Nur wenige Autostunden von Köln entfernt liegt ein Ort, der wie aus einer anderen Zeit wirkt. In Giethoorn in den Niederlanden gibt es keine Straßen, sondern Wasserwege. Statt Autos gleiten Boote leise durch die Kanäle, vorbei an reetgedeckten Häusern und über 170 kleinen Holzbrücken. Dieses einzigartige Dorf, oft als „Venedig des Nordens“ bezeichnet, bietet eine ruhige Alternative zum städtischen Trubel und ist ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge und kurze Urlaube.
Mit seiner Lage nur rund 80 Kilometer hinter der deutschen Grenze ist Giethoorn besonders für Besucher aus Nordrhein-Westfalen leicht erreichbar. Das Dorf mit seinen knapp 2.900 Einwohnern hat sich seinen historischen Charme bewahrt und wurde kürzlich sogar zu einem der schönsten Dörfer der Welt gekürt. Die autofreie Zone im Zentrum sorgt für eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Entschleunigung.
Auf einen Blick
- Giethoorn ist ein weitgehend autofreies Dorf in den Niederlanden, das von Kanälen durchzogen ist.
- Die Anreise von Köln dauert mit dem Auto etwa drei bis vier Stunden.
- Die Hauptattraktion sind Bootsfahrten durch das Labyrinth aus Wasserwegen.
- Das Dorf liegt direkt am Nationalpark De Weerribben-Wieden, dem größten Niedermoorgebiet Nordwesteuropas.
Ein Dorf auf dem Wasser erkunden
Die Erkundung Giethoorns beginnt am besten auf dem Wasser. Die Kanäle, hier „Grachten“ genannt, sind die Lebensadern des Dorfes. Besucher haben die Wahl zwischen verschiedenen Bootstypen, um die idyllische Landschaft zu entdecken. Eine beliebte Option ist das Mieten eines „Flüsterbootes“, eines kleinen, elektrisch betriebenen Bootes, das geräuschlos durch das Wasser gleitet und die Stille des Ortes nicht stört.
Alternativ werden auch geführte Rundfahrten in größeren Ausflugsbooten angeboten. Während der Fahrt erzählen die Kapitäne oft Wissenswertes über die Geschichte des Dorfes, das im 18. und 19. Jahrhundert durch den Torfabbau seine heutige Form erhielt. Wer es sportlicher mag, kann sich auch für ein Kanu oder Kajak entscheiden und die schmaleren Wasserwege auf eigene Faust erkunden.
Tipp für Besucher
Besonders in den Sommermonaten kann es auf den Kanälen sehr voll werden. Es wird empfohlen, Boote vorab online zu reservieren. Ein Besuch am Vormittag oder außerhalb der Hauptsaison im Frühling oder Herbst verspricht ein ruhigeres Erlebnis.
Zu Fuß durch eine malerische Kulisse
Auch abseits des Wassers hat Giethoorn viel zu bieten. Ein Netz aus Wander- und Spazierwegen führt über die charakteristischen hohen Holzbrücken und entlang der Kanäle. Die Wege bieten immer wieder neue Perspektiven auf die liebevoll gepflegten Gärten und die historischen Bauernhäuser mit ihren imposanten Reetdächern.
Es gibt verschiedene ausgeschilderte Routen für Spaziergänger. Eine kürzere Runde von etwa 4,3 Kilometern führt durch den Kern des Dorfes, während eine längere, 15 Kilometer lange Route auch die ländliche Umgebung miteinbezieht. Entlang der Wege laden zahlreiche Cafés und Restaurants mit Terrassen am Wasser zu einer Pause ein.
Naturerlebnis im Nationalpark De Weerribben-Wieden
Direkt an Giethoorn grenzt der Nationalpark De Weerribben-Wieden. Dieses riesige Schutzgebiet ist das größte zusammenhängende Niedermoorgebiet Nordwesteuropas und ein Paradies für Naturliebhaber. Die Landschaft ist geprägt von Seen, Teichen, Schilfgürteln und Sumpfwäldern.
Der Nationalpark ist ein wichtiger Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit etwas Glück kann man hier Fischotter, Kormorane oder die seltene Große Rohrdommel beobachten. Das Gebiet lässt sich, ähnlich wie Giethoorn selbst, hervorragend mit dem Boot, Kanu oder Kajak erkunden. Ausgeschilderte Wasserwege führen durch die unberührte Natur.
Entstehung durch Torfabbau
Die einzigartige Landschaft von Giethoorn und dem umliegenden Nationalpark ist das Ergebnis menschlicher Tätigkeit. Über Jahrhunderte stachen die Bewohner hier Torf, der als Brennmaterial diente. Die dabei entstandenen Löcher und Gräben füllten sich mit Wasser und formten so das heutige Labyrinth aus Seen und Kanälen.
Für Wanderer und Radfahrer gibt es ebenfalls gut ausgebaute Wege durch den Nationalpark. Ein besonderes Erlebnis ist eine Wanderung durch das Eeserveld bei Steenwijk, wo Spuren der letzten Eiszeit in der Landschaft sichtbar sind. Informationszentren am Rande des Parks bieten Karten und weitere Details zu den besten Routen und Beobachtungspunkten.
Anreise und praktische Informationen
Die Anreise von Köln und Umgebung nach Giethoorn ist unkompliziert. Mit dem Auto dauert die Fahrt je nach Verkehrslage zwischen drei und vier Stunden. Da das Zentrum von Giethoorn autofrei ist, müssen Fahrzeuge auf ausgewiesenen Parkplätzen am Rande des Dorfes abgestellt werden. Von dort aus ist das Zentrum bequem zu Fuß erreichbar.
Auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Anreise möglich. Eine Zugfahrt von Köln nach Zwolle dauert etwa vier Stunden. Von Zwolle aus verkehren regelmäßig Busse, die Besucher direkt nach Giethoorn bringen.
„Giethoorn bietet eine seltene Gelegenheit, dem Alltag zu entfliehen. Die Abwesenheit von Autolärm und die Dominanz des Wassers schaffen eine Atmosphäre, die man kaum woanders in Mitteleuropa findet.“
Für einen Besuch sollte man bequemes Schuhwerk einplanen, da die Erkundung hauptsächlich zu Fuß oder per Boot erfolgt. Die meisten Wege und Brücken sind gut instand gehalten, aber nicht alle sind barrierefrei. Wer einen längeren Aufenthalt plant, findet im Dorf und in der Umgebung eine Vielzahl an Ferienhäusern, kleinen Hotels und Bed-and-Breakfast-Unterkünften, viele davon direkt am Wasser gelegen.




