In Köln, wo bezahlbarer Wohnraum knapp ist, klingt ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen für nur 100.000 Euro wie ein Lottogewinn. Doch das Objekt in der Nießenstraße 32 in Kalk, das demnächst zwangsversteigert wird, birgt ein Geheimnis, das jeden potenziellen Käufer abschrecken könnte. Ein offizielles Gutachten zeichnet das Bild einer kompletten Ruine.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mehrfamilienhaus in Köln-Kalk wird für einen Verkehrswert von 100.000 Euro zwangsversteigert.
- Das Gebäude mit acht Wohnungen ist laut Gutachten in einem "vollkommen desolaten" Zustand.
- Vandalismus, Feuchtigkeitsschäden und ein massiver Taubenkot-Befall machen das Haus unbewohnbar.
- Ein Abriss ist kompliziert, da das um 1900 erbaute Haus unter Denkmalschutz steht.
Ein Angebot, das zu gut klingt
Auf dem Kölner Immobilienmarkt sind Preise unter einer halben Million Euro für ein ganzes Haus eine Seltenheit. Umso mehr Aufsehen erregt die Ankündigung der Zwangsversteigerung eines Mehrfamilienhauses in Köln-Kalk. Für einen festgesetzten Verkehrswert von gerade einmal 100.000 Euro soll das Gebäude in der Nießenstraße 32 den Besitzer wechseln.
Das Objekt verfügt über acht Wohnungen mit einer Gesamtwohnfläche von rund 250 Quadratmetern. Auf den ersten Blick eine einmalige Gelegenheit für Investoren oder Sanierungswillige, die in einer der begehrtesten Städte Deutschlands Fuß fassen wollen. Doch der niedrige Preis hat einen triftigen und gravierenden Grund.
Hintergrund: Zwangsversteigerungen
Bei einer Zwangsversteigerung wird eine Immobilie auf Anordnung eines Gerichts öffentlich verkauft, meist weil der bisherige Eigentümer seine Schulden nicht mehr begleichen kann. Der vom Gericht festgesetzte Verkehrswert basiert auf einem Gutachten, das den Zustand und Wert des Objekts objektiv einschätzen soll.
Der Schock im Gutachten: Eine Ruine von innen
Wer sich die Mühe macht, das vom Amtsgericht Köln veröffentlichte Gutachten zu lesen, erkennt schnell die Realität hinter dem vermeintlichen Schnäppchen. Der Gutachter findet deutliche Worte für den Zustand des Hauses und beschreibt eine Immobilie am Rande des Zusammenbruchs.
Das Gebäude befindet sich in einem "vollkommen desolaten, verwüsteten Unterhaltungszustand", so die zentrale Feststellung des Sachverständigen. Es geht jedoch weit über normalen Sanierungsbedarf hinaus. Große Teile des Inneren sind nicht nur verfallen, sondern offenbar gezielt zerstört worden.
Vandalismus und mutwillige Zerstörung
Die Liste der Schäden ist lang und ernüchternd. Potenzielle Käufer müssen sich auf eine Kernsanierung einstellen, die bei Null beginnt. Im gesamten Haus wurden:
- Leitungen aus den Wänden gerissen
- Heizkörper vollständig entfernt
- Sanitärobjekte wie Toiletten und Waschbecken zertrümmert
- Wände und Decken stark beschädigt
Hinzu kommen erhebliche Feuchtigkeitsschäden, die sich durch alle Etagen ziehen. An vielen Stellen fällt der Putz bereits von den Wänden, was auf tiefgreifende Probleme in der Bausubstanz hindeutet.
Ein biologisches Problem
Neben den baulichen Mängeln hat sich ein weiteres, gesundheitsgefährdendes Problem im Haus eingenistet. Eine Taubenkolonie hat das leerstehende Gebäude als Nistplatz erobert. Die Folge ist laut Gutachten eine massive Verschmutzung des gesamten Gebäudes mit Taubenkot.
Die zweite Hürde: Der Denkmalschutz
Angesichts des katastrophalen Zustands scheint ein Abriss die einzig wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu sein. Der Gutachter selbst kommt zu dem Schluss, dass das Mehrfamilienhaus "im Grunde" abrissreif ist. Doch genau hier liegt die nächste große Herausforderung für einen neuen Eigentümer.
"Das um das Jahr 1900 herum errichtete Gebäude steht unter Denkmalschutz."
Diese rechtliche Einstufung verhindert einen einfachen Abriss. Jede bauliche Veränderung, insbesondere eine Beseitigung des Gebäudes, erfordert eine spezielle Genehmigung nach dem Denkmalschutzgesetz von Nordrhein-Westfalen. Ein solcher Antrag ist oft mit hohen Hürden und strengen Auflagen verbunden. Die Behörden prüfen genau, ob eine Rettung des Baudenkmals nicht doch möglich ist, auch wenn die Kosten dafür immens sind.
Was erwartet den zukünftigen Käufer?
Wer bei der Versteigerung den Zuschlag erhält, kauft nicht nur eine Immobilie, sondern eine gewaltige Aufgabe. Die Kosten für eine mögliche Sanierung dürften den Kaufpreis um ein Vielfaches übersteigen. Zunächst müsste eine aufwendige und teure Spezialreinigung erfolgen, um den Taubenkot und mögliche Krankheitserreger zu beseitigen.
Danach stünde eine Entkernung an, gefolgt von einem kompletten Neuaufbau des Innenlebens – von der Elektrik über die Wasserleitungen bis hin zu Heizung, Fenstern und Böden. All dies muss in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde geschehen, was den Prozess weiter verkompliziert und verteuert.
Die Zwangsversteigerung findet am 9. März 2026 um 10 Uhr in der Nebenstelle des Amtsgerichts am Reichenspergerplatz 1 statt. Interessenten sollten sich der enormen finanziellen und bürokratischen Herausforderungen bewusst sein, die mit diesem Kölner "Schnäppchen" verbunden sind.




