Die Stadt Köln und die umliegende Region bereiten sich auf steigende Wasserstände des Rheins vor. Nach anhaltenden Regenfällen und Tauwetter wurde am Montagmorgen eine amtliche Hochwasserwarnung für Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Der Pegel in Köln hat bereits die erste Hochwassermarke überschritten und wird voraussichtlich weiter ansteigen.
Behörden beobachten die Entwicklung genau, während erste Schutzmaßnahmen eingeleitet werden. Anwohner in ufernahen Gebieten sind zur Vorsicht aufgerufen, da Wege und Parkplätze bereits überflutet sind und die Strömung zunimmt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine amtliche Hochwasserwarnung für den Rhein in NRW wurde am Montag, 23. Februar, aktiviert.
- Der Kölner Pegel hat am Montagmorgen 6,31 Meter erreicht und überschreitet damit die Hochwassermarke I (6,20 Meter).
- Ein weiterer Anstieg auf bis zu sieben Meter wird bis Mittwochmorgen erwartet.
- Erste Schutzmaßnahmen wie die Sperrung von Uferwegen und Parkplätzen sind bereits in Kraft.
Amtliche Warnung und aktuelle Pegelstände
Am Montagmorgen um 9 Uhr erreichte der Rheinpegel in Köln einen Stand von 6,31 Metern. Damit ist die Hochwassermarke I, die bei 6,20 Metern liegt, offiziell überschritten. Gleichzeitig wurde über das Warnsystem Katwarn eine amtliche Hochwasserwarnung für den gesamten Rheinabschnitt in Nordrhein-Westfalen verbreitet. Auch für Nebenflüsse wie die Sieg wurden Warnungen herausgegeben.
Die Ursache für den schnellen Anstieg sind das anhaltende Tauwetter in den höheren Lagen der Einzugsgebiete sowie die Niederschläge der vergangenen Tage. Experten der Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz bestätigten, dass diese Kombination zu einem deutlichen Anschwellen der Wasserstände geführt hat.
Prognose für die kommenden Tage
Die aktuelle Vorhersage deutet auf einen weiteren Anstieg hin. Prognosen zufolge könnte der Wasserstand in Köln innerhalb von nur 24 Stunden um fast einen Meter zunehmen. Der Scheitelpunkt der Welle wird in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erwartet.
Ob die kritische Marke von sieben Metern erreicht oder sogar überschritten wird, ist derzeit noch unklar, die Modelle deuten jedoch darauf hin, dass der Pegel sich diesem Wert stark annähern wird. Ein Überschreiten dieser Marke würde den Aufbau erster mobiler Schutzwände erforderlich machen.
Pegelstände am Montag (9:00 Uhr)
- Köln: 6,31 Meter
- Bonn: 6,03 Meter
- Tendenz: Stark steigend
Auswirkungen auf Schifffahrt und Stadtgebiet
Mit dem Erreichen der Hochwassermarke I bei 6,20 Metern gelten bereits erste Einschränkungen für die Rheinschifffahrt. Um die Uferbereiche vor Wellenschlag zu schützen, müssen Schiffe ihre Geschwindigkeit flussabwärts auf maximal 20 Kilometer pro Stunde reduzieren. Für die Kapitäne bedeutet der hohe Wasserstand auch, dass die Durchfahrtshöhe unter den Kölner Brücken merklich geringer wird.
Eine vollständige Sperrung des Schiffsverkehrs würde erst bei Erreichen der Hochwassermarke II bei 8,30 Metern erfolgen. Von diesem Wert ist die aktuelle Situation noch weit entfernt.
In der Stadt sind die Auswirkungen bereits sichtbar. Der Parkplatz an der Bastei ist, wie bei Pegelständen über 6,30 Metern üblich, vollständig überflutet. Auch die beliebten Poller Wiesen stehen großflächig unter Wasser. In Rodenkirchen wurden Schwäne gesichtet, die über einen überfluteten Spielplatz am Rheinufer schwimmen.
Erste Schutzmaßnahmen der Stadt
Die Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) und die Stadtverwaltung haben bereits auf die steigenden Pegel reagiert. Schon ab einem Wasserstand von 4,50 Metern greifen die vorbereitenden Schritte des Hochwasserschutzkonzepts.
Folgende Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder stehen bevor:
- Sperrungen: Ufernahe Wege wie der Leinpfad sind teilweise gesperrt. Auch in Bonn sind Wege entlang des Rheins, etwa im Bereich der Gronau oder auf der Beueler Seite, nicht mehr passierbar.
- Schutzeinrichtungen: In Rodenkirchen muss bei einem Pegel von 6,80 Metern das Hubtor geschlossen werden. Sollten die prognostizierten sieben Meter erreicht werden, beginnen die StEB mit dem Aufbau mobiler Schutzwände im Rodenkirchener Auenviertel.
- Überflutungen: Bei sieben Metern wird auch die Groov in Porz-Zündorf kontrolliert geflutet, um den Druck auf die Deiche zu mindern.
Historischer Vergleich: Das Jahrhunderthochwasser 1925/26
Die aktuellen Pegelstände erinnern an die ständige Gefahr durch den Rhein. Eines der verheerendsten Ereignisse war das sogenannte „Weihnachtshochwasser“ an der Jahreswende 1925/1926. Damals erreichte der Rhein in Köln einen Pegel von 10,69 Metern. Große Teile der Altstadt und angrenzende Stadtteile wurden überflutet, was Hunderte von Menschen obdachlos machte. Dieses historische Ereignis dient bis heute als Mahnung und als Maßstab für die modernen Hochwasserschutzsysteme der Stadt.
Verhaltensempfehlungen für Bürger
Die Behörden rufen die Bevölkerung zur Vorsicht auf. Bürgerinnen und Bürger sollten sich von den Uferbereichen fernhalten. Die Strömung des Rheins ist bei Hochwasser deutlich stärker und unberechenbarer als üblich. Überflutete Wege und Wiesen können zudem unsichtbare Gefahren wie Löcher oder Hindernisse verbergen.
„Aufgrund des Tauwetters sowie der gefallenen Niederschläge sind die Wasserstände teils deutlich angestiegen“, teilte die Hochwasservorhersagezentrale Rheinland-Pfalz in ihrem aktuellen Bericht mit. Es wird dringend davon abgeraten, überflutete Bereiche zu betreten.
Autofahrer werden gebeten, die Sperrungen von ufernahen Parkplätzen und Zufahrtsstraßen unbedingt zu beachten und ihre Fahrzeuge rechtzeitig aus gefährdeten Zonen zu entfernen. Die Stadt Köln informiert auf ihren offiziellen Kanälen und über die Medien laufend über die weitere Entwicklung der Lage.




