Kölner Zollfahnder haben in einer europaweiten Aktion einen schweren Schlag gegen die organisierte Drogenkriminalität geführt. Bei der „Operation Nexus“ wurden Dutzende Personen festgenommen und mehrere illegale Drogenlabore ausgehoben, darunter auch in der Nähe von Köln. Die Ermittler sprechen von einer „einmaligen Dimension“.
Am Mittwoch präsentierte das Zollkriminalamt in Köln die Ergebnisse monatelanger verdeckter Ermittlungen. Europaweit wurden 24 Drogenlabore zerschlagen, in denen synthetische Drogen wie Amphetamine und MDMA im industriellen Maßstab hergestellt wurden. Allein in Deutschland konnten die Beamten 800 Kilogramm Drogen und fast 160.000 Liter hochgiftiger Chemikalien sicherstellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Rahmen der "Operation Nexus" wurden europaweit 85 Personen festgenommen, davon 45 in Deutschland.
- Insgesamt 24 illegale Drogenlabore wurden entdeckt, sechs davon befanden sich in Deutschland.
- Standorte in NRW waren Kerpen, Hagen und Neunkirchen-Seelscheid.
- Die Ermittler beschlagnahmten rund 1000 Tonnen Chemikalien und 800 Kilogramm fertige Drogen.
- Die Produktion verursachte massive Umweltschäden durch giftige Abfälle.
Ein Schlag von europäischer Dimension
Die Operation „Nexus“ gilt als eines der bisher größten Ermittlungsverfahren gegen die Produktion synthetischer Drogen in Europa. Koordiniert von Europol arbeiteten Polizeibehörden aus mehreren Ländern zusammen, um ein weitverzweigtes kriminelles Netzwerk zu zerschlagen. Tino Igelmann, der Leiter des Zollkriminalamts, sprach in Köln von einer „einmaligen Dimension“ in der europäischen Kriminalgeschichte.
„Wir haben den kriminellen Organisationen einen Millionenverlust zugefügt“, erklärte Igelmann bei der Vorstellung der Ergebnisse. Europaweit wurden rund 1000 Tonnen Chemikalien beschlagnahmt. Diese Substanzen dienen als Grundstoffe für die Herstellung von Drogen wie MDMA, Amphetamin und Methamphetamin.
Zahlen der Operation "Nexus"
- 85 Festnahmen in Europa (45 in Deutschland)
- 24 Drogenlabore entdeckt (6 in Deutschland)
- 800 Kilogramm synthetische Drogen sichergestellt (in Deutschland)
- 1.000 Tonnen Chemikalien beschlagnahmt (europaweit)
- 120.000 Liter giftige Abfälle sichergestellt (europaweit)
Die Ermittlungen erstreckten sich über mehrere Monate und umfassten rund 100 verdeckte Operationen. Der finale Schlag erfolgte vergangene Woche in einem europaweiten „Action Day“ mit zahlreichen Durchsuchungen und weiteren Festnahmen.
Labore in NRW und nahe Köln entdeckt
Auch Nordrhein-Westfalen stand im Fokus der Drogenproduzenten. Von den sechs in Deutschland entdeckten Laboren befanden sich drei in NRW. Ein aktives Labor wurde in Kerpen im Rhein-Erft-Kreis ausgehoben. Zwei weitere, bereits stillgelegte Anlagen fanden die Ermittler in Hagen und Neunkirchen-Seelscheid im Rhein-Sieg-Kreis, unweit von Köln.
Weitere aktive Labore wurden in Quickborn (Schleswig-Holstein) und Nauen (Brandenburg) entdeckt. Ein stillgelegtes Labor befand sich zudem in Wolfenbüttel (Niedersachsen). Trotz der Nähe zu den Niederlanden gebe es in Köln jedoch keinen speziellen „Hotspot der Drogenkriminalität“, betonte Osnabrücks Polizeipräsident Friedo de Vries. Die Produktion in den entdeckten Laboren habe ein „industrielles Niveau“ erreicht.
Dezentrales Netzwerk mit polnischen Anführern
Die Struktur des Netzwerks stellte die Ermittler vor besondere Herausforderungen. Laut den Behörden agierte die Organisation dezentral und in „kleinsten Zellen“, ohne eine starre Hierarchie. Dies erschwerte es, die gesamten Strukturen aufzudecken.
„Die Täter arbeiteten in einem weitverzweigten Netzwerk, das keine feste Struktur hatte. Das machte die Ermittlungen sehr komplex.“
– Ein Ermittler bei der Pressekonferenz
Dennoch konnten die mutmaßlichen Anführer identifiziert und festgenommen werden. Es soll sich um zwei polnische Staatsbürger handeln, denen nun ein Gerichtsverfahren in Polen droht. Bei einer Verurteilung wegen Drogenhandels könnten ihnen bis zu 20 Jahre Haft bevorstehen. Ein Großteil der weiteren Festgenommenen stammt ebenfalls aus Polen.
Enorme Umweltschäden durch giftige Abfälle
Neben der direkten Gefahr durch die Drogenproduktion machten die Behörden auf ein oft übersehenes Problem aufmerksam: die massiven Umweltschäden. Die Herstellung synthetischer Drogen erzeugt große Mengen hochgiftiger chemischer Abfälle.
Die unsichtbare Gefahr
Bei der Produktion von einem Kilogramm Amphetamin können bis zu zehn Kilogramm giftiger Abfall entstehen. Diese Chemikalien werden von den Kriminellen oft einfach in der Natur entsorgt – in Wäldern, auf Feldern oder in Gewässern. Sie verseuchen Böden und Grundwasser und stellen eine erhebliche Gefahr für Mensch und Tier dar.
Andy Kraag, Leiter des Zentrums für schwere und organisierte Kriminalität bei Europol, betonte die verheerenden Auswirkungen. Allein bei dieser Operation wurden mehr als 120.000 Liter giftiger Abfälle sichergestellt. „Heute bringen sie den Kriminellen Profit. Morgen verschmutzen sie die Umwelt“, sagte Kraag.
Die Ermittlungen begannen ursprünglich mit einem Hinweis aus Polen, der die Behörden zu einem Verdächtigen in Papenburg, Niedersachsen, führte. Von dort aus konnte die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Rauschgift (GER) Osnabrück das gesamte Netzwerk nach und nach aufdecken. Die Leiterin des Zollfahndungsamtes Hannover, Monika Dennhardt, erklärte, dass die Lieferfahrten der Drogenkuriere „detailliert“ nachvollzogen werden konnten. Diese Informationen dienen nun als Grundlage für weitere Ermittlungen der lokalen Polizeibehörden.




