Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) plant den Verkauf seines weitläufigen Produktionsgeländes in Köln-Bocklemünd. Dieses Areal war über Jahrzehnte hinweg der zentrale Drehort der legendären ARD-Serie „Lindenstraße“. Die Entscheidung ist Teil einer strategischen Neuausrichtung des Senders, der sich an moderne Produktionsanforderungen anpassen möchte.
Wichtige Fakten
- Der WDR verkauft sein 50 Hektar großes Produktionsgelände in Köln-Bocklemünd.
- Das Gelände diente fast 35 Jahre lang als Drehort der „Lindenstraße“.
- Moderne digitale Produktionsprozesse machen den großen Standort unwirtschaftlich.
- Ein transparentes Bieterverfahren für den Verkauf ist geplant.
- Der Verkaufsprozess soll bis spätestens 2035 abgeschlossen sein.
Ein Stück Fernsehgeschichte wird verkauft
Das 50 Hektar große Areal in Köln-Bocklemünd war fast 35 Jahre lang die Heimat der „Lindenstraße“. Millionen von Zuschauern verfolgten Woche für Woche die Geschichten rund um Mutter Beimer und ihre Nachbarn. Am 23. März 2020 endete die Serie nach 1785 Folgen und 52.770 Sendeminuten. Bereits im Jahr 2022 wurden die berühmten Außenkulissen, darunter die 150 Meter lange Häuserzeile, abgerissen.
Einige der Requisiten und Kulissenteile fanden jedoch ein neues Zuhause. Das Technik-Museum in Speyer zeigt beispielsweise in einer Dauerausstellung die Filmkulissen des Restaurants „Akropolis“. Diese Ausstellungsstücke bewahren einen Teil der Fernsehgeschichte für die Nachwelt.
Zahlen und Fakten zur „Lindenstraße“
- Erste Folge: 8. Januar 1985
- Letzte Folge: 23. März 2020
- Gesamtzahl der Folgen: 1785
- Gesamtlaufzeit: 52.770 Sendeminuten
- Abriss der Kulissen: 2022
Wirtschaftliche Gründe für den Verkauf
Der WDR begründet den geplanten Verkauf mit der Größe und den hohen Kosten des Standortes. Die Intendantin des WDR, Katrin Vernau, erklärte, dass das sehr große Betriebsgelände nicht mehr zu den Anforderungen eines digitalen und smarten Produktionsbetriebs passe. „Ein weiterer Erhalt des Standorts ist schlichtweg unwirtschaftlich“, so Vernau.
Moderne, digitale Produktionsprozesse benötigen deutlich weniger Platz als früher. Das riesige Areal in Köln-Bocklemünd rechnet sich daher nach Ansicht des Senders nicht mehr. Die Entscheidung basiert auf einer internen Bedarfsanalyse und einer unabhängigen Wirtschaftlichkeitsprüfung.
„Das sehr große Betriebsgelände in Bocklemünd passt nicht mehr zu den Anforderungen unseres digitalen, smarten Produktionsbetriebs. Ein weiterer Erhalt des Standorts ist schlichtweg unwirtschaftlich.“
Katrin Vernau, WDR-Intendantin
Transparenter Verkaufsprozess erwartet
Eine Sprecherin des WDR kündigte an, dass ein transparentes und offenes Bieterverfahren für den Verkauf des Geländes angestrebt wird. Einzelheiten zum genauen Ablauf des Verkaufsprozesses sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden. Dies soll Fairness und Chancengleichheit für alle potenziellen Käufer gewährleisten.
Hintergrund des WDR-Standortes
Das Gelände in Köln-Bocklemünd ist einer der größten Produktionsstandorte des WDR. Neben der „Lindenstraße“ wurden hier auch andere bekannte TV-Serien wie die Daily Soap „Verbotene Liebe“ produziert. Es beherbergt verschiedene Abteilungen, von Produktionshallen über Veranstaltungstechnik bis hin zum Instrumentenlager. Auch externe Mieter wie der Zentrale Beitragsservice (ehemals GEZ), die Produktionsgesellschaft der Bavaria Studios und die Film- und Theater-Ausstattung GmbH nutzen Teile des Areals.
Zukunftspläne und Zeitrahmen
In einem ersten Schritt wird ein internes WDR-Projektteam den Bedarf und die Möglichkeiten alternativer Standorte prüfen. Diese neuen Standorte sollen bereits ab 2028 für die betroffenen Bereiche zur Verfügung stehen. Mitarbeiter und Personalrat werden eng in diesen Prozess eingebunden, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.
Der gesamte Verkaufsprozess für die Immobilie soll laut WDR so zügig wie möglich abgeschlossen werden. Das Ziel ist es, den Standort spätestens bis zum Jahr 2035 vollständig zu veräußern. Mit diesem Verkauf endet ein bedeutendes Kapitel der deutschen Fernsehgeschichte, das über Jahrzehnte hinweg das Leben vieler Menschen geprägt hat.
Die Entscheidung des WDR, sich von dem großen Gelände zu trennen, markiert einen Wandel in der Medienlandschaft. Die Notwendigkeit, sich an neue Technologien und effizientere Arbeitsweisen anzupassen, ist für große Sendeanstalten entscheidend, um auch in Zukunft relevant zu bleiben. Der Verkauf ist ein klares Zeichen für diese Entwicklung.
Auswirkungen auf die Region
Der Verkauf eines so großen Areals im Kölner Norden wird auch Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und Stadtplanung haben. Es bleibt abzuwarten, welche Nutzungskonzepte für das Gelände entstehen und wie sich dies auf die Umgebung von Bocklemünd auswirken wird. Die Stadt Köln steht vor der Chance, ein großes Areal neu zu entwickeln und zu gestalten.
Die „Lindenstraße“ bleibt als kulturelles Erbe in Erinnerung. Der Verkauf des Geländes ist zwar das Ende einer Ära, aber auch der Beginn eines neuen Kapitels für den WDR und die zukünftige Nutzung des Areals in Köln.



