Vor dem Landgericht Düsseldorf hat am Dienstag ein 36-jähriger Mann aus Monheim gestanden, seine Ehefrau getötet zu haben. In einer emotionalen Erklärung schilderte der Angeklagte, wie Schulden und Spielsucht zu einem verhängnisvollen Streit führten, der das Leben einer 35-jährigen Mutter und Unternehmerin beendete.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein 36-jähriger Mann hat zum Prozessauftakt die Tötung seiner Ehefrau gestanden.
- Als Motiv nannte er hohe Schulden durch Spielsucht und einen Streit über eine bevorstehende Scheidung.
- Die Tat ereignete sich am Tag der Einschulung der älteren, sechsjährigen Tochter.
- Nach der Tat stellte sich der Mann mit den beiden gemeinsamen Kindern der Polizei.
Ein Geständnis zum Prozessauftakt
Der Prozess wegen Totschlags begann mit einem klaren Bekenntnis. „Ja, ich habe die Tat begangen und meine Frau getötet“, sagte der 36-jährige Angeklagte mit leiser Stimme vor der zuständigen Kammer des Düsseldorfer Landgerichts. Er drückte tiefe Reue über seine Tat aus und die verheerenden Folgen für seine Familie.
„Ich habe meinen Kindern die Mutter genommen. Ich schäme mich“, fügte er hinzu.
Der Mann, ein Deutsch-Türke, der als Schichtarbeiter tätig war, schilderte die Ereignisse, die zu der Eskalation führten. Seit seiner Festnahme befindet er sich in Untersuchungshaft. Das Gericht hat für den Prozess noch vier weitere Verhandlungstage bis Ende April angesetzt, um alle Details des Falles zu beleuchten.
Schulden und Spielsucht als Auslöser der Tragödie
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen massive finanzielle Probleme. Der Angeklagte gab zu, spielsüchtig zu sein und dadurch einen Schuldenberg von rund 46.000 Euro angehäuft zu haben. Immer wieder habe er Geld vom gemeinsamen Konto abgehoben, um seine Sucht zu finanzieren.
Seine 35-jährige Ehefrau, die in Leverkusen einen eigenen Friseursalon betrieb, habe ihn an dem Abend erneut zur Rede gestellt. „Sie hat mir wieder mal Vorwürfe gemacht, weil ich vom Konto Geld abgehoben und ausgegeben hatte“, erklärte der Angeklagte. Die Situation sei für sie offenbar nicht mehr tragbar gewesen.
Hintergrund: Spielsucht in Deutschland
Pathologisches Glücksspiel ist eine anerkannte Suchterkrankung. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weisen in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen ein problematisches oder pathologisches Spielverhalten auf. Die Folgen sind oft gravierend und umfassen finanzielle Zerrüttung, soziale Isolation und familiäre Konflikte.
Der fatale Streit
Am Tatabend erreichte der Konflikt seinen Höhepunkt. Die Ehefrau konfrontierte ihn mit dem Wunsch, sich scheiden zu lassen. Diese Ankündigung sei für ihn der Auslöser gewesen. „Da habe ich schwarzgesehen“, so der 36-Jährige vor Gericht. In diesem Moment habe er die Kontrolle verloren.
Er beschrieb, wie er seine Frau auf das Ehebett im gemeinsamen Schlafzimmer warf. Zunächst habe er versucht, sie mit den Händen zu erwürgen. Als dies nicht gelang, drückte er sein Knie so lange auf ihren Hals, bis sie erstickte. Die Obduktion bestätigte später den Tod durch Ersticken.
Der Tag der Einschulung
Die Tat ereignete sich an einem Tag, der für die Familie eigentlich ein freudiger Anlass hätte sein sollen. Die ältere der beiden Töchter, damals sechs Jahre alt, war erst wenige Stunden zuvor eingeschult worden. Dieser Umstand verleiht der Tat eine besonders tragische Dimension.
Ein unvorstellbarer Kontrast
Nur Stunden, nachdem die Familie gemeinsam den ersten Schultag ihrer Tochter gefeiert hatte, wurde die Mutter und Ehefrau getötet. Die beiden Kinder verloren an einem einzigen Tag ihre Mutter und faktisch auch ihren Vater.
Nachdem er seine Frau getötet hatte, weckte der Angeklagte seine beiden Töchter, die zu diesem Zeitpunkt vier und sechs Jahre alt waren. Gemeinsam mit den ahnungslosen Kindern verließ er die Wohnung in Monheim.
Flucht und Geständnis in Leverkusen
Mit seinen Töchtern im Auto fuhr der Mann ziellos umher, bevor er sich entschied, zur Polizei zu gehen. Er fuhr zu einer Polizeiwache in Leverkusen, dem Ort, an dem seine Frau ihren Friseurladen hatte. Dort stellte er sich den Beamten und legte ein erstes Geständnis ab.
Den Polizisten gegenüber gab er an, seine Frau im Streit um Geld getötet zu haben. Die Beamten fuhren daraufhin umgehend zur Wohnung in Monheim und fanden die 35-Jährige leblos vor. Für sie kam jede Hilfe zu spät. Die beiden Kinder wurden in die Obhut des Jugendamtes übergeben.
Der weitere Prozess wird nun klären müssen, ob die Tat juristisch als Totschlag oder als Mord zu werten ist. Die Verteidigung wird voraussichtlich auf eine Tat im Affekt plädieren, während die Staatsanwaltschaft die genauen Umstände und eine mögliche Heimtücke prüfen wird. Das Urteil wird Ende April erwartet.




