In Köln-Flittard steht ein Mehrfamilienhaus seit Monaten teilweise ohne Dach den Elementen schutzlos gegenüber. Während die Bausubstanz durch Regen und Kälte zunehmend verfällt, leben die verbliebenen Mieter in durchnässten, schimmelnden Wohnungen. Die Bezirksvertretung Mülheim wirft der Stadt Köln Untätigkeit vor und fordert dringendes Handeln, um den Verlust von bezahlbarem Wohnraum abzuwenden.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Mehrfamilienhaus in der Eduard-Heis-Straße ist seit Sommer 2025 teilweise ohne Dach.
- Verbleibende Mieter leiden unter nassen Wänden und massivem Schimmelbefall.
- Die Bezirksvertretung Mülheim kritisiert die Stadt Köln scharf für deren Untätigkeit.
- Es droht der vollständige Verlust von über 20 bezahlbaren Wohnungen.
Ein Bauprojekt mit verheerenden Folgen
Die Probleme in der Eduard-Heis-Straße begannen vor mehreren Jahren mit einer geplanten Sanierung. Der damalige Eigentümer wollte das Gebäude modernisieren, einschließlich des Daches. Doch die Arbeiten gerieten ins Stocken, als ihm offenbar die finanziellen Mittel ausgingen.
Nachdem das Dach bereits abgetragen war, kam es zum Baustopp. Ein provisorisches Schutzdach bewahrte das Haus zunächst vor den schlimmsten Witterungsschäden. Doch die Situation spitzte sich zu, als der Eigentümer Insolvenz anmelden musste. In der Folge wurde das Schutzdach im Sommer 2025 abgebaut.
Seitdem ist ein großer Teil des Gebäudes schutzlos dem Wetter ausgesetzt. Regen dringt ungehindert in die Bausubstanz ein und durchnässt die Decken und Wände der darunterliegenden Wohnungen.
Was ist eine Ersatzvornahme?
Die Ersatzvornahme ist ein Mittel des Verwaltungsrechts. Wenn ein Eigentümer seinen Pflichten (z. B. der Instandhaltung eines Gebäudes) nicht nachkommt und dadurch eine Gefahr entsteht, kann die zuständige Behörde die notwendigen Maßnahmen selbst durchführen oder beauftragen. Die Kosten dafür werden anschließend dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Die Bezirksvertretung sieht hier eine Möglichkeit für die Stadt, das Gebäude zu schützen.
Leben zwischen Feuchtigkeit und Schimmel
Für die verbliebenen Bewohner des Hauses ist die Lage dramatisch. „Es regnet rein, die Wände sind klitschnass, in den Wohnungen schimmelt es“, beschreibt ein Antrag der Bezirksvertretung die Zustände. Die Feuchtigkeit lässt Tapeten von den Wänden quellen und bietet einen idealen Nährboden für gesundheitsgefährdenden Schimmel.
Viele der ursprünglichen Mieter haben bereits die Konsequenzen gezogen und sind umgezogen. Einige mussten aufgrund des Mangels an bezahlbaren Alternativen sogar den Stadtbezirk verlassen. Doch nicht alle hatten diese Möglichkeit. Einige wenige Familien und Einzelpersonen harren weiterhin in den unzumutbaren Bedingungen aus.
Die Ungewissheit über die Zukunft des Gebäudes ist eine zusätzliche Belastung. Mit jedem Regentag verschlechtert sich der Zustand der Immobilie weiter, was eine spätere Sanierung immer aufwendiger und unwahrscheinlicher macht.
Politik fordert sofortiges Eingreifen
Die Bezirksvertretung (BV) Mülheim hat die Situation wiederholt auf ihre Tagesordnung gesetzt. Bereits im September 2025 forderte sie die Stadtverwaltung auf, Maßnahmen zum Schutz des Gebäudes zu ergreifen. Da nichts geschah, legte die BV in ihrer jüngsten Sitzung mit einem einstimmig angenommenen Dringlichkeitsantrag der Grünen und Linken nach.
„Mit jedem Tag ohne Dach wird eine zeitnahe Sanierung immer unwahrscheinlicher – insbesondere angesichts des nahenden Winters mit vielen regnerischen, frierenden Tagen.“
Jonas Höltig, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der BV Mülheim, nannte die Situation einen Skandal. In einer Stadt, in der bezahlbarer Wohnraum so dringend benötigt wird, sei es nicht hinnehmbar, dass die Verwaltung sehenden Auges ein Gebäude mit über 20 Wohnungen verfallen lasse.
Verlust von Wohnraum in Köln
Die Lage auf dem Kölner Wohnungsmarkt ist äußerst angespannt. Nach aktuellen Schätzungen fehlen in der Stadt mehrere zehntausend Wohnungen, insbesondere im bezahlbaren Segment. Der Verlust von über 20 bestehenden Wohneinheiten wie in Flittard verschärft diese Problematik zusätzlich.
Kritik an der Stadtverwaltung wächst
Der Vorwurf der Lokalpolitiker wiegt schwer: Die Stadtverwaltung scheue die rechtlichen und finanziellen Risiken eines Eingreifens. Laut Antragstellern gäbe es durchaus rechtliche Instrumente. So könnte die Wohnungsaufsicht mittels einer Ersatzvornahme selbst für ein Notdach sorgen oder das Gebäude zum Schutz der verbliebenen Bewohner sogar beschlagnahmen.
Die Kritiker ziehen einen bitteren Vergleich: „Während anderswo Häuser oder sogar Hotelzimmer für diese Zwecke für z. T. millionenschwere Mietverträge angemietet werden, lässt die Stadt in Flittard sehenden Auges bezahlbaren Wohnraum verfallen.“
Die Bezirksvertretung hat die Verwaltung nun erneut beauftragt, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Die zentrale Forderung ist, das Gebäude umgehend vor weiterem Regenwasser zu schützen, um den langfristigen Erhalt des Wohnraums zu sichern und den verbliebenen Mietern endlich eine Perspektive zu geben.




