Die Deutsche Bahn startet in Nordrhein-Westfalen eine weitere umfassende Sanierung ihres Schienennetzes. Ab Freitagabend wird die rund 65 Kilometer lange Strecke zwischen Hagen, Wuppertal und Köln für mehrere Monate gesperrt. Ziel ist es, die Infrastruktur langfristig robuster und den Zugverkehr pünktlicher zu machen.
Wichtige Fakten
- Strecke Hagen-Wuppertal-Köln wird generalsaniert.
- Vollsperrung über mehrere Monate statt vieler kurzer Baustellen.
- Kritik an unzureichender Digitalisierung und fehlendem ETCS.
- Wetterbedingungen verzögerten bereits Sanierung Hamburg-Berlin.
Startschuss in Wuppertal-Elberfeld
Die offizielle Einweihung der Baustelleneinrichtungsfläche fand am Freitagnachmittag in Wuppertal-Elberfeld statt. Dort gaben wichtige Vertreter der Deutschen Bahn und der Politik das Startsignal für das Projekt. Dazu gehörten Philipp Nagl, Chef der DB-Netzgesellschaft InfraGo, Verkehrsstaatssekretär Christian Hirte und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. Die eigentlichen Arbeiten begannen um 21 Uhr.
Das Vorhaben zwischen Ruhrgebiet, Bergischem Land und Rheinland bündelt verschiedene Bauaufgaben. Diese sollen die Infrastruktur leistungsfähiger machen und Störungen reduzieren. Die Bahn betont, der Streckenabschnitt werde "wesentlich robuster, der Zugverkehr pünktlicher und zuverlässiger".
Wissenswertes zur Sanierung
- Länge der Strecke: Rund 65 Kilometer zwischen Hagen, Wuppertal und Köln.
- Beginn der Arbeiten: Freitagabend, 21 Uhr.
- Ziel: Langfristig weniger Störungen und höhere Pünktlichkeit.
Neuer Ansatz: Generalsanierung statt Flickschusterei
Die Deutsche Bahn verfolgt bei diesen Großprojekten eine neue Strategie. Anstatt immer wieder kleinteilige Reparaturen durchzuführen, erfolgt eine Generalsanierung über alle Gewerke hinweg. Dies umfasst die Trasse, Weichen, Oberleitungen, Schwellen, Stellwerke und Bahnhöfe. Die Bahn sperrt die jeweiligen Streckenabschnitte komplett, anstatt einen eingleisigen Betrieb aufrechtzuerhalten. Dies soll eine effizientere und umfassendere Modernisierung ermöglichen.
"Wir gehen anders vor als bisher: Statt kleinteilig immer wieder zu bauen und zu modernisieren, wird über alle Gewerke hinweg einmal generalsaniert – von der Trasse bis zum Bahnhof", erklärt die DB InfraGo.
Während der Vollsperrung werden die wichtigsten Komponenten gleichzeitig erneuert. Dies soll die Bauzeit insgesamt verkürzen und die Qualität der Instandsetzung verbessern. Das Konzept klingt überzeugend, stößt jedoch auch auf Kritik.
Hintergrund der Generalsanierungen
Der Sanierungsmarathon ist eine Initiative der aktuellen Bundesregierung. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, das stark beanspruchte deutsche Schienennetz grundlegend zu erneuern. Insgesamt sind rund 40 hochbelastete Gleisabschnitte für solche Maßnahmen vorgesehen. Die erste "Generalsanierung" soll erst in zehn Jahren abgeschlossen sein.
Kritik an unvollständiger Modernisierung
Trotz des neuen Ansatzes gibt es Bedenken. Kritiker bemängeln, dass wichtige Arbeiten nicht immer miterledigt werden. Sie sprechen davon, dass es sich nicht um eine vollständige Generalsanierung handelt. Ein Hauptkritikpunkt ist das Fehlen des europäischen Zugbeeinflussungssystems ETCS.
ETCS ist eine moderne Zugleittechnologie, die den Bahnverkehr reibungsloser und automatisierter gestalten soll. Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) äußerte kürzlich Bedauern darüber, dass bei der Generalsanierung der Strecke Hamburg–Berlin kein ETCS verbaut werde. Er betonte, die neunmonatige Vollsperrung hätte für den Einbau zukunftsfähiger Leit- und Sicherungstechnik genutzt werden müssen.
Auch das Bundesverkehrsministerium, jetzt CDU-geführt, teilt diese Ansicht. Es spricht statt von einer Generalsanierung nur noch von einer "Korridorsanierung". Dies liegt daran, dass eine umfassende Digitalisierung, insbesondere die Ausstattung mit ETCS, noch fehlt. Das moderne Zugleitsystem soll voraussichtlich erst Anfang der 2030er-Jahre flächendeckend eingesetzt werden können. Es hat sich gezeigt, dass der gleichzeitige Einbau zweier Systeme schwierig und teuer ist.
Herausforderungen durch Wetter und Logistik
Die Deutsche Bahn kämpft bei den Großsanierungen auch mit äußeren Umständen. Die Strecke Hamburg–Berlin dient hier als Beispiel. Dort führten Minusgrade und starke Schneeverwehungen zu Verzögerungen. Obwohl der Großteil der Bauarbeiten auf der 280 Kilometer langen Verbindung Ende des Jahres abgeschlossen wurde, kamen die Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik sowie den Stellwerken aufgrund des Wetters nicht wie geplant voran.
DB-InfraGo-Chef Philipp Nagl bestätigte, dass die personellen Kapazitäten auf der Baustelle verstärkt werden sollen, sobald die Temperaturen es zulassen. Er zeigte sich zuversichtlich, den Rückstand aufzuholen. Der geplante Termin für die Wiederinbetriebnahme der Strecke am 30. April wird weiterhin angestrebt. Eine endgültige Bestandsaufnahme soll jedoch erst im März erfolgen.
Die Bahn muss nun auf der Strecke Hagen-Wuppertal-Köln beweisen, dass das Konzept der Generalsanierung funktioniert. Viele weitere Projekte dieser Art stehen in den kommenden Jahren noch an.




