Nach einem tödlichen Unfall im Sommer und weiteren gefährlichen Situationen hat die Bezirksvertretung Innenstadt Maßnahmen beschlossen, um den Fußgängerüberweg am Kölner Ubierring sicherer zu machen. Geplant sind unter anderem technische Anpassungen und eine vorübergehende Geschwindigkeitsreduzierung für die Stadtbahnen der KVB.
Die Kreuzung an der Alteburger Straße gilt seit langem als Gefahrenpunkt, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer. Ein einstimmiger Beschluss soll nun den Weg für konkrete Verbesserungen ebnen und das Risiko für alle Verkehrsteilnehmer minimieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bezirksvertretung Innenstadt hat einstimmig Maßnahmen für mehr Sicherheit am Ubierring beschlossen.
- Ein tödlicher Fahrradunfall im Juni und ein Beinahe-Unfall im August waren Auslöser für die Initiative.
- Die KVB soll kurzfristig das Tempo ihrer Bahnen in diesem Abschnitt deutlich reduzieren.
- Langfristig werden technische Änderungen wie die Versetzung von Signalen und eine Anpassung der Vorrangschaltung für Bahnen angestrebt.
- Eine Bürgerinitiative hat rund 200 Unterschriften für eine Entschärfung der Gefahrenstelle gesammelt.
Ein bekannter Gefahrenpunkt in der Kölner Südstadt
Wer am Ubierring in Höhe der Alteburger Straße die Straßenseite wechseln möchte, steht vor einer komplexen Aufgabe. Zuerst muss eine Fahrspur überquert werden, dann die beiden Gleise der Stadtbahn und anschließend eine weitere Fahrbahn. Besonders kritisch ist die Situation für Menschen, die nicht schnell zu Fuß sind, wie Senioren mit Rollatoren oder Familien mit Kindern.
Der Wartebereich zwischen der Fahrbahn und den Gleisen ist extrem schmal und bietet keinen Schutz durch Absperrgitter. Springt die Ampel auf Rot, während man sich in der Mitte befindet, steht man unmittelbar neben den vorbeifahrenden Bahnen – eine Situation, die viele als beängstigend empfinden.
Tragische Unfälle als Weckruf
Die Dringlichkeit des Problems wurde durch zwei schwere Vorfälle im Sommer 2025 verdeutlicht. Mitte Juni verunglückte hier ein 63-jähriger Radfahrer tödlich. Nur wenige Wochen später, am 7. August, kam es zu einem weiteren Vorfall, der nur knapp glimpflich ausging.
Ein Augenzeuge berichtete, dass eine vom Chlodwigplatz kommende Stadtbahn den Kreuzungsbereich mit lautem Warnsignal passierte, obwohl die Fußgängerampel bereits auf Grün geschaltet hatte. Ein Rennradfahrer konnte nur durch eine geistesgegenwärtige Bremsung einen Zusammenstoß vermeiden.
Hintergrund: Die Initiative „Ring frei“
Die Bürgerinitiative „Ring frei“ setzt sich für eine sicherere und fahrradfreundlichere Gestaltung der Kölner Ringe ein. Nach den Vorfällen am Ubierring sammelte die Initiative Unterschriften von Anwohnern, um ihrer Forderung nach einer Entschärfung der Kreuzung Nachdruck zu verleihen. Die rund 200 gesammelten Unterschriften wurden der Bezirksbürgermeisterin übergeben.
Politik reagiert mit konkretem Maßnahmenpaket
Auf Antrag der Grünen-Fraktion hat die Bezirksvertretung Innenstadt nun einen einstimmigen Beschluss gefasst. Diesem ging ein Ortstermin mit Vertretern der Stadtverwaltung und der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) voraus, bei dem die Situation intensiv diskutiert wurde.
Der ursprüngliche Vorschlag der Grünen, eine starre Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h für die Bahnen einzuführen, wurde nach Gesprächen mit der KVB angepasst. Das Verkehrsunternehmen argumentierte, dass ein derart niedriges Tempolimit aus betrieblichen Gründen nicht umsetzbar sei.
Ein Kompromiss für mehr Sicherheit
Der nun verabschiedete Antrag sieht einen mehrstufigen Plan vor:
- Kurzfristige Temporeduzierung: Die KVB wird angewiesen, die Geschwindigkeit ihrer Bahnen im betroffenen Abschnitt „deutlich zu reduzieren“. Diese Regelung soll gelten, bis alle weiteren Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt sind. Eine konkrete Geschwindigkeit wurde nicht festgelegt.
- Technische Anpassungen: Ein Signalmast soll versetzt und die Vorrangschaltung für die Bahnen an die Gegebenheiten angepasst werden. Verwaltung und KVB sollen hierfür einen Zeitplan vorlegen.
- Langfristiges Ziel: Die temporäre Geschwindigkeitsbegrenzung soll evaluiert werden. Ziel ist es, eine dauerhafte Reduzierung der Bahngeschwindigkeit an dieser Stelle zu erreichen.
- Prüfung weiterer Überwege: Es soll geprüft werden, ob der nahegelegene Überweg an der Mainzer Straße ähnlich sicher gestaltet werden kann.
Der Beschluss im Detail
Der Antrag fordert KVB und Verwaltung auf, in einem Fachgespräch die Untersuchungsergebnisse des Beinahe-Unfalls vom August vorzustellen und einen verbindlichen Zeitplan für die Umsetzung der Verbesserungsmaßnahmen zu präsentieren.
Unterschiedliche Meinungen zur Umsetzung
Reinhold Goss, Fraktionsvorsitzender der Grünen und Sprecher der Initiative „Ring frei“, zeigte sich nach der Sitzung zuversichtlich. „Die KVB hat zugesichert, dass das Ziel letztlich eine Verringerung der Geschwindigkeit ist, ohne sich auf eine konkrete Zahl festlegen zu wollen“, erklärte er. Er betonte, dass sich sowohl KVB als auch die Verwaltung „intensiv Gedanken machen, wie man die Problematik auflöst“.
Die SPD-Fraktion unterstützte den Antrag ebenfalls, mahnte jedoch zur Vorsicht. Der Fraktionsvorsitzende Tim Cremer betonte, man müsse darauf achten, die KVB nicht „auszubremsen“.
„Wir müssen dafür sorgen, dass sie attraktiv bleibt.“
Diese Aussage unterstreicht den Spagat zwischen maximaler Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer und der Notwendigkeit, den öffentlichen Nahverkehr effizient und pünktlich zu halten. Die nun beschlossenen Maßnahmen sind ein Versuch, beiden Anforderungen gerecht zu werden.
Die Anwohner und regelmäßigen Nutzer der Kreuzung hoffen nun auf eine schnelle Umsetzung. Die gesammelten Unterschriften zeigen, dass der Wunsch nach mehr Sicherheit im Viertel groß ist. Die kommenden Monate werden zeigen, wie schnell und wirksam die beschlossenen Pläne in die Tat umgesetzt werden können.




