Die Idee der Stadt Köln, auf der belebten Dürener Straße in Lindenthal neue Radschutzstreifen auf der Fahrbahn anzulegen, sorgt für erhebliche Diskussionen. Geschäftsleute und Lokalpolitiker äußern massive Bedenken, da für die Umsetzung entweder jahrzehntealte Bäume gefällt oder die wichtige Verkehrsader zur Einbahnstraße umfunktioniert werden müsste.
Auslöser der Debatte war eine unerwartete Ankündigung des Mobilitätsdezernats, das ursprünglich nur Lösungen für Ladezonen finden sollte. Nun steht ein weitreichender Eingriff in die Verkehrsführung zur Debatte, der auf breiten Widerstand stößt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadtverwaltung prüft die Einrichtung von Radschutzstreifen auf der Fahrbahn der Dürener Straße.
- Geschäftsleute befürchten negative Auswirkungen und kritisieren die Pläne als „eindimensional“.
- Für die Umsetzung müssten Parkplätze und rund 30 Jahre alte Bäume weichen oder die Straße zur Einbahnstraße werden.
- Bezirksbürgermeister Roland Schüler (Grüne) hält die Pläne für unrealistisch und schlägt schrittweise Lösungen vor.
Ein Vorschlag sorgt für Unruhe
Die Dürener Straße in Lindenthal ist eine der wichtigsten Einkaufsstraßen Kölns. Doch sie hat ein bekanntes Problem: Lieferfahrzeuge, die oft mitten auf der Fahrbahn halten und den Verkehr blockieren. Um dieses Problem zu lösen, wurde das städtische Mobilitätsdezernat beauftragt, neue Ladezonen zu prüfen.
Bei einem Ortstermin Ende Januar überraschte die Verwaltung die Anwesenden jedoch mit einer weitaus größeren Idee. Ein Mitarbeiter kündigte an, dass die Stadt das Ziel verfolge, Radschutzstreifen auf der Fahrbahn zu markieren. Dadurch solle der Ladeverkehr von der Straße verdrängt und die Gehwege vollständig dem Fußverkehr zur Verfügung gestellt werden.
Heftiger Gegenwind von Geschäftsleuten
Diese Ankündigung löste bei den ortsansässigen Händlern sofort Irritation aus. Michael Spernat, Vorsitzender des Rings Lindenthaler Geschäftsleute, äußerte sich deutlich kritisch.
„Ich finde es völlig fehl am Platze, uns so eine kurz gedachte und eindimensionale Idee zu präsentieren. Dem einen etwas wegzunehmen, um dem anderen etwas zu geben, so einfach geht das nicht.“
Für die Geschäftsleute seien alle Verkehrsteilnehmer – Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger – gleichermaßen wichtig. Ein Radstreifen auf der Fahrbahn sei ohne einen kompletten Umbau der Straße unsinnig. „Und dafür ist gar kein Geld da“, fügte Spernat hinzu. Er fordert von der Verwaltung durchdachte Lösungen, die die Bedürfnisse aller berücksichtigen.
Hintergrund: Die Situation auf der Dürener Straße
Die Dürener Straße ist insgesamt 22 Meter breit. Sie verfügt über eine Fahrspur in jede Richtung, flankiert von Parkplätzen. Der bestehende Radweg befindet sich derzeit auf dem Bürgersteig, was oft zu Konflikten mit Fußgängern führt. Gleichzeitig nutzen viele Radfahrer bereits die Fahrbahn, was wiederum zu gefährlichen Situationen mit dem Autoverkehr führen kann.
Praktische Hindernisse machen Pläne unrealistisch
Die Kritik an den Plänen der Stadtverwaltung wird durch handfeste Fakten untermauert. Um Platz für Radschutzstreifen zu schaffen, gäbe es nur zwei drastische Möglichkeiten, die beide auf erhebliche Widerstände stoßen.
Die erste Option wäre die Entfernung der seitlichen Parkbuchten. Dies würde jedoch unweigerlich die Fällung der rund 30 Jahre alten Bäume bedeuten, die zwischen den Parkplätzen stehen und das Straßenbild prägen. Eine solche Maßnahme gilt als politisch und ökologisch kaum durchsetzbar.
Einbahnstraße als Alternative?
Die zweite Möglichkeit wäre, die Fahrspuren zu verengen und die Dürener Straße in eine Einbahnstraße umzuwandeln. Ein solches Modell wurde bereits auf der Venloer Straße in Ehrenfeld umgesetzt. Doch auch diese Lösung ist laut dem Lindenthaler Bezirksbürgermeister Roland Schüler (Grüne) nicht praktikabel.
„Es wird auf der Dürener Straße keinen Schutzstreifen für den Radverkehr geben können“, stellt Schüler klar. Er verweist darauf, dass es anders als in Ehrenfeld keine geeignete Parallelstraße gibt, die den Verkehr in der Gegenrichtung aufnehmen könnte. Zudem müssen die Busse der KVB weiterhin in beide Richtungen fahren können, was bei einer Einbahnstraßenregelung nicht möglich wäre.
Millionenprojekt ohne Budget
Ein vollständiger Umbau der Dürener Straße, der für eine sichere Integration von Radwegen notwendig wäre, würde laut Bezirksbürgermeister Schüler Kosten in Millionenhöhe verursachen. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt Köln steht ein solches Budget derzeit nicht zur Verfügung.
Suche nach alternativen Lösungen
Nach der heftigen Kritik ist die Stadtverwaltung zunächst zurückgerudert. Ein Sprecher teilte mit, dass es „derzeit keine konkreten Planungen“ gebe, einen Schutzstreifen umzusetzen. Die Idee sei jedoch „nur eine von vielen Optionen“ und damit nicht vom Tisch. Die weiteren Diskussionen sollen nun im Arbeitskreis Dürener Straße der Bezirksvertretung Lindenthal geführt werden.
Bezirksbürgermeister Schüler plädiert für ein Vorgehen in kleinen Schritten. Anstatt eines großen Umbaus schlägt er pragmatischere Ansätze vor, um die Sicherheit für Radfahrer kurzfristig zu verbessern.
Piktogrammketten als möglicher Kompromiss
Eine von Schüler favorisierte Lösung ist die Markierung einer sogenannten Fahrrad-Piktogrammkette. Dabei werden Fahrradsymbole direkt auf die Fahrbahn gemalt, um Autofahrer darauf aufmerksam zu machen, dass Radfahrer die Straße mitbenutzen dürfen.
- Ziel: Erhöhung der Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme.
- Vorteil: Geringere Kosten und kein baulicher Eingriff nötig.
- Status: Die Stadt testet solche Markierungen bereits in einem Pilotprojekt auf anderen Straßen wie der Mommsenstraße und der Niehler Straße.
Eine schnelle Umsetzung ist jedoch auch hier nicht zu erwarten. Erst nach einer erfolgreichen Auswertung des Pilotprojekts wird das Mobilitätsdezernat über eine Ausweitung auf andere Straßen entscheiden. Der unmittelbare Fokus liegt nun darauf, gemeinsam mit den Geschäftsleuten eine neue Regelung für das Laden und Liefern zu finden.




