Die Silvesternacht in Köln verlief in diesem Jahr spürbar ruhiger als in der Vergangenheit. Vertreter der Stadt, der Abfallwirtschaftsbetriebe und der Bürgergemeinschaft Altstadt ziehen eine überwiegend positive Bilanz. Weniger Feuerwerk, eine geringere Müllmenge und eine starke Präsenz von Ordnungskräften prägten das Bild. Dennoch bleiben Problemzonen wie der Rheingarten bestehen.
Nach Jahren der Kritik an Lärm, Müll und Sicherheitsrisiken scheint sich die Lage in der Kölner Innenstadt entspannt zu haben. Die ergriffenen Maßnahmen, darunter eine erweiterte Böllerverbotszone und ein erhöhtes Polizeiaufgebot, zeigten offenbar Wirkung. Doch die Diskussion um ein umfassenderes Feuerwerksverbot in sensiblen Bereichen der Altstadt geht weiter.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bürgergemeinschaft Altstadt bewertet die Silvesternacht als „eindeutig besser“ im Vergleich zu den Vorjahren.
- Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) verzeichnen ein geringeres Müllaufkommen, insbesondere in der Böllerverbotszone.
- Eine hohe Präsenz von Polizei und Ordnungsamt trug zur Deeskalation bei.
- Der Rheingarten wird weiterhin als „Gefahrenzone“ eingestuft, wo Feuerwerkskörper unsachgemäß gezündet wurden.
- Es gibt Forderungen, historische Kirchen wie Groß St. Martin besser vor Feuerwerk zu schützen.
Eine spürbare Beruhigung in der Altstadt
Für viele Anwohner der Kölner Altstadt war der Jahreswechsel 2025/2026 eine willkommene Abwechslung. „Die Lage hat sich insgesamt beruhigt“, bestätigt Dr. Joachim A. Groth, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Altstadt. In den vergangenen Jahren hatte die Gemeinschaft die Zustände oft scharf kritisiert und der Stadt teils „Handlungsunfähigkeit“ vorgeworfen.
Dieses Jahr klingt die Einschätzung deutlich anders. „Im Vergleich zu den vergangenen zehn Jahren wurde in der Silvesternacht weniger geknallt“, so Groth. Überraschend sei gewesen, dass bereits gegen 1 Uhr nachts weitgehend Ruhe einkehrte. Im Vorjahr habe es am Neujahrstag noch eine „Protestwelle“ von Mitgliedern gegeben, die sich über Lärm und Chaos beschwerten – diesmal blieben die Telefone still.
Beobachter führen die positive Entwicklung auf zwei Hauptfaktoren zurück: Es waren deutlich weniger Menschen in der Altstadt unterwegs, und das Sicherheitsaufgebot war massiv. „Das Polizeiaufgebot war groß und ist nach unserem Empfinden noch einmal gewachsen“, erklärt Groth. Als „bemerkenswert“ bezeichnete er den Besuch von Oberbürgermeister Torsten Burmester, der sich in der Nacht persönlich an der Seite von Polizei und Ordnungsamt ein Bild von der Lage machte.
AWB meldet weniger Silvestermüll
Auch das Stadtbild am Neujahrsmorgen war ein anderes. Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) sprechen von einem Erfolgskonzept. „Die Böllerverbotszone im linksrheinischen Teil der Innenstadt hat anscheinend Wirkung gezeigt“, erklärte ein Sprecher der AWB. In diesem Bereich wurde weniger gefeiert, was sich direkt in einem geringeren Müllaufkommen widerspiegelte.
Saubere Straßen nach der Feier
Die AWB war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Spuren der Silvesternacht zu beseitigen. Bereits in der Nacht waren 45 Mitarbeitende unterwegs, um Brücken und Hauptverkehrsstraßen zu sichern. Am Neujahrstag rückten dann rund 200 weitere Kräfte aus, um die Hotspots in der Innenstadt und die übrigen Veedel zu reinigen.
