Tägliche Staus, unzählige Absperrungen und scheinbar endlose Bauarbeiten bringen die Geduld der Bürgerinnen und Bürger im Kölner Süden an ihre Grenzen. Die Verkehrslage in Rodenkirchen ist angespannt, und der Ruf nach besserer Koordination und mehr Transparenz vonseiten der Stadt wird immer lauter. Nun hat die lokale Politik das Thema auf die Agenda gehoben.
Mit rund 24.000 Baustellen pro Jahr im gesamten Stadtgebiet steht Köln vor einer enormen Herausforderung. Doch für viele in Rodenkirchen fühlt es sich an, als konzentriere sich ein Großteil der Belastung auf ihren Bezirk. Die Frustration entlädt sich täglich auf den Straßen und in den sozialen Netzwerken.
Das Wichtigste in Kürze
- Anwohner in Köln-Rodenkirchen beklagen massive Verkehrsbehinderungen durch eine Vielzahl von Baustellen.
- Die CDU-Fraktion im Bezirk hat eine offizielle Debatte angestoßen und fordert von der Stadt ein transparentes Baustellenmanagement.
- Die Stadtverwaltung verweist auf jährlich 24.000 Baustellen in Köln und erklärt die komplexen Zuständigkeiten.
- Ein personell unterbesetzter Kontrolldienst erschwert die Überwachung und den reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten.
Täglicher Stillstand im Kölner Süden
„Ich komme nicht in die Stadt, alles dicht.“ Diese Aussage einer Anwohnerin spiegelt den täglichen Frust vieler Menschen in Rodenkirchen wider. Das Vorankommen im Straßenverkehr gleicht oft einem Geduldsspiel, das nur im Schritttempo zu gewinnen ist. Die Liste der betroffenen Straßen ist lang und wächst stetig.
Ob auf der Bonner Straße, Am Forstbotanischen Garten, dem Raderberggürtel oder der Militärringstraße – fast überall prägen Baken und Umleitungen das Bild. Für viele Bürger ist oft nicht nachvollziehbar, warum gebaut wird oder wie lange die Maßnahmen andauern sollen. Die Baustelle an der Militärringstraße wurde kürzlich sogar bis Mitte 2026 verlängert, was die Sorgen weiter schürt.
Ein Netz aus Baustellen
Zu den bereits bestehenden Baustellen kommen geplante Großprojekte hinzu, die die Verkehrssituation weiter belasten könnten. Dazu gehören Arbeiten am Rathaus, an der Ringstraße und am strategisch wichtigen Autobahnkreuz Köln-Süd. Die Koordination dieser Projekte ist entscheidend, um einen kompletten Verkehrskollaps zu verhindern.
Politik schlägt Alarm und fordert Antworten
Die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung hat die CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Rodenkirchen dazu veranlasst, eine „Aktuelle Stunde“ zu dem Thema einzuberufen. Die Politiker formulieren klare Forderungen an die Stadtverwaltung. Sie verlangen mehr Transparenz über den Grund und die Dauer von Baustellen, eine deutlich bessere Koordination der einzelnen Maßnahmen und einen reibungsloseren Verkehrsfluss.
Ein zentraler Punkt ist die Informationspolitik. Zukünftige Straßenbauprojekte sollen direkt an die Bezirksamtsleitung gemeldet werden, um die Bürger frühzeitig und umfassend informieren zu können. „Gefühlt stehen 50 Prozent aller Baken gerade in unserem Bezirk“, brachte ein Teilnehmer die Wahrnehmung auf den Punkt. Das Ziel sei ein modernes und gut abgestimmtes Baustellenmanagement.
Die Perspektive der Stadtverwaltung
Vertreter des städtischen Verkehrs- und Baustellenmanagements stellten sich der Diskussion im Bezirksrathaus. Ralf Poppenborg, Leiter des Amts für Verkehrsmanagement, lieferte eine beeindruckende Zahl, die das Ausmaß der Herausforderung verdeutlicht.
24.000 Baustellen pro Jahr
Auf dem gesamten Kölner Stadtgebiet gibt es jährlich rund 24.000 Baustellen im öffentlichen Raum. „Jede Baustelle ist ein Einschnitt in den Verkehr“, betonte Poppenborg. Diese hohe Zahl macht eine perfekte Koordination extrem schwierig.
Die Verwaltung erklärte, dass jeder, der eine Baustelle einrichten möchte, eine Genehmigung bei der Stadt beantragen muss. Diese Genehmigungen sind an die aktive Bautätigkeit geknüpft und werden alle sechs Monate überprüft. Wenn eine Baustelle über längere Zeit unbesetzt wirkt, könne dies verschiedene Gründe haben, denen im Einzelfall nachgegangen werde.
Wer ist verantwortlich?
Die Zuständigkeiten sind komplex. Neben der Stadt selbst planen auch die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) und der Energieversorger Rhein-Energie eigene Baumaßnahmen. Die Stadt prüft zwar, ob geplante Baustellen miteinander kollidieren, doch die Informationspflicht liegt oft bei anderen.
„Der Bauherr muss Anwohner und Presse informieren. Wir bauen nicht“, erklärte Andy Steinmetzer, Abteilungsleiter des Baustellenkontrolldienstes.
Markus Pail vom städtischen Baustellenmanagement ergänzte: „Unsere Aufgabe ist nicht bauen, sondern den Verkehr am Laufen zu halten.“ Diese Aussage verdeutlicht das Spannungsfeld, in dem sich die städtischen Behörden bewegen.
Personalmangel als Kernproblem
Ein wesentliches Hindernis für eine bessere Kontrolle vor Ort ist die personelle Ausstattung. Der Baustellenkontrolldienst, der für die Überwachung der Baustellen im gesamten Stadtgebiet zuständig ist, besteht aus nur sechs Mitarbeitern. Diese geringe Personaldecke macht eine flächendeckende und regelmäßige Kontrolle nahezu unmöglich.
Zu den Aufgaben des Dienstes gehört auch das Entfernen von sogenannten „Geisterschildern“ – also Verkehrsschildern oder Absperrungen, die nach Abschluss der Arbeiten einfach stehen gelassen werden. Alle zwei Monate versucht das Team, in den Bezirken für Ordnung zu sorgen, doch bei der schieren Menge an Baustellen ist dies eine Sisyphusarbeit.
Wie geht es weiter in Rodenkirchen?
Die Debatte in der Bezirksvertretung endete mit dem Konsens, dass die Verwaltung die aufgeworfenen Fragen und Anregungen zur weiteren Bearbeitung mitnimmt. Die Bezirkspolitiker machten deutlich, dass der Informationsfluss verbessert werden muss, um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen.
Für die Anwohner bleibt die Hoffnung, dass ihre täglichen Sorgen ernst genommen werden und sich die Situation in absehbarer Zeit spürbar verbessert. Bis dahin bleibt ihnen nur, sich weiterhin durch den Dschungel aus Baken und Umleitungen zu kämpfen.
Meldung von Problemen
Bürgerinnen und Bürger, denen Missstände bei Baustellen auffallen, können diese direkt bei der Stadt melden. Anlaufstellen sind das Baustellenmanagement per E-Mail unter [email protected] oder die städtische App „Sag's uns“.




