Während Hamburg die Wiedereröffnung seines Fernsehturms für 2031 plant, bleibt die Zukunft des Kölner Colonius ungewiss. Die Pläne für eine öffentliche Nutzung des Wahrzeichens scheitern bislang an der Finanzierung, obwohl es einen potenziellen Betreiber gibt. Die angespannte Haushaltslage der Stadt Köln stellt die größte Hürde dar.
Seit Ende der 1990er-Jahre ist die Kanzel des 266 Meter hohen Colonius für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Viele Kölnerinnen und Kölner wünschen sich eine Rückkehr des Panoramablicks über die Stadt. Doch die Hoffnung schwindet, da ein konkreter Plan zur Finanzierung der notwendigen Sanierungsarbeiten fehlt.
Hamburger Modell als Vorbild für Köln?
In Hamburg wurde kürzlich eine Entscheidung getroffen, die in Köln aufhorchen lässt. Der Senat der Hansestadt hat beschlossen, die Wiedereröffnung des Heinrich-Hertz-Turms, auch „Tele-Michel“ genannt, mit erheblichen Mitteln zu unterstützen. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von rund 40 Millionen Euro.
Die Finanzierung in Hamburg setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen:
- 21,1 Millionen Euro von der Stadt Hamburg
- 18,5 Millionen Euro an Fördergeldern vom Bund
Diese Bundesmittel wurden bereits 2016 bewilligt, da der Hamburger Turm unter Denkmalschutz steht – ein Status, den der Colonius seit 2022 ebenfalls innehat. Zudem engagieren sich in Hamburg prominente Unternehmer wie Philipp Westermeyer, Gründer des OMR-Festivals, für das Projekt.
Betreibergesellschaft hofft auf Kölner Lösung
Die Deutsche Funkturm (DFMG), eine Tochtergesellschaft der Telekom mit Sitz in Leverkusen, betreibt beide Türme. Benedikt Albers, Leiter der Kommunikation bei der DFMG, äußerte sich positiv über die Entwicklung in Hamburg und sieht darin ein mögliches Modell für Köln. „Wir können uns immer noch sehr gut vorstellen, dieses erfolgreiche Projekt auch auf den Colonius zu übertragen“, so Albers.
Die finanzielle Hürde in Köln
Die entscheidende Frage bleibt das Geld. Während in Hamburg Stadt, Bund und private Förderer an einem Strang ziehen, fehlt in Köln eine solche Allianz. Die geschätzten Kosten für die Sanierung des Colonius liegen sogar noch höher als in Hamburg; in der Vergangenheit wurde eine Summe von rund 60 Millionen Euro genannt.
Die Stadtverwaltung Köln zeigt sich angesichts der angespannten Haushaltslage zurückhaltend. Bereits im Mai dieses Jahres, noch vor der jüngsten Haushaltssperre, klang die Einschätzung pessimistisch. Eine städtische Förderung erscheine „vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslage derzeit jedoch als wenig aussichtsreich“, hieß es aus dem Rathaus.
Ein ernsthafter Interessent wartet
Trotz der finanziellen Schwierigkeiten gibt es einen Lichtblick. Die DFMG bestätigte, dass ein ernstzunehmender Interessent für den Betrieb der Aussichtsplattform und Gastronomie im Colonius bereitsteht. Dieser potenzielle Betreiber macht sein Engagement jedoch von einer Klärung der Rahmenbedingungen abhängig, ähnlich wie in Hamburg. Das bedeutet: Ohne finanzielle Unterstützung der öffentlichen Hand wird es keine Wiedereröffnung geben.
Die DFMG betont das nach wie vor immense öffentliche Interesse an einer Wiederbelebung des Turms. „Dazu ist es notwendig, die Unterstützung der Stadt für den Colonius zu konkretisieren“, erklärt Benedikt Albers. Trotz regelmäßiger Gespräche sei dies bisher nicht gelungen.
Prioritäten der Stadt liegen woanders
Die finanzielle Situation der Stadt Köln hat sich seit den ersten Kostenschätzungen nicht verbessert. Im Gegenteil, die Verwaltung muss sparen und Prioritäten setzen. Mit der möglichen Bewerbung um die Austragung Olympischer Sommerspiele steht bereits das nächste millionenschwere Großprojekt im Raum, das erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen binden würde.
Vor diesem Hintergrund rückt eine Wiedereröffnung des Colonius in weite Ferne. Die Stadtverwaltung argumentiert, dass eine Unterstützung mit „erheblichen finanziellen Mitteln“ bei gleichzeitig unvorhersehbaren Kostenentwicklungen im Bausektor schwer darstellbar sei. Die Idee einer für alle zugänglichen Aussichtsplattform bleibt damit vorerst eine Vision ohne konkreten Zeitplan.
„Der Colonius ist und bleibt der wichtigste Funkstandort für Köln und die Region – auch ohne öffentlichen Betrieb. Neben seiner technischen Bedeutung liegt das touristische Potenzial leider seit mehr als zwanzig Jahren brach.“
- Benedikt Albers, Deutsche Funkturm (DFMG)
Die doppelte Funktion des Turms
Die DFMG gibt die Hoffnung dennoch nicht auf. Für das Unternehmen hat der Colonius eine Doppelfunktion. Einerseits ist er ein unverzichtbarer Standort für den Funkverkehr in der gesamten Region und sichert die technische Infrastruktur für Mobilfunk, Radio und Fernsehen. Diese Funktion ist vom öffentlichen Betrieb unabhängig und jederzeit gewährleistet.
Andererseits schlummert in dem Bauwerk ein enormes touristisches Potenzial. Die Betreibergesellschaft möchte dem Colonius seine zweite Funktion als Attraktion für Bürger und Touristen zurückgeben. „Deswegen möchten wir dem Colonius in Zukunft seine Doppelfunktion zurückgeben und den Turm wieder besuchbar machen“, bekräftigt Albers. Ob und wann dieser Wunsch Realität wird, hängt nun maßgeblich von den politischen und finanziellen Entscheidungen der neu gewählten Stadtverwaltung im kommenden Jahr ab.




