Die Europäische Kommission hat einen ehrgeizigen Plan zur Modernisierung des Schienennetzes vorgestellt. Bis zum Jahr 2040 sollen die Reisezeiten zwischen wichtigen europäischen Städten halbiert werden. Dieses Vorhaben zielt darauf ab, den Zug als klimafreundliche Alternative zum Flugzeug und Auto zu etablieren und damit die CO2-Emissionen im Verkehrssektor deutlich zu senken.
Der umfassende Aktionsplan sieht massive Investitionen in die Infrastruktur vor, um ein durchgehendes Hochgeschwindigkeitsnetz zu schaffen. Reisende aus Deutschland könnten von drastisch verkürzten Fahrzeiten profitieren, beispielsweise auf den Strecken von Berlin nach Kopenhagen oder von München nach Rom.
Die wichtigsten Punkte
- Die EU-Kommission will die Reisezeiten im innereuropäischen Zugverkehr bis 2040 halbieren.
- Geplant ist ein umfassendes Hochgeschwindigkeitsnetz, das Hauptstädte und große Metropolen verbindet.
- Die geschätzten Kosten für den Ausbau belaufen sich auf rund 345 Milliarden Euro bis 2040.
- Neben schnelleren Verbindungen sollen auch der Ticketkauf und die Fahrgastrechte verbessert werden.
Ein Netz für die Zukunft Europas
Der Plan der EU-Kommission ist mehr als nur ein Infrastrukturprojekt; er ist eine strategische Entscheidung für eine nachhaltigere Zukunft. Ziel ist es, den innereuropäischen Verkehr grundlegend zu verändern. Kürzere Flugstrecken sollen durch schnelle und komfortable Zugverbindungen ersetzt werden, was einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten würde.
Jeder Fahrgast, der vom Flugzeug auf die Schiene umsteigt, reduziert seinen persönlichen CO2-Fußabdruck. Um diesen Umstieg attraktiv zu machen, setzt die Kommission auf Geschwindigkeit und Komfort. Bis 2030 sollen zudem alle großen Flughäfen in der EU mit mehr als zwölf Millionen Passagieren pro Jahr an das Fern- oder Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen sein.
„Mit schnelleren, besser vernetzten Bahnstrecken und klimafreundlichen Kraftstoffen machen wir Europas Verkehrssystem sauberer, widerstandsfähiger und erschwinglicher“, erklärte der zuständige EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas bei der Vorstellung des Plans.
Konkrete Ziele für deutsche Reisende
Auch für Reisende aus Deutschland würde sich vieles ändern. Die Kommission hat konkrete Beispiele genannt, wie sich die Fahrzeiten verkürzen könnten. Eine Reise von Berlin nach Kopenhagen könnte statt sieben nur noch vier Stunden dauern. Die Verbindung von Berlin nach Wien über Prag würde sich von über acht auf viereinhalb Stunden verkürzen.
Besonders attraktiv wird die Schiene für Reisen in den Süden. Die Fahrt von München nach Rom, die heute noch etwa neuneinhalb Stunden dauert, soll zukünftig in nur noch sechs Stunden möglich sein. Diese drastischen Zeitersparnisse machen den Zug zu einer echten Konkurrenz für das Flugzeug auf diesen Strecken.
Geplante Fahrzeitverkürzungen im Überblick
- Berlin – Kopenhagen: von 7 auf 4 Stunden
- Berlin – Wien: von >8 auf 4,5 Stunden
- München – Rom: von 9,5 auf 6 Stunden
- Madrid – Lissabon: von 9 auf 3 Stunden
- Budapest – Bukarest: von 15 auf 6:15 Stunden
Ein finanzieller Kraftakt mit enormem Nutzen
Der Ausbau des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes ist ein Projekt von historischer Dimension, das erhebliche finanzielle Mittel erfordert. Die EU-Kommission schätzt die Kosten für die Fertigstellung des geplanten TEN-V-Netzes bis 2040 auf rund 345 Milliarden Euro.
