Mehr als drei Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod der 16-jährigen Seckin Caglar in Köln-Poll wendet sich die Polizei mit neuen Hoffnungen an die Öffentlichkeit. Der ungelöste Mordfall aus dem Jahr 1991 wird am kommenden Mittwoch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vorgestellt, um doch noch den entscheidenden Hinweis zu finden, der zum Täter führt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Mord an der 16-jährigen Seckin Caglar aus dem Jahr 1991 ist bis heute unaufgeklärt.
- Die Kölner Polizei stellt den Fall am 25. Februar in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ vor.
- Ein DNA-Massentest im Jahr 2023 mit hunderten Männern blieb ohne Erfolg.
- Die Ermittler hoffen, durch die Fernsehsendung neue Zeugen zu erreichen oder alte Erinnerungen aufzufrischen.
Ein Verbrechen, das Köln erschütterte
Der Oktober 1991 war ein dunkler Monat für den Kölner Stadtteil Poll. Die 16-jährige Seckin Caglar war auf dem Heimweg von ihrer Ausbildungsstelle, wie jeden Tag. Sie verließ die Straßenbahn an einer Haltestelle, kam aber nie zu Hause an.
Ihre Familie und Freunde suchten verzweifelt nach ihr. Am nächsten Tag wurde die schreckliche Befürchtung zur Gewissheit. Die Leiche der jungen Frau wurde in der Nähe der Haltestelle hinter einem Gebüsch entdeckt. Die Obduktion ergab, dass sie sexuell missbraucht und erwürgt worden war.
Was ist ein "Cold Case"?
Als "Cold Case" (kalter Fall) bezeichnen Kriminalisten unaufgeklärte Kapitalverbrechen wie Mord oder Totschlag, bei denen die ursprünglichen Ermittlungen zu keinem Ergebnis geführt haben. Spezielle Ermittlungsgruppen, wie die der Kölner Polizei, nehmen diese Fälle nach Jahren wieder auf, oft weil neue kriminaltechnische Methoden wie verbesserte DNA-Analysen zur Verfügung stehen.
Jahrelange Ermittlungen ohne Durchbruch
Trotz intensiver Ermittlungen konnte der Täter nie gefasst werden. Der Fall wurde zu den Akten gelegt, aber nie vergessen. Im Jahr 2023 nahm die neu gegründete Cold-Case-Einheit der Kölner Polizei die Ermittlungen wieder auf. Die Hoffnung lag vor allem auf einer DNA-Spur des Täters, die damals am Tatort gesichert werden konnte und über die Jahrzehnte erhalten blieb.
Der DNA-Massentest in Poll
Die Ermittler starteten eine großangelegte Aktion. Mit Plakaten und Flyern wurde die Öffentlichkeit erneut auf den Fall aufmerksam gemacht. Im Zentrum der neuen Bemühungen stand ein DNA-Reihentest. Mehrere hundert Männer, die 1991 einen Bezug zum Stadtteil Poll hatten – sei es durch Wohnort, Arbeitsplatz oder andere Verbindungen – wurden gebeten, freiwillig eine Speichelprobe abzugeben.
Kein Treffer: Trotz der umfangreichen Teilnahme und der Auswertung hunderter Proben konnte die am Opfer gesicherte DNA-Spur keinem der getesteten Männer zugeordnet werden. Die Ermittlungen standen erneut vor einer großen Hürde.
Die Enttäuschung bei den Ermittlern war groß, doch aufgeben ist keine Option. Die Suche nach dem Mörder von Seckin Caglar geht weiter, nun mit einem neuen Ansatz.
Letzte Hoffnung „Aktenzeichen XY“
Am kommenden Mittwoch, dem 25. Februar, wird der Fall bundesweit bekannt gemacht. Markus Weber, der Leiter der Kölner Cold-Cases-Einheit, wird persönlich im ZDF-Studio bei Moderator Rudi Cerne zu Gast sein, um den Fall zu schildern und um die Mithilfe der Bevölkerung zu bitten.
„Manchmal hilft eine TV-Sendung, das Gedächtnis der Menschen aufzufrischen oder neue Zeugen zu motivieren, sich zu melden“, erklärte ein Sprecher der Ermittlungsgruppe gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Oft erkennen Menschen erst Jahre später die Bedeutung einer Beobachtung, die ihnen damals vielleicht unwichtig erschien.
Die Polizei hofft, dass sich Personen melden, die damals im Oktober 1991 im Bereich der Haltestelle in Köln-Poll etwas Verdächtiges gesehen haben. Jedes noch so kleine Detail könnte nach 35 Jahren das entscheidende Puzzleteil sein, um eines der rätselhaftesten Verbrechen der Kölner Stadtgeschichte aufzuklären.
Die Ermittler sind fest entschlossen, den Täter zur Rechenschaft zu ziehen und der Familie von Seckin Caglar nach so langer Zeit endlich Antworten und Gerechtigkeit zu bringen.




