Die Kriminalitätsstatistik in Nordrhein-Westfalen zeigt einen dramatischen Anstieg bei Delikten im Zusammenhang mit sogenannten Designerdrogen. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der registrierten Straftaten fast vervierzigfacht, wie aus aktuellen Daten der Landesregierung hervorgeht. Diese Entwicklung stellt die Ermittlungsbehörden vor große Herausforderungen.
Neben den neuen synthetischen Substanzen verzeichnen die Behörden auch bei klassischen Drogen wie Kokain und LSD einen deutlichen Zuwachs an Straftaten. Die Zahlen offenbaren einen besorgniserregenden Trend auf dem Drogenmarkt in der Region.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der Straftaten mit Designerdrogen in NRW stieg von 29 im Jahr 2017 auf 1.136 im letzten Jahr.
- Auch Delikte im Zusammenhang mit Kokain haben sich im selben Zeitraum fast verdoppelt.
- LSD-bezogene Straftaten verdreifachten sich, während Delikte mit Amphetaminen rückläufig waren.
- Die Daten basieren auf einer Antwort der Landesregierung auf eine parlamentarische Anfrage.
Ein alarmierender Anstieg bei NPS
Die größte Zunahme in der Drogenkriminalität verzeichnet Nordrhein-Westfalen bei Neuen psychoaktiven Stoffen (NPS), oft auch als Designerdrogen oder „Legal Highs“ bezeichnet. Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasste im Jahr 2017 lediglich 29 Fälle in diesem Bereich.
Bis zum vergangenen Jahr schnellte diese Zahl auf ein Rekordhoch von 1.136 Straftaten. Dies entspricht einem Anstieg von fast 4.000 Prozent. Die Zahlen wurden von der Landesregierung als Antwort auf eine Anfrage von zwei SPD-Landtagsabgeordneten veröffentlicht.
Was sind Neue psychoaktive Stoffe?
Neue psychoaktive Stoffe (NPS) sind synthetisch hergestellte Substanzen, die die Wirkung bekannter illegaler Drogen imitieren. Ihre chemische Struktur wird von den Herstellern ständig leicht verändert, um bestehende Betäubungsmittelgesetze zu umgehen. Dies erschwert die Strafverfolgung erheblich, da die neuen Varianten oft noch nicht offiziell als verboten gelistet sind.
Ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel
Die Dynamik des NPS-Marktes stellt für die Gesetzgeber eine besondere Herausforderung dar. Sobald eine Substanz verboten wird, bringen die Produzenten eine leicht modifizierte Variante auf den Markt. Dieser Kreislauf macht eine effektive Kontrolle schwierig.
Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hatte bis Ende 2023 bereits mehr als 950 verschiedene dieser Stoffe registriert. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Die gesundheitlichen Risiken für Konsumenten sind oft unkalkulierbar, da die Wirkung und Nebenwirkungen dieser neuen Substanzen kaum erforscht sind.
Auch klassische Drogen auf dem Vormarsch
Der Anstieg der Drogenkriminalität in NRW beschränkt sich nicht nur auf synthetische Drogen. Auch bei etablierten Substanzen zeigen die Zahlen eine deutliche Zunahme der kriminellen Aktivitäten.
Entwicklung der Straftaten (2017-2024)
- Kokain/Crack: Anstieg von 3.504 auf 6.433 Fälle (fast verdoppelt)
- LSD: Anstieg von 121 auf 368 Fälle (verdreifacht)
- Methamphetamin: Anstieg von 688 auf 823 Fälle
Kokain bleibt ein großes Problem
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Straftaten im Zusammenhang mit Kokain und dem Derivat Crack. Die Zahl der Delikte hat sich von 3.504 Fällen im Jahr 2017 auf 6.433 im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Dies deutet auf eine hohe Verfügbarkeit und eine wachsende Nachfrage in der Region hin.
Auch bei der halluzinogenen Droge LSD ist ein starker Trend zu beobachten. Hier verdreifachte sich die Zahl der erfassten Straftaten im gleichen Zeitraum von 121 auf 368 Fälle. Einen moderateren, aber dennoch spürbaren Anstieg gab es bei Methamphetamin, zu dem auch Crystal Meth gehört, von 688 auf 823 Fälle.
Gegensätzlicher Trend bei Amphetaminen
Interessanterweise zeigt nicht jede Drogenkategorie einen Aufwärtstrend. Im Gegensatz zu den genannten Substanzen waren die Straftaten im Zusammenhang mit Amphetaminen, zu denen beispielsweise Ecstasy zählt, im Untersuchungszeitraum rückläufig. Die genauen Gründe für diese gegenläufige Entwicklung wurden in den vorgelegten Daten nicht näher erläutert.
Experten vermuten, dass sich Konsummuster verschieben und Konsumenten möglicherweise auf andere, leichter verfügbare oder vermeintlich potentere Substanzen ausweichen. Die Flut an immer neuen Designerdrogen könnte ebenfalls eine Rolle bei dieser Verschiebung spielen.
Die vorgelegten Zahlen zeichnen ein klares Bild: Der Drogenmarkt in Nordrhein-Westfalen ist in Bewegung und stellt die Gesellschaft und die Strafverfolgungsbehörden vor immer neue und komplexere Aufgaben. Insbesondere der Kampf gegen die sich ständig wandelnden Designerdrogen erfordert eine kontinuierliche Anpassung von Gesetzen und Ermittlungsstrategien.




