Ein 18-jähriger Niederländer hat vor dem Kölner Amtsgericht gestanden, im September 2024 einen Sprengsatz in einer Filiale der Modemarke LFDY gezündet zu haben. Die Tat, die einen Sachschaden von rund 600.000 Euro verursachte, steht mutmaßlich im Zusammenhang mit einer Serie von Gewalttaten, die als „Kölner Drogenkrieg“ bekannt geworden sind.
Am ersten Prozesstag legte der junge Mann über seine Verteidigerin ein umfassendes Geständnis ab. Er schilderte, wie er über einen Messengerdienst für die Tat rekrutiert und mit einer versprochenen Zahlung von 2.000 Euro geködert wurde, die er jedoch nie erhielt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein 18-jähriger Niederländer hat die Explosion in der Kölner LFDY-Filiale gestanden.
- Er wurde laut eigener Aussage online rekrutiert und sollte 2.000 Euro für die Tat erhalten.
- Der entstandene Sachschaden durch die Explosion und den Brand wird auf 600.000 Euro geschätzt.
- Die Ermittler sehen einen möglichen Zusammenhang mit dem sogenannten „Kölner Drogenkrieg“.
Geständnis zum Prozessauftakt
Vor dem Kölner Amtsgericht begann der Prozess gegen den 18-Jährigen, der für die schwere Explosion in einem Modegeschäft in der Innenstadt verantwortlich sein soll. Gleich zu Beginn ließ der Angeklagte über seine Anwältin eine Erklärung verlesen, in der er die Tat vollumfänglich einräumte.
Die Anklage wirft ihm vor, am frühen Morgen des 18. September 2024 die Schaufensterscheibe des LFDY-Geschäfts mit einem Stein eingeworfen zu haben. Anschließend soll er einen Sprengsatz im Inneren des Ladens platziert und gezündet haben.
Video der Tat im Gerichtssaal
Besonders eindrücklich war die Vorführung eines Videos, das der Angeklagte selbst nach der Zündung von der Straße aus aufgenommen hatte. Die Aufnahmen zeigten die gewaltige Detonation, bei der die gesamte Fensterfront des Geschäfts auf den Gehweg geschleudert wurde. Die Bilder dokumentierten die immense Zerstörungskraft des Sprengsatzes.
Der Angeklagte verfolgte die Vorführung des Videos im Gerichtssaal mit gesenktem Kopf. Sein Geständnis umfasste alle Details der Tatvorbereitung und -durchführung.
Die durch die Explosion und den darauf folgenden Brand verursachten Schäden am Gebäude und an der Ware werden von den Ermittlern auf eine Summe von etwa 600.000 Euro beziffert.
Rekrutierung über das Internet
Ein zentraler Punkt des Geständnisses war die Art und Weise, wie der junge Mann zu der Tat kam. Er gab an, von ihm unbekannten Personen über einen anonymen Messengerdienst kontaktiert worden zu sein. Diese hätten ihm den Auftrag erteilt, den Anschlag auf das Modegeschäft auszuführen.
Als Lohn wurden ihm 2.000 Euro versprochen. Dieses Geld habe er jedoch nie erhalten, erklärte seine Verteidigerin. Die Hintermänner und ihre genauen Motive bleiben vorerst im Dunkeln, doch die Ermittlungen deuten in eine klare Richtung.
„Man bot ihm 2.000 Euro für die Durchführung an. Eine Summe, die er nie gesehen hat.“
Die Anwerbung junger Menschen über soziale Medien für kriminelle Taten ist ein Phänomen, das Sicherheitsbehörden in ganz Europa zunehmend beschäftigt. Oft werden dabei gezielt finanziell schwache oder leicht beeinflussbare Personen angesprochen.
Verbindung zum „Kölner Drogenkrieg“?
Die Tat steht nicht isoliert da. Laut einer früheren Mitteilung des Landgerichts Köln könnte der Anschlag Teil einer größeren Gewalteskalation im Drogenmilieu sein. Seit Juni 2024 erschüttert eine Serie von Gewalttaten Köln und weitere Städte in Nordrhein-Westfalen.
Zu dieser Serie gehören:
- Mehrere Explosionen an Gebäuden
- Schüsse auf Geschäfte und Wohnhäuser
- Mindestens eine Geiselnahme
Als Auslöser des sogenannten „Kölner Drogenkriegs“ gilt der Diebstahl einer großen Menge Marihuana. Es wird vermutet, dass die geschädigte Tätergruppe seitdem versucht, durch gezielte Anschläge und Einschüchterungsaktionen Druck auf die rivalisierende Gruppe auszuüben, um das gestohlene Rauschgift zurückzubekommen oder Rache zu üben.
Die Ermittler prüfen nun, ob das Modegeschäft oder dessen Umfeld in irgendeiner Verbindung zu den beteiligten Drogenbanden stehen. Der Prozess gegen den 18-jährigen Niederländer könnte weitere Erkenntnisse über die Strukturen und Methoden der Hintermänner liefern.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Brutalität der Auseinandersetzungen in der organisierten Kriminalität und zeigt, wie junge, externe Täter für gefährliche Aufträge instrumentalisiert werden. Das Urteil wird in den kommenden Wochen erwartet.




