In Gelsenkirchen ist ein Streit innerhalb einer Familie eskaliert und endete für einen 56-jährigen Mann tödlich. Nach Angaben von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) war ein Konflikt um ein Erbe der Auslöser für die gewaltsame Auseinandersetzung am Sonntagabend. Bei dem Vorfall wurden zudem vier weitere Personen teils schwer verletzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein 56-jähriger Mann wurde bei einer Familienauseinandersetzung in Gelsenkirchen getötet.
- Als Auslöser gilt ein Erbstreit, bei dem einige Mitglieder vom Familienoberhaupt ausgeschlossen wurden.
- Drei Tatverdächtige im Alter von 16, 29 und 52 Jahren befinden sich in Untersuchungshaft.
- Der tödlichen Eskalation gingen in den Tagen zuvor bereits mehrere gewalttätige Vorfälle und eine Todesdrohung voraus.
- Eine Mordkommission ermittelt, ein möglicher Clan-Bezug einzelner Beteiligter wird geprüft.
Massive Auseinandersetzung am Sonntagabend
Am Sonntagabend versammelten sich rund 30 Mitglieder einer deutsch-türkischen Großfamilie in Gelsenkirchen. Die Situation eskalierte schnell zu einer gewalttätigen Konfrontation, bei der die Beteiligten mit Messern und Baseballschlägern aufeinander losgingen. Im Verlauf des Tumults erlitt ein 56-jähriger Mann tödliche Stichverletzungen.
Vier weitere Männer im Alter zwischen 16 und 52 Jahren wurden ebenfalls verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich. Sie wurden umgehend in umliegende Krankenhäuser gebracht. Inzwischen befindet sich nur noch eine der verletzten Personen in stationärer Behandlung.
Polizei schnell vor Ort
Der Notruf bei der Polizei ging um 20:02 Uhr ein. Laut Innenminister Reul trafen die ersten Einsatzkräfte bereits vier Minuten später, um 20:06 Uhr, am Tatort ein. Dieser schnelle Einsatz war entscheidend, um die Lage unter Kontrolle zu bringen und weitere Eskalationen zu verhindern.
Erbstreit als Hauptursache ermittelt
Die Hintergründe der Tat wurden durch NRW-Innenminister Herbert Reul im Innenausschuss des Landtags beleuchtet. Demnach war ein langanhaltender Erbstreit der zentrale Auslöser für die Gewalt. Das Familienoberhaupt hatte zuvor einige Angehörige von der Erbfolge ausgeschlossen, was zu erheblichen Spannungen führte.
Diese innerfamiliären Konflikte hatten sich über einen längeren Zeitraum aufgebaut, bevor sie am Sonntagabend in offener Gewalt mündeten. Die Behörden konzentrieren ihre Ermittlungen auf diese familiäre Gemengelage als primäres Motiv für die Tat.
Drei Hauptverdächtige in Haft
Die Polizei konnte kurz nach der Tat drei männliche Personen als Hauptverdächtige identifizieren und festnehmen. Die Männer im Alter von 16, 29 und 52 Jahren wurden einem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Die Ermittlungen richten sich nach derzeitigem Stand jedoch gegen insgesamt sieben Familienmitglieder.
Eine Eskalation mit Vorgeschichte
Der tödliche Vorfall vom Sonntag war der Höhepunkt einer Serie von Auseinandersetzungen. Die Polizei war bereits in den Tagen zuvor mehrfach wegen Streitigkeiten innerhalb der Familie im Einsatz. Diese Chronologie zeigt eine deutliche Zuspitzung des Konflikts.
Erster Polizeieinsatz am Mittwoch
Bereits vier Tage vor der tödlichen Eskalation, am Mittwoch, mussten Beamte zu einem Lebensmittelgeschäft ausrücken. Dort waren mehrere Mitglieder der Familie aneinandergeraten. Die Polizei konnte die Auseinandersetzung beenden, führte sogenannte Gefährderansprachen durch und leitete zwei Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.
Erneute Gewalt am Freitag
Nur zwei Tage später, am Freitag, kam es erneut zu einem Gewaltausbruch. Als die Polizei am Einsatzort eintraf, waren die Beschuldigten bereits geflohen. Dennoch wurde auch in diesem Fall eine Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen, um den Vorfall aktenkundig zu machen.
Todesdrohung wenige Stunden vor der Tat
Am Sonntag, nur wenige Stunden vor der tödlichen Konfrontation, suchte ein Familienmitglied die Polizeiwache auf. Er erstattete Anzeige, weil er am Telefon von einem anderen Angehörigen mit dem Tode bedroht worden sei. Die Polizei leitete umgehend ein Ermittlungsverfahren ein, konnte die spätere Eskalation aber nicht mehr verhindern.
Großeinsatz und laufende Ermittlungen
Aufgrund der unübersichtlichen Lage am Tatort leitete die Polizei einen Großeinsatz ein. Insgesamt waren fast 70 Polizisten, Diensthunde und ein Polizeihubschrauber beteiligt, um die Situation zu sichern und die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.
Eine besondere Herausforderung für die Einsatzkräfte bestand darin, zwischen Angreifern und Opfern zu unterscheiden. Aus diesem Grund wurden alle Krankenhäuser, in die Verletzte eingeliefert wurden, zunächst polizeilich bewacht. Dies sollte mögliche Racheakte oder weitere Auseinandersetzungen direkt in den Kliniken unterbinden.
Innenminister Reul betonte im Ausschuss die Komplexität des Einsatzes und die Notwendigkeit, schnell und umfassend zu reagieren, um die Lage zu stabilisieren und die Ermittlungen zu sichern.
Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Den Ermittlern ist es gelungen, umfangreiches Foto- und Videomaterial von der Auseinandersetzung sicherzustellen. Dieses Material wird nun ausgewertet, um den genauen Tathergang zu rekonstruieren und die Tatbeteiligung der einzelnen Personen zu klären.
Möglicher Clan-Bezug wird untersucht
Eine wichtige Frage im Rahmen der Ermittlungen ist, ob es sich bei dem Vorfall um eine Auseinandersetzung im Kontext der Clankriminalität handelt. Innenminister Reul schloss einen solchen Bezug für einzelne Beteiligte nicht aus. Die Behörden prüfen nun, ob bekannte Clan-Strukturen eine Rolle bei dem Konflikt gespielt haben.
Als Vorsichtsmaßnahme werden die Wohnanschriften der betroffenen Familienmitglieder derzeit regelmäßig von der Polizei bestreift. Damit sollen weitere Gewalttaten verhindert und das Sicherheitsgefühl in der Nachbarschaft gestärkt werden. Die Ermittlungen dauern an.




