Denis Kapustin, eine Schlüsselfigur der europäischen Neonazi-Szene mit einer Vergangenheit in Köln, ist in der Ukraine getötet worden. Kapustin, auch bekannt unter seinem Kampfnamen „White Rex“, war der Anführer des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), einer paramilitärischen Gruppe russischer Staatsbürger, die auf der Seite der Ukraine kämpfen. Sein Tod wurde von der Gruppe selbst bestätigt.
Der Vorfall ereignete sich in der südlichen Region Saporischschja. Nach Angaben seiner Einheit fiel Kapustin einem Drohnenangriff der russischen Armee zum Opfer, während er eine Kampfaufgabe erfüllte. Die russischen Behörden hatten ihn und seine Organisation als terroristisch eingestuft.
Das Wichtigste in Kürze
- Denis Kapustin, Anführer des Russischen Freiwilligenkorps (RDK), wurde bei einem Drohnenangriff in der Ukraine getötet.
- Die RDK bestätigte seinen Tod und kündigte Vergeltung an.
- Kapustin lebte ab 2001 mehrere Jahre in Köln-Chorweiler und war in der Hooligan-Szene aktiv.
- Er galt als einflussreicher Rechtsextremist in Europa und war in Russland in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Tod durch Drohnenangriff bestätigt
Die Nachricht vom Tod Denis Kapustins wurde vom Russischen Freiwilligenkorps über den Nachrichtendienst Telegram verbreitet. In einer kurzen Mitteilung beschrieb die Gruppe den Vorfall und würdigte ihren Anführer.
„Heute Nacht ist unser Kommandant Denis ‚White Rex‘ Kapustin an der Front in Saporischschja während der Erfüllung einer Kampfaufgabe heldenhaft gefallen“, hieß es in der Erklärung. Die Gruppe kündigte an, die genauen Umstände des Vorfalls zu untersuchen und zu einem späteren Zeitpunkt weitere Details bekannt zu geben.
Die Erklärung schloss mit einer klaren Drohung an die russischen Streitkräfte. „Wir werden dich rächen, Denis. Dein Werk lebt weiter“, schrieb die Miliz. Die russische Regierung hat sich zu dem gezielten Angriff bisher nicht offiziell geäußert.
Eine Vergangenheit in Köln
Bevor Denis Kapustin zu einer zentralen Figur im bewaffneten Kampf gegen den Kreml wurde, hatte er eine prägende Zeit in Deutschland. Er lebte mehrere Jahre in Köln, wo seine Radikalisierung begann.
Von Chorweiler in den Krieg
Ab 2001 lebte Kapustin im Kölner Stadtteil Chorweiler. Hier knüpfte er erste Kontakte zur lokalen Hooligan-Szene und sammelte Gewalterfahrungen. Diese Jahre in Deutschland waren entscheidend für seinen Aufstieg in der rechtsextremen Szene in ganz Europa. Später zog er nach Moskau und baute von dort aus seine Netzwerke weiter aus.
Kapustin, der auch unter dem Namen „Nikitin“ bekannt war, nutzte seine Verbindungen, um sich als Unternehmer in der rechtsextremen Szene zu etablieren. Er gründete ein eigenes Modelabel, das bei Neonazis beliebt war, und organisierte europaweit Kampfsportveranstaltungen, die als Treffpunkte für Gleichgesinnte dienten.
Seine Aktivitäten blieben den deutschen Sicherheitsbehörden nicht verborgen. Im Jahr 2019 entzogen ihm die Behörden seinen Aufenthaltstitel. Zusätzlich wurde ein Einreiseverbot für den gesamten Schengen-Raum verhängt, was seine Bewegungsfreiheit in Europa stark einschränkte. Daraufhin verlagerte Kapustin seinen Lebensmittelpunkt in die Ukraine.
Das Russische Freiwilligenkorps
Mit Beginn des großangelegten russischen Angriffs auf die Ukraine im Jahr 2022 gründete Kapustin das Russische Freiwilligenkorps (RDK). Die Einheit besteht hauptsächlich aus russischen Staatsbürgern, die sich aus nationalistischen und rechtsextremen Motiven gegen die Regierung von Wladimir Putin stellen.
Das RDK erlangte internationale Bekanntheit durch mehrere gewagte Operationen auf russischem Territorium. Mit schwerer Militärtechnik drangen die Kämpfer mehrfach in die russischen Grenzregionen ein und besetzten zeitweise kleinere Ortschaften. Diese Angriffe dienten vor allem dazu, die russische Militärführung zu provozieren und die Verwundbarkeit der Grenze aufzuzeigen.
Offizielle Einstufung
Während die Ukraine die Unterstützung durch das RDK inoffiziell duldete, wurde die Gruppe nie als offizieller Teil der ukrainischen Streitkräfte anerkannt. Russland hingegen stufte das RDK als terroristische Organisation ein und verurteilte Kapustin in Abwesenheit zu einer lebenslangen Haftstrafe.
Die genaue Stärke und Ausrüstung der Gruppe sind unklar, doch ihre Fähigkeit, komplexe grenzüberschreitende Angriffe durchzuführen, deutet auf eine gewisse militärische Professionalität und Unterstützung hin.
Ideologischer Hintergrund
Die Motivation von Denis Kapustin war tief in einer rassistischen und rechtsextremen Ideologie verwurzelt. Er machte nie einen Hehl aus seiner Überzeugung von der „Überlegenheit der weißen Rasse“ und verbreitete regelmäßig rassistische und islamfeindliche Inhalte auf seinen Social-Media-Kanälen.
Experten sehen seinen Kampf nicht als Einsatz für eine demokratische Ukraine, sondern als Teil eines größeren Ziels. Der Osteuropa-Experte Thomas Dudek erklärte bereits 2023, dass Kapustins Hauptgegner das multiethnische Russland unter Wladimir Putin sei. Für einen Rassisten wie Kapustin sei ein „Vielvölkerstaat“, wie er ihn in Russland sah, ein „Albtraum“.
Sein Ziel war es, ein ethnisch homogenes, „weißes“ Russland zu schaffen. Der Kampf in der Ukraine bot ihm eine Plattform und die militärischen Mittel, um diesen ideologischen Krieg zu führen. Sein Tod hinterlässt eine Lücke an der Spitze des RDK, doch die von ihm geschaffene Organisation und ihre Ideologie werden voraussichtlich weiterbestehen.




