Die in Köln geborene und bekannte ZDF-Moderatorin Marietta Slomka äußert anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums beim „heute journal“ ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Zukunft der deutschen Medienlandschaft. Sie warnt vor einer zunehmenden gesellschaftlichen Spaltung und sieht die Gefahr, dass sich in Deutschland ähnliche polarisierte Strukturen wie in den Vereinigten Staaten etablieren könnten.
Das Wichtigste in Kürze
- Warnung vor Fragmentierung: Slomka befürchtet eine Aufspaltung der Medien nach politischer Haltung, ähnlich dem Modell von CNN und Fox News in den USA.
- Zunehmende Polarisierung: Sie beobachtet eine starke Polarisierung in der Gesellschaft, die durch Emotionalisierung und gezielte Kampagnen populistischer Kräfte verstärkt wird.
- Angriffe auf Journalisten: Die Moderatorin spricht von systematischen Versuchen, die Pressefreiheit durch Einschüchterung, Shitstorms und sogar Morddrohungen zu untergraben.
- Verlust der Faktenbasis: Eine gemeinsame Grundlage an Fakten sei essenziell für den gesellschaftlichen Diskurs und drohe zu verschwinden.
Sorge vor amerikanischem Vorbild
Seit einem Vierteljahrhundert ist Marietta Slomka eines der bekanntesten Gesichter des deutschen Nachrichtenfernsehens. Zu ihrem Jubiläum blickt die 56-Jährige jedoch nicht nur zurück, sondern vor allem mit Sorge in die Zukunft. Ihre größte Befürchtung sei eine Entwicklung, wie sie in den USA bereits Realität ist.
„In den USA sagt es sehr viel über die politische Haltung aus, ob man CNN oder Fox News schaut. Diese Form der Fragmentierung halte ich für hochproblematisch“, erklärte Slomka gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sie hoffe inständig, dass Deutschland diesen Weg nicht einschlagen werde.
Medien in den USA: Ein polarisiertes System
In den Vereinigten Staaten haben sich Nachrichtenkanäle wie CNN (eher liberal) und Fox News (konservativ) zu Plattformen für bestimmte politische Lager entwickelt. Kritiker bemängeln, dass dies zu „Filterblasen“ führt, in denen Zuschauer hauptsächlich mit Informationen konfrontiert werden, die ihre bestehende Meinung bestätigen, was die politische Spaltung des Landes vertieft.
Für Slomka liegt der Wert von Formaten wie dem „heute journal“ gerade darin, ein breites Publikum zu erreichen. Sendungen, die nicht nur für eine bestimmte „politische Bubble“ produziert werden, seien ein hohes Gut. Sie schaffen einen Raum, in dem Menschen mit „ganz unterschiedlichen Hintergründen, Meinungen und Erwartungen“ zusammenkommen.
Gesellschaftliche Spaltung und Druck auf die Presse
Die Journalistin, die ihre Karriere als Volontärin bei der „Kölnischen Rundschau“ begann, sieht die Polarisierung nicht nur in den Medien, sondern in der gesamten Gesellschaft. „Wir erleben eine starke Polarisierung der Gesellschaft, die durch Clickbaiting, Emotionalisierung und Personalisierung ständig befeuert wird“, so Slomka. Sie betont, dass dies oft bewusst geschehe, insbesondere „gerade von populistischen Kräften“.
Diese Entwicklung geht Hand in Hand mit einem wachsenden Druck auf Medienschaffende. In einem Interview mit der „Kölnischen Rundschau“ sprach sie von gezielten Angriffen auf die Pressefreiheit.
„Wir erleben, ob mit oder ohne Anlass, dass versucht wird, Journalisten einzuschüchtern oder zu verunsichern – mit Shitstorms, mit Morddrohungen oder anderen Methoden, die der digitale Raum heutzutage liefert.“
Auf die Frage, ob sie selbst von solchen Anfeindungen betroffen sei, antwortete die Moderatorin, dass dies „in unterschiedlichen Abstufungen“ der Fall sei. Diese persönlichen Erfahrungen unterstreichen die Dringlichkeit ihrer Warnung.
25 Jahre im Nachrichtenstudio
- Debüt: 29. Januar 2001
- Sendung: ZDF „heute journal“
- Prägende Ereignisse ihrer Karriere: Die Anschläge vom 11. September 2001, die Corona-Pandemie und die russische Invasion in der Ukraine.
Ohne gemeinsame Fakten kein Diskurs
Ein zentraler Punkt in Slomkas Analyse ist die Bedeutung einer gemeinsamen Faktenbasis. Sie ist die Grundlage für jede konstruktive Auseinandersetzung in einer Demokratie. Wenn diese Grundlage erodiert, wird ein sinnvoller Dialog unmöglich.
„Wenn man die gemeinsame Faktenbasis nicht mehr hat, auf der man dann auch hart diskutieren kann, dann wird es wirklich schwierig“, mahnte die Moderatorin. Ohne einen Konsens über grundlegende Tatsachen zerfällt die Debatte in unvereinbare Meinungsblöcke, die nicht mehr miteinander kommunizieren können.
Ein Blick zurück auf eine veränderte Welt
Ihr 25-jähriges Jubiläum, das auf den 29. Januar fällt, veranlasst Slomka auch zu einer Reflexion über die vergangenen Jahrzehnte. Die Welt, in der sie ihre Arbeit beim ZDF aufnahm, war eine andere.
„Als ich im Januar 2001 angefangen habe, war zumindest unsere kleine Welt hier in Westeuropa noch relativ in Ordnung“, sagte sie rückblickend. Seitdem haben globale Krisen die Nachrichtenlage und das Weltgeschehen nachhaltig verändert. Als Wendepunkte nannte sie die Terroranschläge des 11. September 2001, die weltweite Corona-Pandemie und den großflächigen Angriff Russlands auf die Ukraine.
Ihre Warnungen sind somit nicht nur eine abstrakte Sorge, sondern das Fazit aus 25 Jahren an vorderster Front des Nachrichtenjournalismus – einer Zeit, in der die Welt und die Art, wie wir über sie berichten, komplexer und konfliktreicher geworden sind.



