Die Stadt Köln hat der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem eine prominente Immobilie direkt am Dom für die Errichtung eines neuen Bildungszentrums in Deutschland angeboten. Das ehemalige Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums am Roncalliplatz ist der Favorit für das international bedeutende Projekt.
Eine Delegation aus Israel besuchte kürzlich die Stadt, um sich mögliche Standorte anzusehen. Die Entscheidung über den Sitz der deutschen Dependance von Yad Vashem wird für Anfang 2026 erwartet. Köln befindet sich im Wettbewerb mit anderen deutschen Städten wie München, Düsseldorf und Dortmund.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Köln bietet Yad Vashem das ehemalige RGM-Studienhaus am Roncalliplatz an.
- Eine israelische Delegation hat den Standort bereits besichtigt und Interesse gezeigt.
- Die Finanzierung der Sanierung soll durch Bund, Land und Yad Vashem erfolgen, ohne Kosten für die Stadt.
- Die endgültige Entscheidung über den Standort fällt voraussichtlich im Frühjahr 2026.
Ein prominenter Ort für die Erinnerung
Köln verstärkt seine Bemühungen, Standort für die erste deutsche Außenstelle der weltbekannten Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zu werden. Nach dem Scheitern des Projekts „Historische Mitte“ sucht die Stadt eine neue Nutzung für das leerstehende Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums. Nun soll es zum Herzstück der Kölner Bewerbung werden.
In der vergangenen Woche empfing Oberbürgermeister Torsten Burmester eine Delegation aus Israel. Bei dem Besuch wurden den Gästen zwei Immobilien vorgestellt: das Studienhaus am Roncalliplatz und das historische Zeughaus, in dem früher das Kölnische Stadtmuseum untergebracht war. Berichten zufolge zeigten die Vertreter von Yad Vashem ein klares Interesse am Standort direkt neben dem Dom.
Hintergrund: Yad Vashem
Yad Vashem in Jerusalem ist die weltweit zentrale Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust. Sie wurde 1953 gegründet, um der sechs Millionen jüdischen Männer, Frauen und Kinder zu gedenken, die von den Nationalsozialisten und ihren Kollaborateuren ermordet wurden. Neben der Dokumentation und Forschung ist die Bildungsarbeit eine ihrer Kernaufgaben.
Die strategische Bedeutung des Roncalliplatzes
Die Lage des ehemaligen RGM-Studienhauses gilt als unschlagbar. Direkt zwischen Kölner Dom und Hauptbahnhof gelegen, ist der Ort für Besucher aus ganz Deutschland und dem Ausland leicht erreichbar. Diese zentrale Position würde dem Bildungszentrum eine enorme Sichtbarkeit verleihen.
Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die räumliche Nähe zu anderen wichtigen Orten jüdischer Geschichte in Köln. Nur wenige hundert Meter entfernt entsteht derzeit das neue Jüdische Museum „MiQua“ über dem archäologischen Areal des mittelalterlichen jüdischen Viertels. Dort befindet sich auch die historische Mikwe, ein Ritualbad aus dem 8. Jahrhundert.
Zwei Standorte im Vergleich
- RGM-Studienhaus: Top-Lage am Dom, Nähe zum neuen Jüdischen Museum, favorisiert von der Delegation.
- Zeughaus: Nähe zum NS-Dokumentationszentrum, aber vermutlich höherer und komplexerer Sanierungsaufwand.
Herausforderungen und Chancen
Beide von der Stadt vorgeschlagenen Gebäude befinden sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Sowohl das Studienhaus als auch das Zeughaus müssten grundlegend modernisiert werden, bevor sie als Bildungs- und Begegnungsstätte genutzt werden könnten.
Der Zeitplan ist ambitioniert. Der deutsche Freundeskreis von Yad Vashem hat als Ziel für die Eröffnung das Jahr 2027 genannt. Dies lässt nur wenig Zeit für die notwendigen Planungs- und Bauphasen, einschließlich europaweiter Ausschreibungen für Architekten und Baufirmen. Die Komplexität der Sanierung, insbesondere beim denkmalgeschützten Zeughaus, stellt eine zusätzliche Hürde dar.
Eine finanzielle Entlastung für die Stadt
Ein entscheidender Punkt für die Stadt Köln ist die Finanzierungsstruktur des Projekts. Sollte Köln den Zuschlag erhalten, würden die Kosten für die Sanierung des Gebäudes voraussichtlich vollständig vom Bund, dem Land Nordrhein-Westfalen und Yad Vashem selbst getragen. Eine finanzielle Beteiligung der Stadt ist nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen.
Dies wäre eine elegante Lösung für die seit Jahren unklare Zukunft der prominenten, aber maroden Immobilie am Roncalliplatz. Das Projekt bietet die Chance, ein städtebauliches Problem zu lösen und gleichzeitig eine Institution von Weltrang nach Köln zu holen.
Der Wettbewerb der Städte
Köln ist nicht die einzige Stadt, die sich um die Ansiedlung des Yad Vashem-Zentrums bemüht. Auch in Nordrhein-Westfalen haben Düsseldorf und Dortmund ihr Interesse bekundet. Als stärkster Konkurrent gilt jedoch die bayerische Landeshauptstadt München.
Der bayerische Landtag hat sich bereits offiziell für eine Bewerbung ausgesprochen. Unterstützung kommt dort unter anderem von Charlotte Knobloch, der ehemaligen Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Für den Standort Köln setzt sich hingegen Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats und Vorsitzender der Kölner Synagogen-Gemeinde, stark ein.
Die endgültige Entscheidung, welche Stadt den Zuschlag erhält, liegt allein bei Yad Vashem in Israel. Sie wird für Ende Februar oder Anfang März 2026 erwartet. Bis dahin wird die Stadt Köln ihre Bewerbung weiter konkretisieren und offene Fragen der Delegation beantworten. Der Ausgang des Verfahrens wird nicht nur für Köln, sondern für die gesamte deutsche Erinnerungskultur von großer Bedeutung sein.




