Fast 32 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der US-amerikanischen Touristin Amy Lopez in Koblenz gibt es eine entscheidende Wende. Die Polizei hat einen 81-jährigen Deutschen festgenommen, der unter dringendem Tatverdacht steht, die damals 24-Jährige ermordet zu haben.
Die Festnahme erfolgte am Montag in der Wohnung des Mannes in der Nähe von Koblenz, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Dieser Erfolg in einem der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle der Region wurde durch den Einsatz modernster Ermittlungsmethoden möglich.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein 81-jähriger Deutscher wurde im Zusammenhang mit einem Mordfall aus dem Jahr 1994 festgenommen.
- Das Opfer war die 24-jährige US-Touristin Amy Lopez.
- Ihre Leiche wurde am 26. September 1994 unterhalb der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz gefunden.
- Moderne DNA-Analyse führte die Ermittler auf die Spur des Verdächtigen.
Ein Verbrechen, das Koblenz erschütterte
Der Fall reicht zurück in den Herbst 1994. Am 26. September wurde die Leiche von Amy Lopez, einer jungen Frau aus den USA, die als Touristin Deutschland besuchte, von spielenden Kindern entdeckt. Der Fundort lag an einem Weg unterhalb der imposanten Festung Ehrenbreitstein, einem beliebten Ausflugsziel.
Die Umstände ihres Todes waren brutal. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war das Opfer weitgehend entkleidet und wies schwerste Verletzungen auf. Die Ermittler stellten massive Kopfverletzungen, mehrere Messerstiche im Oberkörper und deutliche Strangulationsmerkmale fest. Frühere Berichte bestätigten zudem, dass die junge Frau Opfer eines Sexualverbrechens wurde.
Die ersten Ermittlungen bleiben erfolglos
Trotz intensiver Ermittlungsarbeit in den 1990er-Jahren konnte der Täter nicht gefasst werden. Der Fall wurde zu einem sogenannten „Cold Case“ – einem ungelösten Kriminalfall, der die Akten der Polizei über Jahrzehnte beschäftigte. Für die Familie des Opfers und die Öffentlichkeit blieb die Frage nach dem Täter quälend lange unbeantwortet.
Was ist ein „Cold Case“?
Als „Cold Case“ (kalter Fall) bezeichnen Kriminalisten unaufgeklärte Kapitalverbrechen wie Mord oder Totschlag, bei denen die ursprünglichen Ermittlungen in eine Sackgasse geraten sind. Spezielle Ermittlungsgruppen nehmen sich dieser Fälle oft Jahre oder Jahrzehnte später erneut an, um mit neuen wissenschaftlichen Methoden wie DNA-Analysen oder digitalen Forensik-Techniken doch noch einen Durchbruch zu erzielen.
Die Wende durch moderne Kriminaltechnik
Der entscheidende Fortschritt in dem Fall gelang erst lange nach der Tat. Im Jahr 2024 gaben die Ermittler bekannt, dass bei einer erneuten Untersuchung von Asservaten ein Durchbruch erzielt wurde. Durch den Einsatz modernster Analyseverfahren konnten männliche DNA-Spuren an den Beweismitteln gesichert werden, die damals noch nicht auswertbar waren.
Diese neue Spur gab den Ermittlungen frischen Auftrieb. Die Kriminalisten konnten die DNA mit Datenbanken abgleichen und so den Kreis der potenziellen Verdächtigen eingrenzen. Dieser technologische Fortschritt war der Schlüssel, der die Tür zur Aufklärung nach über drei Jahrzehnten wieder öffnete.
Fakten zum Fall Amy Lopez
- Opfer: Amy Lopez, 24 Jahre alt, US-Touristin
- Tatzeitpunkt: September 1994
- Tatort: Unterhalb der Festung Ehrenbreitstein, Koblenz
- Verdächtiger: 81-jähriger Deutscher
- Durchbruch: Sicherung männlicher DNA an Asservaten im Jahr 2024
Das Täterprofil und die Suche nach Hinweisen
Noch im September 2025 versuchten die Ermittler, über die Öffentlichkeit neue Hinweise zu erhalten. Sie veröffentlichten Fotos von Gegenständen, die der Täter dem Opfer möglicherweise abgenommen hatte, in der Hoffnung, dass sich jemand an diese erinnern könnte.
Gleichzeitig wurde auf Basis der gesammelten Erkenntnisse ein Täterprofil erstellt. Die Ermittler gingen damals davon aus, dass es sich bei dem Täter „mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Einzeltäter zwischen 18 und 35 Jahren“ handelte. Weitere vermutete Merkmale waren, dass er keinen persönlichen Bezug zum Opfer hatte, aber bereits wegen Gewalt- oder Sexualdelikten polizeibekannt war.
Der nun festgenommene 81-Jährige wäre zum Tatzeitpunkt 49 oder 50 Jahre alt gewesen und passt somit nicht vollständig in das ursprünglich angenommene Altersraster. Dies zeigt, wie schwierig die Erstellung solcher Profile ohne konkrete Spuren sein kann.
Festnahme und Ausblick
Auf Grundlage der neuen DNA-Beweise und weiterer Ermittlungen erhärtete sich der Verdacht gegen den 81-jährigen Mann. Die Staatsanwaltschaft Koblenz beantragte einen Haftbefehl, der erlassen wurde. Am Montag erfolgte schließlich der Zugriff in seiner Wohnung in der Nähe von Koblenz.
„Der Beschuldigte steht unter dem dringenden Verdacht, die damals 24-Jährige getötet zu haben.“ – Mitteilung der Staatsanwaltschaft Koblenz
Der Mann wurde festgenommen und befindet sich nun in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat für den kommenden Mittwoch eine Pressekonferenz angekündigt. Dort sollen weitere Details zum Ermittlungsverlauf und zu den Hintergründen der Tat bekannt gegeben werden.
Für die Angehörigen von Amy Lopez könnte diese Entwicklung nach fast 32 Jahren des Wartens und der Ungewissheit endlich die Chance auf Antworten und späte Gerechtigkeit bedeuten.