Ein noch ambitionierterer Plan, der eine Verdreifachung des Hochgeschwindigkeitsnetzes mit Geschwindigkeiten von über 250 km/h vorsieht, könnte bis 2050 sogar bis zu 546 Milliarden Euro kosten. Demgegenüber steht jedoch ein geschätzter gesellschaftlicher Nutzen von etwa 750 Milliarden Euro, der durch Zeitersparnis, geringere Umweltbelastung und wirtschaftliche Impulse entsteht.
Wie wird das Projekt finanziert?
Die Finanzierung soll aus verschiedenen Quellen stammen. Neben öffentlichen Mitteln der Mitgliedstaaten und privaten Investitionen sollen auch EU-Fördermittel mobilisiert werden. Finanzinstitutionen wie die Europäische Investitionsbank (EIB) sollen Kredite und Garantien bereitstellen. Ein sogenannter „High-Speed Rail Deal“ soll ab 2026 die Finanzierungszusagen bündeln und koordinieren.
Die Deutsche Bahn begrüßt die Pläne ausdrücklich. Eine Sprecherin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass der Plan entscheidend für das weitere Wachstum des internationalen Fernverkehrs sei. Die DB werde die angekündigten Maßnahmen konstruktiv begleiten.
Wichtige grenzüberschreitende Projekte
Einige der wichtigsten Bauvorhaben, die das europäische Netz zusammenwachsen lassen, sind bereits im Gange und werden maßgeblich von der EU gefördert. Dazu gehören der Brenner-Basistunnel zwischen Österreich und Italien, der Lyon-Turin-Basistunnel und die Fehmarnbelt-Querung zwischen Deutschland und Dänemark. Diese Projekte sollen größtenteils bis 2030 fertiggestellt sein.
Neue Strecken und einfachere Buchungen
Neben der Beschleunigung bestehender Verbindungen sind auch komplett neue Hochgeschwindigkeitsstrecken geplant. Ein zentrales Projekt ist „Rail Baltica“, das Tallinn, Riga, Vilnius und Warschau verbinden und die baltischen Staaten an das europäische Netz anbinden wird. Auch eine direkte Hochgeschwindigkeitsverbindung von Paris über Madrid nach Lissabon ist Teil der Vision.
Ein weiterer wichtiger Aspekt des Plans ist die Vereinfachung des Ticketkaufs. Viele Reisende schrecken heute noch vor internationalen Zugreisen zurück, weil die Buchung kompliziert ist und verschiedene Anbieter kombiniert werden müssen. Ab 2026 soll eine neue EU-Verordnung dies ändern.
Ein Klick zur europaweiten Reise
Das Ziel ist ein einheitliches Ticketsystem, das es ermöglicht, grenzüberschreitende Fahrkarten verschiedener Anbieter auf einer einzigen Plattform zu kaufen – ähnlich wie es bei Flugbuchungen längst Standard ist. „Buchungen mit einem einzigen Klick sollen zum Standard werden“, so Kommissar Tzitzikostas. Dies soll auch für multimodale Reisen gelten, bei denen beispielsweise ein Zug und ein Flugzeug kombiniert werden.
Die Kommission hofft, dass mehr Wettbewerb auf der Schiene auch zu günstigeren Preisen führt. In Ländern wie Spanien und Italien hat die Marktöffnung bereits zu sinkenden Ticketpreisen und steigenden Passagierzahlen geführt. Dieser Effekt soll nun in ganz Europa erzielt werden, indem Barrieren für neue Bahnanbieter abgebaut werden.
Konkrete Projekte bereits in der Umsetzung
Unabhängig von dem großen EU-Plan gibt es bereits konkrete Fortschritte. So haben die Deutsche Bahn und Eurostar eine Partnerschaft angekündigt, die den Weg für die erste direkte Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Deutschland und London ebnen soll.
Zudem plant die Deutsche Bahn ab Dezember 2026 erstmals Direktverbindungen von München nach Mailand und Rom anzubieten. Auch das Nachtzugnetz wächst: Das Unternehmen European Sleeper will ab Juni 2026 eine neue Strecke von Amsterdam und Brüssel über Köln nach Mailand in sein Angebot aufnehmen. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Revolution auf der Schiene bereits begonnen hat.




