Seit 100 Tagen ist Torsten Burmester Oberbürgermeister von Köln. Seine Amtszeit begann mit einem spürbaren Wandel im Rathaus. Der SPD-Politiker, der im Wahlkampf als „Macher mit Herz“ auftrat, setzt auf einen zupackenden Stil und eine hohe öffentliche Präsenz, um die drängenden Probleme der Stadt anzugehen.
Sein Ansatz, der sich deutlich von dem seiner Vorgängerin Henriette Reker unterscheidet, hat im Stadtrat eine neue Dynamik entfacht. Doch das Regieren ohne feste Ratsmehrheit stellt ihn täglich vor neue Herausforderungen.
Die ersten 100 Tage in Kürze
- Neuer Stil: Burmester pflegt ein Image als anpackender und bürgernaher Oberbürgermeister.
- Politische Lage: Er agiert mit wechselnden Mehrheiten im Rat und balanciert zwischen Grünen und CDU.
- Erste Projekte: Themen wie Sauberkeit, die Olympiabewerbung und das Suchthilfezentrum stehen im Fokus.
- Wahrnehmung: Im Rathaus und in der Politik wird ihm Tatkraft, aber auch ein dominanter Führungsstil attestiert.
Ein Oberbürgermeister zum Anfassen
Wer Torsten Burmester in den ersten Monaten seiner Amtszeit beobachtet, sieht einen Mann in Bewegung. Statt der Turnschuhe aus dem Wahlkampf trägt er nun oft Bauhelm, Gummistiefel oder greift selbst zum Laubbläser. Diese Bilder sind Teil einer bewussten Strategie: Burmester will zeigen, dass er die Probleme der Stadt nicht nur vom Schreibtisch aus verwaltet, sondern direkt vor Ort anpackt.
Ob auf der Baustelle des neuen Radstadions oder bei seiner Aktionswoche für mehr Ordnung in den Veedeln – der neue OB sucht die Öffentlichkeit. Er erklärt den Bürgern im Pantaleonsviertel persönlich die Notwendigkeit eines Suchthilfezentrums und wirbt unermüdlich für seine Vision von Köln. Dieser Stil kommt nach zehn Jahren unter Henriette Reker, der auf der Zielgeraden ihrer Amtszeit eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt wurde, bei vielen gut an.
Hintergrund: Die politische Konstellation in Köln
Der Kölner Stadtrat wird von den Grünen als stärkster Fraktion dominiert. Torsten Burmester (SPD) konnte sich in der Stichwahl jedoch nur mit der Unterstützung der CDU gegen die Grünen-Kandidatin Berivan Aymaz durchsetzen. Ein geplantes Dreierbündnis aus Grünen, CDU und SPD kam nicht zustande. Daher muss der Oberbürgermeister nun für seine Projekte um wechselnde Mehrheiten werben, was ihm eine zentrale und mächtige Rolle im politischen Gefüge verleiht.
Der Balanceakt im Stadtrat
Die politische Arbeit im Rathaus gestaltet sich für Burmester als komplexer Balanceakt. Auf der einen Seite stehen die Grünen, die stärkste Kraft im Rat. Auf der anderen Seite die CDU, der er seine Wahl verdankt und der er Loyalität entgegenbringt.
Diese Konstellation ohne festes Bündnis führt zu einer neuen politischen Kultur. Viele Ratsmitglieder sprechen von einer „Aufbruchstimmung“, da die Stimmen jeder Fraktion nun entscheidend sein können. Burmester muss überzeugen und Kompromisse schmieden. Bisher gelingt ihm das: Die Grünen haben trotz der Niederlage bei der OB-Wahl die wichtigen Beschlüsse mitgetragen.
Allerdings scheut Burmester auch die Konfrontation nicht. Seine Bemerkungen über die Grünen beim Neujahrsempfang oder sein offener Dank an die CDU bei der Prinzenproklamation sorgten für Diskussionen.
„Sogar Schwarz wählt Rot, bevor es Grün wird. Und ich will das in mich gesetzte Vertrauen nicht enttäuschen.“
Dieser Satz, geäußert im Karneval, wurde als klare Positionierung verstanden und von den Grünen kritisch zur Kenntnis genommen. Bislang hat er jedoch keine Fraktion nachhaltig verärgert.
Führungsstil zwischen Tatkraft und Dominanz
Im Rathaus wird Burmester als professionell und entscheidungsfreudig beschrieben. Mitarbeiter der Verwaltung empfinden ihn als lockerer im Umgang als seine Vorgängerin, wenn auch manchmal etwas direkt. Er scheut sich nicht, auch unpopuläre Themen wie das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben anzugehen und dafür persönlich zu werben.
Gleichzeitig attestieren ihm einige Ratsmitglieder ein machtbewusstes und dominantes Auftreten. Es heißt, er erwarte „Gefolgschaft“ für sein „Projekt Köln“. Wer seinen Vorstellungen nicht folge, werde schnell als unkonstruktiv wahrgenommen. Kritiker sehen darin eine Tendenz zur „Basta-Politik“, eine Anspielung auf seine Zeit als Referent des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder.
Vom DOSB-Chef zum OB
Vor seiner Kandidatur war Torsten Burmester Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Seine exzellenten Kontakte in die Sportwelt waren entscheidend dafür, dass Köln zur „Leading City“ der regionalen Olympiabewerbung wurde. Er nutzte sein Netzwerk auch, um die Kölner Wirtschaft für die Unterstützung der Bewerbung zu mobilisieren.
Erste Erfolge und zukünftige Herausforderungen
In den ersten 100 Tagen konnte Burmester bereits Akzente setzen. Die erfolgreiche Positionierung Kölns als führende Stadt für die Olympiabewerbung wird maßgeblich ihm zugeschrieben. Es gelang ihm, die lokale Wirtschaft zu mobilisieren, um vor dem Bürgerentscheid am 19. April für das Projekt zu werben.
Die Liste der Aufgaben bleibt jedoch lang. „Köln hat viele Probleme – und alle sind drängend“, sagte er nach seiner Wahl. Die Themen Sauberkeit, Mobilität, Wohnungsbau und die Sanierung der städtischen Infrastruktur werden seine Amtszeit prägen.
Die ersten 100 Tage haben einen ersten Eindruck vermittelt: Torsten Burmester will Köln mit Energie und Entschlossenheit voranbringen. Er hat viel Staub aufgewirbelt, wie es ein Ratsmitglied formulierte. Ob dieser frische Wind ausreicht, um die großen Herausforderungen der Stadt zu meistern, werden die kommenden Jahre seiner auf fünf Jahre angelegten Amtszeit zeigen.