Obwohl in den Stadtteilen außerhalb des Zentrums tendenziell mehr gefeiert wurde, geht die AWB insgesamt von einem Rückgang des Silvestermülls im Vergleich zum Vorjahr aus. Die intensiven Reinigungsmaßnahmen wurden auch von der Bürgergemeinschaft gelobt. „Wir müssen der Stadt ein Lob aussprechen. Die AWB ist permanent unterwegs. Es ist kaum noch Müll zu sehen“, sagte Dr. Groth.
Ordnungsamt zieht positive Bilanz trotz Zwischenfall
Der neue Leiter des Kölner Ordnungsamtes, Dirk Käsbach, war in der Silvesternacht ebenfalls im Einsatz. Er sprach von einer ruhig verlaufenen Nacht. „Ich freue mich, dass Kölnerinnen und Kölner und Besuchende das neue Jahr zwar laut und bunt, aber vorwiegend friedlich begrüßt haben“, erklärte Käsbach. Die meisten hätten sich an die Regeln gehalten und in den Verbotszonen nicht geböllert.
Ein Wermutstropfen war ein gezielter Angriff auf Mitarbeitende des Ordnungsamtes im Bereich des Stapelhauses in der Altstadt. Dort wurden Einsatzkräfte mit Böllern beworfen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die Polizei stellte die Personalien der Verursacher fest, denen nun Anzeigen drohen.
„Angriffe auf Ordnungskräfte sind erschreckend. Das ist eine Form der Aggression, die sprachlos macht.“Dr. Joachim A. Groth, Vorsitzender der Bürgergemeinschaft Altstadt
Im Rahmen des Jugendschutzes führte der Ordnungsdienst 65 Gespräche. In 31 Fällen gaben Jugendliche Alkohol oder Tabak freiwillig ab. Positiv wurde vermerkt, dass nach derzeitigem Stand keine Fahrzeuge durch Feuerwerk beschädigt wurden.
Problemzone Rheingarten und die Debatte um Verbote
Trotz der allgemeinen Entspannung bleibt der Rheingarten zwischen Deutzer Brücke und Hohenzollernbrücke ein Sorgenkind. Die Bürgergemeinschaft meidet diesen Bereich in der Silvesternacht konsequent. „In die Gefahrenzone gehen wir nicht“, so Groth, der selbst nur wenige Meter entfernt wohnt. „Dort muss man jederzeit damit rechnen, von Feuerwerk getroffen zu werden.“
Gefahr durch unsachgemäßen Gebrauch
Ein häufig beobachtetes Problem im Rheingarten ist das unsachgemäße Zünden von Feuerwerksraketen. Viele Feiernde stecken die Raketen einfach in den Rasen, anstatt standsichere Abschussvorrichtungen wie leere Flaschen zu verwenden. Dies führt dazu, dass Raketen schräg starten oder nur wenige Meter hoch fliegen und eine unmittelbare Gefahr für umstehende Menschen darstellen.
Dieser Hotspot befeuert die grundlegende Diskussion über die Eignung der Altstadt für Massenfeuerwerke. Groth wirft grundsätzliche Fragen auf. Zum einen sei der Rheingarten ein Landschaftsschutzgebiet. Zum anderen verweist er auf das Sprengstoffgesetz, das das Zünden von Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen verbietet.
Auch in diesem Jahr seien wieder Raketen direkt neben der romanischen Kirche Groß St. Martin gezündet worden, die bis an die Türme flogen. „Der Fall der abgebrannten Kirche in Amsterdam sollte uns ein lehrreiches Beispiel sein“, mahnt Groth. Während der Dom durch eine strikte Verbotszone geschützt wird, fordert die Bürgergemeinschaft ähnliche Schutzmaßnahmen für Groß St. Martin. Die Grenze des Zumutbaren, so Groth, sei für die Altstadt an Silvester trotz der jüngsten Verbesserungen längst erreicht.




