Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) stehen vor einer der größten Modernisierungen ihrer Geschichte. Mit einer Gesamtinvestition von rund 1,4 Milliarden Euro soll die alternde Fahrzeugflotte erneuert werden. Ziel ist es, die Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit im Kölner Nahverkehr wieder spürbar zu verbessern und die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesamtinvestition: Die KVB investiert rund 1,4 Milliarden Euro in die Modernisierung ihrer Stadtbahnflotte.
- Neue Fahrzeuge: Insgesamt werden über 260 neue Bahnen angeschafft, um alte und störanfällige Modelle zu ersetzen.
- Hintergrund: Die Maßnahme ist eine direkte Reaktion auf zunehmende Ausfälle und Verspätungen durch die veraltete Technik.
- Finanzierung: Die Stadt Köln unterstützt das Vorhaben mit einem Gesellschafterdarlehen in Höhe von 364 Millionen Euro für die jüngste Bestellung.
Ein Milliardenpaket für Kölns Schienen
Die Kölner Verkehrs-Betriebe haben ein umfassendes Investitionsprogramm auf den Weg gebracht, um die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs in der Stadt langfristig zu sichern. Das Gesamtvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro verteilt sich auf mehrere große Bestellungen, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden.
Die jüngste geplante Anschaffung umfasst 69 neue Stadtbahnen, die die Fahrzeuge der sogenannten 4500er-Serie ersetzen sollen. Diese Bahnen sind hauptsächlich auf den Linien 1, 7, 9, 12 und 15 im Einsatz. Allein für diesen Austausch stellt die Stadt Köln der KVB ein Darlehen von 364 Millionen Euro zur Verfügung.
Diese Bestellung ergänzt zwei bereits laufende Großaufträge: 62 neue Niederflurbahnen des Herstellers Alstom für 363 Millionen Euro und 132 moderne Hochflurbahnen von Stadler im Wert von rund 700 Millionen Euro.
Die Verkehrswende auf dem Prüfstand
Die massive Investition findet vor einem angespannten finanziellen Hintergrund statt. Die KVB verzeichnete im Jahr 2024 einen Verlust von 185,1 Millionen Euro. Diese Defizite werden zwar innerhalb des Stadtwerke-Konzerns ausgeglichen, reduzieren aber die Gewinne, die an die Stadtkasse fließen. Zukünftig soll der jährliche Verlust der KVB auf 160 Millionen Euro begrenzt werden, was ohne zusätzliche Mittel zu Angebotskürzungen führen könnte. Dies stellt eine Herausforderung für die von der Stadt angestrebte Verkehrswende dar, die stark von einem attraktiven ÖPNV abhängt.
Warum die Erneuerung unumgänglich ist
Der Hauptgrund für die milliardenschwere Investition ist der Zustand der aktuellen Fahrzeugflotte. Viele der insgesamt 290 Bahnen sind in die Jahre gekommen und technisch veraltet. Dies führt zu einer hohen Störanfälligkeit, häufigen Werkstattaufenthalten und letztlich zu den Verspätungen und Ausfällen, die Fahrgäste täglich erleben.
Besonders kritisch ist die Lage bei der 4500er-Serie. Diese zwischen 2005 und 2007 in Betrieb genommenen Niederflurfahrzeuge wurden als kostengünstige Modelle mit einer begrenzten Lebensdauer von 25 Jahren konzipiert. Ab dem Jahr 2030 erreichen sie das Ende ihrer Einsatzzeit.
Sanierung keine wirtschaftliche Alternative
Eine Sanierung der alten Bahnen wurde geprüft, aber als unwirtschaftlich verworfen. Laut Berechnungen der KVB würde die Ertüchtigung eines einzigen Fahrzeugs für eine weitere Nutzungsdauer von nur fünf Jahren mindestens 1,2 Millionen Euro kosten. Bei 69 Fahrzeugen entspräche das einer Summe von über 80 Millionen Euro – ohne eine langfristige Lösung zu bieten.
Lehren aus Produktionsverzögerungen
Die Notwendigkeit, ältere Bahnen über ihre geplante Lebensdauer hinaus zu betreiben, wurde durch Verzögerungen bei früheren Bestellungen verschärft. So musste die KVB bereits Bahnen der 4000er-Serie aufwendig sanieren, weil der Hersteller die als Ersatz bestellten neuen Züge nicht rechtzeitig liefern konnte. Grund waren offenbar technische Schwierigkeiten bei der Produktion von neuartigen 60-Meter-Langzügen.
Strategiewechsel bei der Beschaffung
Aus den Erfahrungen mit den verzögerten Lieferungen hat die KVB Konsequenzen gezogen. Statt auf komplexe Sonderanfertigungen wie 60 Meter lange Bahnen zu setzen, wird die neue Bestellung aus standardisierten 30-Meter-Wagen bestehen. Diese können bei Bedarf zu längeren Zügen gekoppelt werden.
Dieser Ansatz hat mehrere Vorteile:
- Geringeres Risiko: 30-Meter-Bahnen sind ein etabliertes Serienprodukt, das von vielen Herstellern angeboten wird.
- Mehr Wettbewerb: Eine größere Anzahl potenzieller Anbieter bei der Ausschreibung kann zu besseren Konditionen führen.
- Bewährte Technik: Standardisierte Komponenten wie Kupplungen sind erprobt und weniger fehleranfällig.
Die KVB erklärte in ihrer Vorlage für den Stadtrat, dass das Beschaffungsrisiko bei nicht serienreifen Langzügen deutlich höher sei, wie die aktuellen Probleme gezeigt hätten.
Schrittweise Umsetzung und Ausbaupläne
Der Stadtrat soll in einem ersten Schritt am 5. Februar über den Kauf von 33 der 69 benötigten Niederflurbahnen entscheiden. Die Entscheidung über die restlichen 36 Fahrzeuge wird vertagt, bis der städtische Haushalt weiter konsolidiert ist.
"Das höhere Beschaffungsrisiko bei Langzügen ergibt sich aus der fehlenden Serienreife für Niederflurlangzüge, wie sich im aktuell verzögerten Beschaffungsverfahren zeigt."
Zusätzlich soll mit dem ausgewählten Hersteller eine Option für weitere 44 Stadtbahnwagen vereinbart werden. Diese könnten in Zukunft beschafft werden, um das KVB-Netz weiter auszubauen und das Angebot für die wachsende Stadt zu verbessern. Ob diese Option gezogen wird, muss der Rat zu einem späteren Zeitpunkt gesondert beschließen.
Neue Halle für neue Bahnen
Um die Inbetriebnahme der vielen neuen Fahrzeuge zu bewältigen, ohne den regulären Werkstattbetrieb zu stören, plant die KVB den Bau einer speziellen Inbetriebsetzungshalle auf dem Gelände der Hauptwerkstatt in Weidenpesch. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund neun Millionen Euro. In dieser Halle sollen die Service- und Garantiearbeiten der Hersteller an den neuen Bahnen durchgeführt werden.
Der Zeitplan sieht vor, den Auftrag für die neuen Bahnen im dritten Quartal 2027 zu vergeben. Ab dem dritten Quartal 2030 sollen zwei Vorserienzüge im Kölner Netz getestet werden, bevor die Auslieferung der Serienfahrzeuge ab Anfang 2031 beginnt.




