In wenigen Tagen beginnt in Köln die fünfte Jahreszeit. Am 11.11. werden rund 30.000 Menschen in der Altstadt erwartet, um die Sessionseröffnung zu feiern. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, wobei die Sicherheit der Feiernden in diesem Jahr eine zentrale Rolle einnimmt. Ein neues Konzept und eine spezielle App sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen.
Die Willi Ostermann Gesellschaft, die das Fest zum 56. Mal organisiert, investiert massiv in die Sicherheit und betont den traditionellen Charakter des Karnevals. Es geht um Gemeinschaft und kölsches Liedgut, nicht um exzessiven Alkoholkonsum, so die Veranstalter.
Das Wichtigste in Kürze
- Am 11.11. werden rund 30.000 Menschen zur Sessionseröffnung auf dem Heumarkt und Alter Markt erwartet.
- Die Organisation kostet rund 600.000 Euro, ein Großteil davon fließt in ein neues Sicherheitskonzept.
- Insgesamt sind 1.000 Einsatzkräfte vor Ort, davon 450 private Sicherheitsleute.
- Eine neue App namens „Guardy“ ermöglicht es Feiernden, per Knopfdruck schnell Hilfe zu rufen.
- Die Veranstalter betonen den traditionellen Charakter des Festes und distanzieren sich von „Ballermann-Tendenzen“.
Ein Fest mit enormem Aufwand
Die Vorfreude in der Stadt ist spürbar. Wenn am kommenden Dienstag um 11:11 Uhr der Countdown heruntergezählt wird, steckt dahinter eine monatelange Planung und ein immenser logistischer Aufwand. Die Willi Ostermann Gesellschaft stemmt diese Aufgabe größtenteils ehrenamtlich und steht vor großen Herausforderungen.
Ralf Schlegelmilch, Präsident der Gesellschaft, sprach offen über die finanzielle Dimension der Veranstaltung. „Die ganze Produktion kostet 600.000 Euro“, erklärte er. Diese Summe sei nur durch Ticketverkäufe und die Unterstützung von Partnern zu decken. Der reine Getränkeverkauf würde bei weitem nicht ausreichen, um ein solches Event zu finanzieren.
Zahlen zur Sessionseröffnung
- Veranstalter: Willi Ostermann Gesellschaft (zum 56. Mal)
- Erwartete Besucher: ca. 30.000
- Gesamtkosten: 600.000 Euro
- Einsatzkräfte: 1.000 (davon 450 private Sicherheitskräfte)
- Bühnenprogramm: 11 Stunden
Bereits am Mittwoch beginnt der Aufbau der großen Bühne auf dem Heumarkt. Bis zur finalen Abnahme am Montag muss das gesamte Gelände vorbereitet sein. Dieser Kraftakt zeigt, wie viel Engagement hinter der traditionsreichen Feier steckt.
Neues Sicherheitskonzept im Fokus
Ein erheblicher Teil des Budgets fließt in die Sicherheit der Besucher. Für dieses Jahr wurde ein komplett überarbeitetes Konzept entwickelt, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. „Wir haben keine Sorge um die Sicherheit, weil wir gut vorbereitet sind“, betonte Schlegelmilch. „Dennoch optimieren wir immer wieder und versuchen Verbesserungen einzusetzen.“
Die „Guardy“-App als digitaler Helfer
Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Einführung der Sicherheits-App Guardy. Mit dieser Anwendung kann jeder Feiernde auf dem Gelände per Knopfdruck einen Notruf absetzen. Dank GPS-Ortung können die Sicherheitskräfte den Standort der Person sofort ermitteln und schnell vor Ort sein. Die Einführung der App sei eine präventive Maßnahme und keine Reaktion auf gestiegene Sicherheitsbedenken, so die Organisatoren.
Awareness-Teams und Anlaufstellen
Zusätzlich werden die Malteser mit drei speziellen Awareness-Teams auf dem Gelände unterwegs sein. Diese sind an ihren lila Westen leicht zu erkennen und dienen als direkte Ansprechpartner für Menschen, die sich unwohl fühlen oder belästigt werden. Die Teams sind eng mit der Initiative „Edelgard“ vernetzt, die eine etablierte Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt bei Großveranstaltungen ist.
„In den letzten Jahren hatten wir hier keine kritische Situation. Dennoch halten wir konsequenterweise an dem Angebot fest“, erklärte Ralf Schlegelmilch. Man wolle sicherstellen, dass sich alle Besucher sicher und respektiert fühlen.
Karneval ist mehr als nur Feiern
Sowohl die Veranstalter als auch das Festkomitee Kölner Karneval legen großen Wert darauf, die wahre Bedeutung des Brauchtums zu vermitteln. Christoph Kuckelkorn, Präsident des Festkomitees, sieht die Sessionseröffnung als eine wichtige Gelegenheit, das authentische Gesicht des Karnevals zu zeigen.
„Wir zeigen hier, wie Karneval wirklich funktioniert. Diese Sessionseröffnung ist das perfekte Fenster“, sagte Kuckelkorn. „Karneval ist nicht nur saufen, sondern Gemeinschaft, Tradition und kölsches Liedgut.“ Diese Aussage wird durch eine kürzlich veröffentlichte Studie der Rheinischen Hochschule gestützt, die den sozialen und gemeinschaftlichen Wert des Karnevals hervorhob.
Fokus auf Tradition statt Exzess
Die Organisatoren distanzieren sich klar von den sogenannten „Ballermann-Tendenzen“. Ralf Schlegelmilch betonte: „Unser Verständnis dieses Festes definiert sich nicht über das Saufen, auch wenn man mal einen über den Durst trinkt.“ Seit der Einführung des umzäunten Bereichs auf dem Heumarkt habe sich das Problem exzessiven Alkoholkonsums deutlich reduziert.
Da der 11.11. in diesem Jahr auf einen Dienstag fällt, rechnen die Veranstalter mit weniger Event-Tourismus und einem stärker regional geprägten Publikum. Dies sei eine Chance, den Kölnerinnen und Kölnern sowie den Gästen aus der Umgebung die herzliche und traditionsbewusste Seite des Festes näherzubringen.
Das musikalische Programm am Heumarkt
Das Bühnenprogramm verspricht ein elfstündiges Spektakel mit den bekanntesten Namen der kölschen Musikszene. Von 9:09 Uhr morgens bis in den späten Abend hinein werden zahlreiche Bands für Stimmung sorgen. Der WDR überträgt die Veranstaltung von 10:30 Uhr bis 16:00 Uhr live.
Einige Höhepunkte des Tages:
- 10:42 Uhr: Bläck Fööss
- 11:11 Uhr: Countdown und Bühnenfeuerwerk
- 11:15 Uhr: Räuber
- 11:33 Uhr: Vorstellung des designierten Kölner Dreigestirns
- 12:10 Uhr: Cat Ballou
- 12:29 Uhr: Kasalla
- 13:33 Uhr: Brings
- 15:35 Uhr: Höhner
Neben den etablierten Top-Bands erhalten auch viele Nachwuchsgruppen die Möglichkeit, sich einem großen Publikum zu präsentieren. Die hohe Einschaltquote des Vorjahres, die mit 21 Prozent Marktanteil einen Rekordwert erreichte, zeigt das große Interesse der Menschen an der Veranstaltung. Laut Sender sehnen sich die Zuschauer in schwierigen Zeiten nach positiven Gemeinschaftserlebnissen, die der Karneval bietet.




