Der Kölner Rosenmontagszug 2026 ist kaum vorbei, da entfacht ein Video die Diskussion um den Einsatz von Pferden im Karneval erneut. Die Aufnahmen, die ein sichtlich gestresstes Tier der Blauen Funken zeigen, sorgen für scharfe Kritik von Tierschutzorganisationen. Während das Festkomitee auf strenge Regeln verweist, fordern Aktivisten ein endgültiges Verbot und kündigen rechtliche Schritte an.
Die Bilder zeigen ein Pferd, das wiederholt den Kopf schüttelt und unruhig auf der Stelle tritt. Für Experten sind dies klare Anzeichen von Stress, ausgelöst durch Lärm, Menschenmassen und die ungewohnte Umgebung. Der Vorfall wirft einmal mehr die Frage auf, ob die traditionsreiche Teilnahme von Tieren im Kölner Karneval noch zeitgemäß ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Video zeigt ein Pferd mit deutlichen Stresssymptomen während des Rosenmontagszugs 2026.
- Die Tierschutzorganisation PETA kritisiert den Einsatz scharf und plant Anzeigen beim Veterinäramt.
- Während des Zugs wurde ein Pferd leicht verletzt, vier weitere wurden wegen Unruhe vorzeitig herausgenommen.
- Das Festkomitee Kölner Karneval verteidigt den Einsatz und verweist auf strenge, über gesetzliche Vorgaben hinausgehende Richtlinien.
- Die Debatte über ein generelles Pferdeverbot im Kölner Karneval hält an, fand im Stadtrat bisher aber keine Mehrheit.
Ein Video sorgt für Aufsehen
Kurz nach dem Höhepunkt des Straßenkarnevals verbreitete sich ein Video, das ein Pferd aus der Reitergruppe der Blauen Funken in einer augenscheinlich belastenden Situation zeigt. Das Tier bewegt seinen Kopf und Hals hektisch auf und ab und scharrt mit den Hufen – Verhaltensweisen, die Fachleute eindeutig als Stresssignale identifizieren.
Die Tierschutzorganisation PETA reagierte umgehend. Peter Höffken, ein Fachreferent der Organisation, erklärte, dass solche Szenen leider keine Seltenheit seien. "Leider waren wieder viele Pferde mit den typischen Stressanzeichen zu sehen", so Höffken. Er betonte, dass neben Kopfschütteln auch das Scharren mit den Hufen ein häufig beobachtetes Zeichen für Unruhe und Überforderung bei den Tieren sei.
Warum sind Umzüge für Pferde stressig?
Pferde sind von Natur aus Fluchttiere. Laute Geräusche, plötzliche Bewegungen, große Menschenmengen und das Werfen von Gegenständen wie Kamelle können bei ihnen starke Stressreaktionen oder sogar Panik auslösen. Selbst gut trainierte Tiere können in einer solchen Reizüberflutung an ihre Grenzen stoßen.
Vorfälle während des Zugs
Obwohl es beim diesjährigen Rosenmontagszug keine dramatischen Zwischenfälle wie durchgehende Pferde gab, verlief der Tag für die Tiere nicht ohne Probleme. Laut einer Sprecherin des Festkomitees Kölner Karneval wurde ein Pferd am Rudolfplatz verletzt. Es trat in ein Absperrgitter und zog sich eine leichte Verletzung oberhalb des Hufs zu.
Das Tier wurde umgehend von einem anwesenden Sachverständigen versorgt. "Das Tier blieb ruhig, wurde aber vorsorglich an der nächstgelegenen Ausschleusestelle aus dem Zug genommen", teilte die Sprecherin mit. Darüber hinaus bestätigte die Stadt Köln, dass vier weitere Pferde "aus unterschiedlichen Gründen" vorzeitig aus dem Umzug entfernt wurden, weil sie sich unruhig verhielten.
Zahlen und Fakten zum Pferdeeinsatz
- Anzahl der Pferde 2026: Rund 230 Tiere nahmen am Rosenmontagszug teil.
- Rückläufige Tendenz: Vor zehn Jahren waren es laut Festkomitee noch etwa 500 Pferde.
- Vorzeitiges Ende: Der Einsatz der Pferde wurde wegen einer Gewitterwarnung rund zwei Stunden früher als geplant beendet, um die Tiere nicht durch Blitze oder Hagel zu gefährden.
Die Position des Festkomitees
Das Festkomitee Kölner Karneval (FK) verteidigt die Teilnahme der Pferde und verweist auf seine umfassenden Richtlinien, die die Sicherheit und das Wohl der Tiere gewährleisten sollen. Diese Regeln gehen nach eigenen Angaben über die Empfehlungen des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums hinaus.
Strenge Auflagen für Reiter und Tier
Zu den Maßnahmen gehören regelmäßige gemeinsame Trainingseinheiten für Reiter, Pferd und Pferdebegleiter. Zudem müssen alle Beteiligten Qualifikationsprüfungen ablegen. Weitere Vorschriften betreffen:
- Lärmpegel: Strenge Begrenzung in der Nähe der Tiere.
- Höchstgewicht: Klare Vorgaben für das Gewicht der Reiter.
- Einsatzzeit: Eine maximale Dauer, die die Pferde im Zug verbringen dürfen.
- Dopingkontrollen: Vor dem Start werden Blutproben entnommen, um die Tiere auf Schmerz-, Beruhigungsmittel oder Entzündungshemmer zu testen.
Für Tierschützer sind diese Maßnahmen jedoch nicht ausreichend. Die vorzeitige Beendigung des Pferdeeinsatzes wegen des aufziehenden Gewitters sehen sie als Eingeständnis der Risiken.
"Das sollte zu der Einsicht führen, dass die Pferde auch jederzeit vor anderen Elementen erschrecken und durchgehen können – etwa wegen des enormen Lärmpegels der Menschenmassen oder fliegender Kamelle."
– Peter Höffken, PETA
Eine festgefahrene politische Debatte
Die Diskussion um ein Pferdeverbot im Kölner Karneval ist nicht neu. Während Nachbarstädte wie Bonn bereits vollständig auf Pferde bei Umzügen verzichten, hält Köln an der Tradition fest. Anträge für ein generelles Verbot im Kölner Stadtrat fanden in der Vergangenheit keine politische Mehrheit. Die Befürworter argumentieren mit dem Traditionsbewusstsein und den strengen Kontrollen, die einen sicheren Einsatz ermöglichen würden.
Tierschutzorganisationen wie PETA sehen das anders. Sie werten die vorliegenden Videomaterialien aus und kündigten an, in besonders gravierenden Fällen erneut Anzeigen beim Kölner Veterinäramt zu stellen. Für sie stellt sich die grundsätzliche Frage, warum Tieren und Feiernden diese Form der Tiernutzung in der heutigen Zeit noch zugemutet wird.
Die Debatte wird die Stadtgesellschaft also auch nach Aschermittwoch weiter beschäftigen. Der jüngste Vorfall hat den Gegnern des Pferdeeinsatzes neue Argumente geliefert und den Druck auf Politik und Karnevalsvereine erhöht, die langjährige Tradition kritisch zu hinterfragen.




