bleiben.
Gleichzeitig war ein ausreichender Abstand zu Kinder- und Jugendeinrichtungen entscheidend. Laut Stadtverwaltung befinden sich im direkten Umfeld des Grundstücks keine Kitas oder allgemeinbildenden Schulen. Zwar liegt ein Berufskolleg in der Nähe, dieses wird jedoch von einer älteren Schülerschaft besucht. Auch die Belastung für Anwohner soll durch die Gestaltung der Zugangswege minimiert werden, da sich in unmittelbarer Nähe des geplanten Eingangsbereichs keine direkte Nachbarschaft befindet.
Schnelle Umsetzung durch Modulbauweise
Um das Zentrum zügig zu errichten, prüft die Stadt eine Fertigbauweise in Modul- oder Containerbau. Dies ermöglicht eine schnellere Realisierung als ein konventioneller Bau. Das Zentrum ist zunächst für eine Dauer von fünf Jahren geplant, mit der Option auf eine Verlängerung um weitere fünf Jahre.
Ursprünglich war auf dem Grundstück ein Spielplatz vorgesehen. Als Ausgleich sollen nun die Planungen für Spielflächen an der Huhnsgasse und Vor den Siebenburgen beschleunigt werden.
Das Konzept: Mehr als nur ein Konsumraum
Das neue Suchthilfezentrum orientiert sich an einem Modell, das in Zürich erfolgreich erprobt wurde. Es geht dabei um mehr als nur die Bereitstellung eines sicheren Raumes für den Drogenkonsum. Das Angebot ist ganzheitlich angelegt und umfasst:
- Einen betreuten Drogenkonsumraum
- Aufenthaltsmöglichkeiten für die Betroffenen
- Hygienische Einrichtungen wie Duschen
- Beratung und Betreuung durch Sozialarbeiter
Mit der Eröffnung des neuen Zentrums soll der bisherige Drogenkonsumraum am Neumarkt geschlossen und an den neuen Standort verlagert werden. Der geplante Rund-um-die-Uhr-Betrieb soll sicherstellen, dass die Hilfsangebote jederzeit verfügbar sind.
Dieses Zentrum ist jedoch nur der erste Baustein eines größeren Konzepts. Insgesamt sind drei solcher Einrichtungen in Köln geplant, zwischen denen sich die Betroffenen bewegen können. Ein weiteres Zentrum ist im Linksrheinischen vorgesehen, möglicherweise integriert in die bestehende Einrichtung am Hauptbahnhof. Ein drittes soll im Rechtsrheinischen entstehen, wobei der Stadtteil Kalk als möglicher Standort genannt wurde.
Finanzierung und politische Unterstützung
Die Kosten für das Zentrum am Perlengraben sind noch nicht genau beziffert. Die Verwaltung hofft auf Fördergelder, rechnet aber damit, dass der Stadtrat zusätzliche Mittel freigeben muss. Werden alle drei geplanten Zentren realisiert, rechnet die Stadt mit jährlichen Mehrkosten von rund 14 Millionen Euro für den Haushalt.
Die Pläne der Verwaltung stoßen bei den Fraktionen im Kölner Stadtrat auf breite Zustimmung. Vertreter von Grünen, CDU, SPD und Linken äußerten sich positiv und betonten die Notwendigkeit des Projekts.
„Das neue Konzept und die Verlagerung des Standorts vom Neumarkt an die Wilhelm-Hoßdorf-Straße ist richtig. Das Suchthilfezentrum ermöglicht echte Hilfe für schwerstabhängige Menschen und schafft zugleich die Voraussetzung, den Neumarkt von der Drogenszene zu befreien.“
Auch Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Fraktion, bezeichnete das Zentrum als „notwendigen und richtigen Schritt“, um Schutz und medizinische Begleitung in einer sicheren Umgebung zu bieten.
Informationsveranstaltung für Bürger
Die Stadt plant, die Anwohnerschaft umfassend über das Vorhaben zu informieren. Eine Informationsveranstaltung findet am Dienstag, den 20. Januar, um 18 Uhr im VHS Forum im Rautenstrauch-Joest-Museum (Cäcilienstraße 29-33) statt. Dort wird die Verwaltung die Pläne im Detail vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen.




